Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

Sie befinden sich hier: Startseite > Publikationen > Magazine und Zeitungen

18.Januar2011

Unsere Zeitung als Download

PDF - 2.5 MB
LiLi #16

18.Februar2012

Zum Stand der Gespräche über eine AStA-Bildung

"Auch bei uns sind natürlich Einige ein wenig irritiert über die Verzögerungen, denn nach dem großen Wahlerfolg für die AStA-Koalition haben wir mit zügigen Koalitionsverhandlungen gerechnet", sagt Fabian Wisotzky von der Linken Liste. "Aber wir verstehen, dass es innerhalb der Grünen Hochschulgruppe Klärungsbedarf über ihren zukünftigen Kurs gibt oder gab. Das ist nicht schlimm. Wir können das akzeptieren, gerade weil wir auf eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren zurückblicken. Auch die Linke Liste hat auf ihren Listentreffen über die Situation beraten. Dabei ist ganz deutlich geworden, dass die LiLi-Aktiven gerne mit viel Energie und ohne Vorbehalte in die Verhandlungen und in ein neues gemeinsames AStA-Jahr mit GHG und SWIB starten würden. Was es dazu braucht, das ist ein Signal der Grünen Hochschulgruppe."

Die Studierenden der Ruhr-Uni müssen sich allerdings keine Sorgen machen, dass es während der Warte- und Verhandlungszeit keine vernünftige Studierendenvertretung gibt. Nach wie vor arbeitet der bisherige AStA aus Linker Liste, Grüner Hochschulgruppe, und Schöner Wohnen in Bochum aktiv in den Referaten und Arbeitsgruppen. Und das wird auch so bleiben, selbst wenn sich die Verhandlungen weiter hinziehen sollten - was die Linke Liste allerdings nicht hofft. Ein zentrales Thema ist der kürzlich vom Senat beschlossene und hochproblematische Haushaltsplan der Ruhr-Uni, der massive Kürzungen beim Lehrpersonal der RUB vorsieht. Ebenfalls fortgesetzt wird die begonnene Partnerschaft mit Studierendenorganisationen in Tunesien, die gerade dabei sind, demokratische Strukturen an ihren Hochschulen aufzubauen. Im diesem Rahmen wird eine Delegation von tunesischen Studierenden im März nach Bochum kommen. Für Studierende und Fachschaftsräte der Ruhr-Uni stehen wir im AStA natürlich weiter als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung. Und die konstruktiv-kritische Zusammenarbeit mit der Uni-Verwaltung bei der Verbesserung des RUB-Verkehrskonzeptes ist ebenfalls ein aktuelles gemeinsames Anliegen von LiLi, GHG und SWIB. "Diese gemeinsame Arbeit, die derzeit weitergeht, ist doch auch ein guter Grund, dass nun Koalitionsverhandlungen beginnen sollten, damit wir zusammen das nächste Jahr planen können", sagt Fabian Wisotzky weiter.


Presseinformation, Bochum den 01.03.12

1.März2012

Nein zum Stimmenklau!

Linke Liste an der Ruhr-Uni fordert Rücktritt der ehemaligen ParlamentarierInnen der Grünen Hochschulgruppe

Die Grünen hatten vor der Wahl auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, dass sie die bisherige AStA-Koalition aus Grüner Hochschulgruppe (GHG), Linker Liste (LiLi) und er Liste Schöner Wohnen in Bochum (SWIB) fortsetzen wollen, wenn das möglich ist. Die sechs ParlamentarierInnen wollen nun offenbar die Parlamentssitze, die ihnen von WählerInnen der Grünen Hochschulgruppe anvertraut worden sind, dafür nutzen, um die bestehende AStA-Koalition zu beenden.

"Wenn es dazu kommen sollte, dann ist das nichts anderes als ein frecher Stimmenklau", sagt Veronika Pütz von der Linken Liste. "Wählerinnen und Wähler müssen sich doch drauf verlassen können, dass sie nicht eine ganz andere Liste wählen als die, die in der Öffentlichkeit aufgetreten ist. Natürlich ist es auch legitim, zur Wahl anzutreten, um einen linken und grünen AStA zu verhindern. Dann aber öffentlich mit einem entsprechenden Wahlprogramm, und nicht als U-Boot auf der Liste der Grünen Hochschulgruppe."

Aus diesem Grund fordert die Linke Liste an der Ruhr-Uni die sechs ehemaligen KandidatInnen der Grünen Hochschulgruppe auf, mit sofortiger Wirkung von ihren Parlamentssitzen zurückzutreten. In diesem Fall würden andere KandidatInnen der GHG auf die entsprechenden Plätze nachrücken. "Vier Wochen nach der Wahl nicht mehr zu der Liste zu gehören, für die man sich hat aufstellen lassen, das ist zwar ungewöhnlich, aber es wäre unter demokratischen Gesichtspunkten tolerierbar - wenn die Betroffenen die Konsequenzen ziehen und zurücktreten. Nicht tolerierbar ist dagegen, die unter völlig anderen Voraussetzungen erworbenen Sitze zu behalten. Wer das tut, missbraucht die demokratischen Prozesse und fügt der Legitimation der studentischen Selbstverwaltung ernsthaften Schaden zu", so Veronika Pütz weiter.

Traditionell ist es die Aufgabe der stärksten Liste, nach der Wahl zu Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Studierendenvertretung einzuladen. Dem Wahlergebnis zufolge ist das die Grüne Hochschulgruppe. Da das auch vier Wochen nach der Wahl nicht geschehen ist, hat die Linke Liste inzwischen die Initiative ergriffen. Sie hat ihrerseits mögliche Partnerinnen zu Gesprächen über eine AStA-Bildung eingeladen.

Weitere Informationen:

— > Das Studierendenparlament der Ruhr-Universität Bochum hat 35 Sitze, zur Wahl des AStAs ist eine Mehrheit von 18 Sitzen notwendig. Die Ergebnisse der Wahlen vor einem Monat:

- Grüne Hochschulgruppe: 24,93% , 9 Sitze (+1 Sitz)
- Linke Liste: 24,07%, 9 Sitze (+3 Sitze)
- Nawi: 19,27%, 7 Sitze (+1 Sitz)
- Jusos: 12,44%, 4 Sitze (+/-0 Sitze)
- SWIB: 6,82%, 2 Sitze (+/