24.Januar2006
Flugblätter aus dem StuPa-Wahlkampf Januar 2006
Naziaufmarsch in Dortmund verhindern!
Sieben gute Gründe LiLi zu wählen
’Besser, konstruktiv, links’? Etikettenschwindel im Wahlkampf
Negative Autonomie. Der Globalhaushalt tritt in Kraft
Das 100-Tage Programm der LiLi
24.Januar2006
Samstag, 28.01.: Naziaufmarsch in Dortmund verhindern!
Nach Meinung vieler antifaschistischer Initiativen machen Polizei und Justiz wesentlich seltener von den Möglichkeiten des Volksverhetzungs-Paragraphen Gebrauch, als dies möglich wäre. Ab und zu werden allerdings Exempel statuiert, wie zum Beispiel am Kölner Aktivisten Axel Reitz, dem der Paragraph eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten eingebracht hat. Wer allerdings schon einmal auf einer Demonstration versucht hat, die Polizei auf einen Verstoß gegen den Paragraphen 130 aufmerksam zu machen, wird schnell festgestellt haben, dass kein besonders großes Interesse daran besteht, entsprechende Vergehen konsequent und regelmäßig zu verfolgen.
Keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Der Termin der Dortmunder Demonstration am kommenden Wochenende zeigt einmal mehr, worum es den Nazis eigentlich geht: Die zeitliche Nähe zum internationalen Holocaust-Gedenktag anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 muss als absolute Provokation gewertet werden. Wenn die Verfolgung von nationalsozialistischen Revisionisten wirklich so hart und unerbittlich geführt würde wie die Nazis behaupten, dürfte eine solche Demonstration ausgerechnet zu diesem Termin niemals genehmigt werden. Im Moment sieht es jedoch nicht danach aus, dass die Gerichte die Demonstration untersagen werden.
Blick über den Tellerrand
Ursprünglich waren für den 28. Januar bundesweit mehrere Aufmärsche geplant. Da der Kameradschaftsaktivist Christian Worch allerdings eine Frist nicht eingehalten hat, bleibt Celle von einer Demonstration verschont. Allerdings wird es in Stuttgart und in Lüneburg weitere Demonstrationen mit dem gleichen Motto geben. Wer also am Wochenende bei der Verwandschaft im Schwabenland oder in Niedersachsen weilt, kann sich auch dort politisch betätigen.
Ya Basta!
Für AntifaschistInnen aus dem Ruhrgebiet ist es wichtig, am kommenden Samstag in Dortmund präsent zu sein. In der letzten Zeit ist es verstärkt zu Aktivitäten der extremen Rechten in Dortmund gekommen. Trauriger Höhepunkt war die Ermordung des Dortmunder Punks Thomas S. im vergangenen März. In Dortmund existiert eine derart gefestigte Neonaziszene wie in kaum einer anderen Stadt in NRW. Gerade die freien Kameradschaften um den Dortmunder Siegfried Borchardt, auch bekannt als SS-Siggi, sind hier tonangebend. Mit dem Szeneladen "Buy or Die" hat sich die Dortmunder Szene eine weitere Anlaufstation für ihre Mitglieder gesichert. In dem Laden finden sich sowohl "Einsteigerklamotten" von Lonsdale und Pitbull, für die Stammkundschaft wird auch schon mal unter die Ladentheke gegriffen. Gemeinsam können wir am Samstag den Nazis zeigen, dass Dortmund noch lange nicht ihre Stadt ist.
Anständiger Aufstand
Offiziell durchgeführt wird der Aufmarsch von den sogenannten "Freien Kameradschaften". Für die Demonstration in Dortmund hat die nordrhein-westfälische NPD allerdings ihre Unterstützung zugesagt. Einmal mehr haben wir es also mit der unheiligen Allianz zwischen vordergründig legal operierenden Parteistrukturen und dem militantesten Teil der regionalen Naziszene zu tun. Informieren!
Um möglichst effektiv gegen die Demonstration in Dortmund vorzugehen, ist es wichtig informiert zu sein. Am kommende Freitag findet eine Informationsveranstaltung des antifaschistischen Bündnisses statt. Die Linke Liste an der Ruhr-Uni unterstützt nachdrücklich die antifaschistische Gegendemonstration und ruft alle Bochumer StudentInnen auf, sich an den Anti-Nazi-Aktivitäten in Dortmund zu beteiligen. Die Neonazis treffen sich voraussichtlich um 12:30 Uhr am S-Bahnhof Stadthaus. Von dort wird die rechtsextreme Demonstration starten, deren Route noch nicht bekannt ist.
Samstag, 28.01.:
Naziaufmarsch verhindern! Treffpunkt 10 Uhr Dortmund Hauptbahnhof. Gemeinsame Anreise ab Bochum: 09:43 mit dem RE6, Treffpunkt: 09:30 Haupteingang des Bahnhofsgebäudes
23.Januar2006
Sieben gute Gründe LiLi zu wählen
Licht ins Dunkel!
1. Unabhängige Kultur unterstützen
In den vergangenen Jahren haben wir mit dem studentischen Theaterfest megaFON, dem Festival Sommernachtskultur und vielen anderen Veranstaltungen spannende junge Kultur auf den Campus gebracht. Auch in der Oposition waren wir mit unseren Filmabenden aktiv und haben Kulturinitiativen unterstützt. Im AStA werden wir dieses Engagement noch weiter ausbauen. Und natürlich bleibt mit uns das KulturCafé Veranstaltungsort für Partys sowie alternative Kultur und wird nicht kommerziell verpachtet.
2. Parteiunabhängig aktiv sein
Gegen die Linke Liste treten die Hochschulgruppen von CDU/CSU, SPD, FDP und den Grünen an. Die Linke Liste steht keiner Partei nahe, sondern ist ein breites Bündnis aus außerparlamentarischen, antifaschistischen und undogmatischen Linken.
3. Studiengebühren abschaffen
Bildung darf keine Ware sein! Deshalb sind wir lokal und überregional aktiv im Aktionsbündnis gegen Studiengebühren. Mit unserer Beratung konnten wir vielen Opfern der rot-grünen Studiengebühren helfen und einigen sogar 650 Euro ersparen. Weil über die Ausweitung der Gebühren auf alle eingeschriebenen Studierenden vor Ort an der Uni entschieden wird, werden wir im AStA auf allen Ebenen daran arbeiten, die Pläne zu verhindern: Durch Verhandlungen mit der Uni-Leitung, durch Lobbyarbeit bei den EntscheidungsträgerInnen im Senat und durch die Organisation von öffentlichkeitswirksamen Protesten. Dabei sehen wir die Studiengebühren nicht isoliert, sondern im Kontext der herrschenden Bildungs- und Sozialpolitik.
4. Rektorat in die Pflicht nehmen
Ein AStA mit LiLi-Beteiligung wird die Uni auf Trab halten, nicht nur beim Thema Studiengebühren. Die angefangenen Reformen dürfen nicht zu Lasten der Studierenden gehen. Wir werden engen Kontakt zu Rektorat und Verwaltung halten, uns dabei aber nicht vereinnahmen lassen. Wir werden dafür kämpfen, dass die Uni-Leitung ihre Versprechen einhält und zum Beispiel den Numerus-Clausus-freien Übergang zwischen Bachelor- und Masterphase verwirklicht.
5. Kritische Wissenschaft fördern
Leben ist mehr als zur Uni gehen und Wissenschaft ist mehr als das, was in den offiziellen Veranstaltungen vorkommt. Mit Vorträgen, Lesungen und Diskussionen verschaffen wir gesellschaftskritischen Positionen Gehör.
6. Initiativen und Fachschaften stärken
Die Linke Liste sorgt dafür, dass der AStA wieder ein verlässlicher Partner für studentische und nichtstudentische Initiativen wird. Die Unterstützung von Fachschaften, Kulturveranstaltungen (z.B. dem Internationalen Bochumer Videofestival) und emanzipativen Projekten ist uns dabei besonders wichtig.
7. Nazis bekämpfen
Die Linke Liste nimmt weder Naziaufmärsche in Bochum und Umgebung hin, noch die regelmäßigen Übergriffe auf diejenigen, die nicht ins Weltbild der Nazis passen. Wir sind aktiv in regionalen Antifa-Plena und organisieren Aktionen gegen Rechts.
23.Januar2006
’Besser, konstruktiv, links’?
Über Etikettenschwindel im Wahlkampf
Vor einem knappen Jahr haben an der Ruhr-Uni die SPD-nahen RUB-Rosen und die Grüne Hochschulgruppe eine linke parteiunabhängige AStA-Koalition abgelöst. Möglich war die hauchdünne Mehrheit nur mit den Stimmen der CDU-Hochschulgruppe RCDS, die sich offen für Studiengebühren ausspricht. Ungefähr zur gleichen Zeit musste der AStA zugeben, dass er den RCDS-Funktionären unter der Hand und ohne Ausschreibung mehrere Jobs zugeschanzt hat, um den Verband für die Stimmen im Studierendenparlament zu entlohnen. Aber auch inhaltlich hatte die Arbeit von Rot-Grün im AStA nichts mit dem kritischen Engagement der linken und parteiunabhängigen VorgängerInnen gemein.
Schlechter
Wer geglaubt hat, dass ParteipolitikerInnen wenigstens das technische Know-How haben, um hochschulpolitisch aktiv zu sein, wurde enttäuscht. Leider mussten auch überregionale Strukturen wie das Landes-ASten-Treffen feststellen, dass mit dem Bochumer AStA nicht mehr zu rechnen war. Das lag auch daran, dass ein bisher nie dagewesenes Personalchaos geherrscht hat: Während der Amtszeit traten diverse ReferentInnen zurück. Zum Teil waren sie davon frustriert, wichtige hochschulpolitische Arbeiten alleine machen zu müssen - oder diese mangels Unterstützung einfach nicht bewältigen zu können. Zum Teil haben sie das Scheitern von Rot-Grün erkannt und wollten es nicht länger mittragen. Auch im AStA selbst wusste bei der ständigen Fluktuation bald niemand mehr, wer für was zuständig war. Und wer das eigene Amt nicht hingeschmissen hat, wechselte aus obskuren Gründen immer wieder die Zuständigkeitsbereiche oder war mit Viertelstellen in verschiedenen Referaten gleichzeitig tätig. Das verhinderte jegliches Einarbeiten in einen Bereich.
Destruktiv
Die RUB-Rosen behaupten von sich selbst, "konstruktiv“ und "links“ sein. Von beidem ist wenig zu sehen. Die jahrelange enge Zusammenarbeit der linken Vorgänger-ASten mit den lokalen Gruppen und Initiativen wurde kaum weiter geführt, der Dialog brach vielmehr ab. Damit die eigene Untätigkeit nicht so auffällt, schmücken sich Grüne und RUB-Rosen seitdem gern mit fremden Federn. Entgegen ihrer eigenen Aussagen haben sie nicht das Campusfest der RUB allein organisiert (sondern einen Bierstand gemacht). Sie haben nicht den Spielraum e.V. für alleinerziehende Studierende gegründet - das tat das Frauenbüro. Sie haben auch nicht das Protestcamp gegen Studiengebühren organisiert - das tat das listenübergreifende Protestkomittee, das der AStA durch die Verschleppung von wichtigen Entscheidungen eher behinderte. Auch die Urabstimmung zu den Gebühren wurde nicht von Rot-Grün organisiert - das tat der Wahlausschuss mit einem Vorsitzenden der alternativen liste. Die Initiativen, die laut Flugblättern von den Grünen unterstützt worden sind, wissen davon wenig: der_notstand e.V. etwa erinnert sich nicht an Hilfe von der GHG, und die politischen Initiativen an der Uni und in der Stadt, die linke Basisarbeit leisten, werden auch nicht von den Funktionären der Parteijugenden bevölkert, sondern zu einem nicht geringen Teil von den KandidatInnen der Linken Liste und der alternativen Liste.
Auch wenn sich die Parteienlisten mit der angeblichen Unterstützung von Fachschaften brüsten: Die Realität sieht anders aus. Anstatt die selbstverwaltete FachschaftenvertreterInnenkonferenz (FSVK) zu stärken, wurde den StudentInnen an der Basis ein zusätzlicher Fachschaftenreferent vor die Nase gesetzt, der in die Autonomie der Fachschaftenfinanzierung eingreift. Mangelnde Kommunikation führt auch für die FSVK-Sprecher zu Problemen. Konflikte über den Umgang mit und die Nutzung der studentischen Zeitung bsz endeten mit der Gründung einer unabhängigen, von der FSVK herausgegebenen Zeitung.
Rechts
Wer sich Linkssein auf die Fahnen schreibt, kauft sich nicht die Stimmen vom RCDS. Wer antifaschistisch ist, veröffentlicht keine Namen und Telefonnummern von AntifaschistInnen im AStA-Flur und im Internet. Wer antifaschistisch sein will, zeigt das auch und behandelt nicht Nazis als die kritische Öffentlichkeit, die sie niemals sein werden. Wer links ist, zensiert nicht die bsz solange, bis große Teile der Redaktion beschließen, auszuscheiden. Wer links ist, kürzt nicht die Mittel für Frauenprojekte um ein Drittel und nimmt diese Kürzungen erst Monate später nach großen Protesten verschiedenster Seiten zurück. Und wer links ist, kriminalisiert und denunziert nicht antifaschistische Aktionen, anstatt selbst aktiv zu werden. Wer links ist, leistet bei strategischen Differenzen wirklich konstruktive Kritik, anstatt eine listenübergreifende Erklärung gegen Nazis in der Öffentlichkeit zu diskreditieren.
Aber wofür stehen die anderen?
Die Linke Liste steht für eine parteiunabhängige linke Politik an der Uni und darüber hinaus. Wir haben im AStA jahrelang gut mit verschiedensten Initiativen zusammengearbeitet. Wir halten an der Selbstbestimmung der FSVK fest. Wir wollen eine Studierendenzeitung, die nicht Lokal-Unikum ist, sondern kritisch und unabhängig vom jeweils amtierenden AStA die politischen Entwicklungen und das Geschehen an der Uni beschreibt. Wir stehen dafür, dass die Leute das bekommen, was sie wählen, und nicht PolitikerInnen-Sprüche, hinter denen nichts steht.
18.Januar2006
Negative Autonomie
Doch das was von der Landesregierung als begrüßenswerte neue finanzielle Freiheit angepriesen wird, ist nichts anderes als die Kürzung von Mitteln unter dem Deckmantel der Einräumung höherer Flexibilität und Unabhängigkeit für die Universitäten. Denn die Landesmittel sollen, neben einer Grundfinanzierung, leistungsbezogen an die Universitäten und Fachhochschulen verteilt werden. Nach Kriterien wie Absolventinnenzahlen, Studiendauer und eingeworbener Drittmittel wird ermittelt, wie viel Geld den Universitäten jeweils zusteht. Die Ruhr Uni wird bei dieser parametrisierten Gelderverteilung denkbar schlecht abschneiden. Denn im Landesdurchschnitt beenden hier immer noch zu wenige Studierende ihr Studium bei einer insgesamt längeren Studienzeit. Für Forschung und Lehre an der Ruhr Uni bedeutet das für 2006 ein Defizit von 1,9 Mio. Euro.
Kleckern statt klotzen
Auch die Personalkosten der RUB können durch den Globalhaushalt nur zu 95 % gedeckt werden. Berechnungsgrundlage des Landes NRW für den Haushalt ist nämlich der Personalkostenanteil der Hochschulen im Landesdurchschnitt. Hier fehlen der RUB also ein paar Millionen Euro, die an anderer Stelle eingespart werden müssen. Da es sich bei fast allen Posten im Haushalt um Fixkosten handelt, kann dort auch nichts eingespart werden. Der einzige flexible Posten ist der für Forschung und Lehre. So wird es fast zwangsläufig darauf hinaus laufen, dass in diesem Bereich erhebliche finanzielle Einschnitte statt finden. Noch unter der rot-grünen Landesregierung wurden die Fakultäten der RUB von der Landesregierung auf ihre Auslastung im Vergleich zu anderen Hochschulen in NRW hin untersucht. Vor allem geisteswissenschaftliche Fächer sind laut dieser Analyse im Landesdurchschnitt nicht ausreichend ausgelastet und damit von einschneidenden Kürzungen bedroht. Bis jetzt gibt es aber weder von der Landesregierung noch von der Unileitung genaue Angaben wo wie viel gekürzt werden soll.
Paradigmenwechsel in der Hochschulpolitik
Doch die Einführung des Globalhaushalts war nur ein erster Schritt. Mit ihr geht auch ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Hochschulpolitik und im Selbstverständnis der RUB einher. Im Rahmen des Hochschulkonzepts 2010 traf die Landesregierung sogenannte Zielvereinbarungen mit jeder einzelnen Hochschule in NRW. Ein Schlagwort dieser Vereinbarungen lautete Profilbildung. Zwar soll die RUB auch weiterhin Volluniversität bleiben, doch die profilbildenden Schwerpunkte werden Bereiche wie Life Sciences and Life Technologies und Plasma Science and Technology sein. Diese Fächer werden gezielt durch einen Innovationsfond gefördert, während, wie wir gesehen haben, bei anderen, nichtprofilbildenden Fächern erheblich gekürzt wird. Doch eine Lösung, wie die fehlenden Mittel doch noch bereit gestellt werden können ist schon gefunden: Mit der Ausweitung der Studiengebühren auf das Erststudium können die Finanzlöcher im Unihaushalt teilweise gestopft werden. So wird sich das Land noch weiter aus der Finanzierung der Hochschulen zurückziehen. Der rot-grüne AStA hat im vergangenen Jahr leider nichts unternommen, um hier entgegenzusteuern - weder hochschulintern, noch überregional. Wir wollen das ändern.
15.Januar2006
Unser Rezept für einen besseren AStA
Das 100-Tage Programm der LiLi
1. Schluss mit den korruptions- ähnlichen Zuständen
Für einen AStA mit LiLi-Beteiligung ist klar: Politische Ämter werden mit vom Studierendenparlament bestätigten ReferentInnen besetzt. Unpolitische Jobs zum Beispiel in der AStA-Druckerei und im Copyshop werden öffentlich ausgeschrieben. Auch die vom amtierenden AStA unter der Hand an RCDS-Funktionäre vergebenen Jobs werden so schnell wie möglich offen ausgeschrieben - sofern die Stellen überhaupt faktisch benötigt werden und nicht einzig zur Bezahlung der CDU-nahen Hochschulgruppe als Gegenleistung für Stimmen im Studierendenparlament geschaffen worden sind.
2. Vertrauen zurückgewinnen
Ein LiLi-AStA wird Gespräche mit Gewerkschaften, Initiativen und Gruppen sowohl an der RUB als auch in der Stadt aufnehmen, um das von rot-gelb-grün verspielte Vertauen zurückzugewinnen. Für die Gruppen und Initiativen werden wir ein verlässlicher Bündnispartner sein und nicht durch widersprüchliche Äußerungen oder mangelndes Engagement Verwirrung stiften.
3. Fachschafts-Autonomie wieder herstellen
Ein AStA mit LiLi-Beteiligung wird die umstrittene Fachschaften-Finanzierungsrichtline durch eine Vereinbarung mit der Fachschaftsvertretung FSVK ersetzen. Ein einfacher Grundsatz: Wie das für Fachschaftenprojekte vorgesehene Geld ausgegeben wird, sollen die Fachschaften in ihrem Vertretungsgremium selbst entscheiden. Ein LiLi-AStA wird sich inhaltlich nicht einmischen. Er würde sich nur dann einem FSVK-Votum nicht anschließen, wenn es rechtliche Probleme gibt oder ein Projekt sexistische, rassisitische oder anders diskriminierende Inhalte erkennen ließe.
4. Eigene Aktion statt fremde Federn
Im AStA werden wir selbst aktiv und versuchen nicht, unsere eigene Untätigkeit durch fremde Federn zu kaschieren. Wir werden wieder einen AStA-eigenen Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurs für Frauen anbieten. Wir werden nicht wie der amtierende AStA dreist behaupten, der vom Hochschulsportbüro angebotene Selbstverteidigungskurs werde vom AStA veranstaltet, um so darüber hinwegzutäuschen, dass die Studierendenvertretung das AStA-eigene Engagement nicht fortgesetzt hat. Bei unserem Kurs achten wir darauf, dass er von erfahrenen Trainerinnen geleitet wird.
5. Aktionsplan gegen Rechts
Ein LiLi-AStA wird mit Uni-Leitung, Verwaltung und den Personalräten der RUB Gespräche über ein Aktionsplan gegen Rechts aufnehmen. Das Ziel: Nazi-Schmierereien in den Gebäuden müssen nicht nur umgehend überpinselt werden, sondern alle Verantwortlichen an der RUB müssen jeder Form von Rechtsextremismus aktiv und mit konkreten Maßnahmen entgegentreten. Damit ein gemeinsames Vorgehen möglich wird, sorgen wir dafür, dass sich alle Gruppen zur Beratung an einen Tisch setzen. Weil Pöbeleien, rassistische Übergriffe und antisemitische Demonstrationen auch in Bochum ein Problem darstellen, arbeiten wir mit lokalen Initiativen zusammen und treten für eine tolerante und antifaschistische Stadt ein. Dadurch wollen wir dazu beitragen, dass sich alle Studierenden an der RUB und in Bochum wohl fühlen können - auch wenn sie nicht in das abstruse Weltbild der Nazis passen.
6. Aktiv gegen Studiengebühren
Wir werden auch im AStA aktiv gegen jede Form von Studiengebühren und für ein Recht auf Bildung kämpfen. Insbesondere werden wir die Arbeit des Aktionsbündnis gegen Studiengebühren unterstützen und vor Ort verankern. Situationen wie unter dem amtierenden AStA, dass die NRW-ASten landesweit zu einer zentralen Demonstration mobilisieren, der Bochumer AStA aber noch nicht einmal Ankündigungs-Plakate aufhängt, wird es mit uns nicht geben.
7. Kritische Wissenschaft fördern
Für uns ist Leben ist mehr als zur Uni gehen und Wissenschaft mehr als das, was in den offiziellen Veranstaltungen vorkommt. Mit Vorträgen, Diskussionen und Lesungen wird ein AStA mit LiLi-Beteiligung kritischen Positionen Gehör verschaffen. Dazu arbeiten wir mit studentischen Initiativen zusammen und laden WissenschaftlerInnen ein.
Nach 100 Tagen im Amt werden wir öffentlich Rechenschaft darüber ablegen, welche der Ziele wir bereits erreicht haben, woran wir weiterhin arbeiten und was sich die Linke Liste im AStA für die restliche Amtszeit vorgenommen hat.
Für einen besseren AStA: Linke Liste wählen!
15.Januar2006
Wir müssen draußen bleiben?
Trotz Protest: Sowi-Master-NC soll kommen
Lügen "politisch gewollt"?
Die Entscheidung für den NC kam nur mit der hauchdünnsten Mehrheit zustande: Er wurde mit 6 Ja-, 5 Nein-Stimmen und einer Enthaltung beschlossen. In der vorausgegangenen Diskussion gab ein Politik-Professor zu, dass den ersten Bachelor-Studierenden nicht die Wahrheit gesagt wurde, als man ihnen einen zulassungsfreien Übergang in die Masterphase versprach. Ein anderer Professor setzte dem noch eins drauf: Die absichtliche Fehlinformation sei "politisch gewollt" gewesen. Mit anderen Worten: Um die Durchsetzung der konsekutiven Studiengänge, die hochschulintern und öffentlich sehr umstritten waren, nicht zu gefährden, haben Landesregierung sowie Uni-Rektorat das Blaue vom Himmel gelogen - und unsere ProfessorInnen haben sich daran beteiligt.
Miese Quoten
Alle Mitglieder des entscheidenden Fakultätsrats stellten fest, dass die Einführung der Quote ungerecht ist. Dennoch könne man auf das "Steuerungsinstrument" Numerus Clausus nicht verzichten, hieß es. Dieser Meinung mochten sich immerhin 5 Anwesende - unter ihnen auch zwei Lehrende - nicht anschließen. Laut der vorliegenden Prognose werden im kommenden Wintersemester rund 55 Prozent der Sowis in den Master-, der Rest in den Bachelor-Studiengängen eingeschrieben sein. Gewünscht ist ein Verhältnis von 40 zu 60. Beantragt werden soll zwar zunächst eine Quote von 50 zu 50. Doch ob das Landesministerium diese bewilligt oder herabsetzt, ist eine andere Frage. So oder so kann jetzt noch keine Aussage darüber getroffen werden, wie hoch der neue Numerus Clausus ausfallen wird.
Unser Tipp:
Die Studis, die im Wettstreit mit den KommilitonInnen den Kürzeren ziehen, aber nicht auf ein sozialwissenschaftliches Studium verzichten möchten, können sich weiterhin in den Master of Education einschreiben. Hier ist es aufgrund eines Abkommens mit der Landesregierung noch nicht möglich, eine Zulassungsbeschränkung einzuführen. Außerdem wirde die Linke Liste zusammen mit dem Fachschaftsrat Sowi für eine Abschaffung des Zwischen-NC kämpfen. Die nur hauchdünne Mehrheit macht uns Mut, auch wenn klar ist, dass die Beschränkung politisch gewollt und sowohl von der Uni-Leitung als auch vom Land unterstützt wird. Aber: Lügen müssen kurze Beine haben, auch an der Sowi-Fakultät. Der Trend hin zu einem Schmalspur-Studium für viele und einem Master, der nur für wenige zugänglich ist, muss gestoppt werden!
15.Januar2006
Soirée du film noir
Donnerstag, 19. Januar, 19:30 Uhr, GABF 04/611
Beide Filme gelten als Klassiker des "film noir“, der sogenannten schwarzen Serie Hollywoods, bei der es sich tatsächlich jedoch weder um eine Serie noch um ein eigenes Genre handelt. Unter dem Etikett "film noir“, das der französische Filmkritiker Nino Frank bereits 1946 geprägt hat, werden bis heute gemeinhin jene Kriminalfilme der vierziger und fünfziger Jahre gefaßt, die sich nicht nur optisch durch ihre düstere Atmosphäre, sondern auch durch eine pessimistische Grundhaltung auszeichnen, die sie von klassischen Hollywoodfilmen (die Horror- und Gangsterfilme der dreißiger Jahre eingeschlossen) unterscheidet. Wichtige Inspirationsquellen des "film noir“ sind die amerikanische "hard-boiled detective novel“, wie sie vor allem Dashiell Hammett und Raymond Chandler geprägt haben, und der deutsche expressionistische Film.
Ausschlaggebend für die emotionale Wirkung dieser Filme ist weniger das Happy-End, das die meisten von ihnen als formelle Konvention sogar strikt einhalten, als vielmehr die Erfahrung, daß moralische Wertvorstellungen sich regelmäßig blamieren vor einer Wirklichkeit, in der sich vorzugsweise die Schurken zurechtfinden. Der moralisch integre Held mit weißem Hut ist in der Welt des "film noir“ von vornherein zum Scheitern verurteilt. Charakteristisch sind spröde Typen, die stur auf ihren eigenen Vorteil blicken und für hochtrabende Ideale nichts übrig haben. Das gilt auch für die vermeintlich positiven Protagonisten der Filme. Bemerkenswerter noch als die illusionslosen Männergestalten sind allerdings die selbstbewußten und raffinierten Frauen, die die Haustür von außen zuschlagen und es mit den Männern an Gehässigkeit aufnehmen.
Der "film noir“ gilt zugleich als einer der künstlerischen Höhepunkte des klassischen Hollywoodkinos. Auch wenn "Die Wendeltreppe“ dieser Gattung nur mit Einschränkungen zuzurechnen ist, insofern die literarischen Einflüsse in diesem Fall eher in der englischen "Gothic novel“ zu suchen sind, können die beiden hier gezeigten Filme dennoch als exemplarische Vertreter gesehen werden, die jeweils ein wichtiges Element des "film noir“ zur Schau stellen: Während "The Big Sleep“ die Detektivfilmtradition respräsentiert (und mit Humphrey Bogart in der Rolle des Philip Marlowe gleich zwei Ikonen dieses Fachs vorstellt), erinnert "The Spiral Staircase“ mit dem artifiziellen Dekor und dem bisher längsten Gewitter der Filmgeschichte vor allem an die Tradition des expressionistischen Films, den der in Deutschland aufgewachsene und später vor den Nazis geflüchtete Robert Siodmak noch sehr genau vor Augen gehabt haben dürfte.
The Spiral Staircase, USA 1945; Regie: Robert Siodmak; Drehbuch: Mel Dinelli nach dem Roman "Some Must Watch“ von Ethel Lina White; Kamera: Nicholas Musuraca; Darsteller: Dorothy McGuire, Ethel Barrymore, George Brent, Gordon Oliver u.a.; Produktion: David O. Selznick / RKO; s/w 82 Min.
The Big Sleep, USA 1946; Regie: Howard Hawks; Drehbuch: William Faulkner u.a. nach dem gleichnamigen Roman von Raymond Chandler; Kamera: Sidney Hickox; Darsteller: Humphrey Bogart, Lauren Bacall, John Ridgely, Martha Vickers u.a.; Produktion: Howard Hawks / Warner; s/w 114 Min.

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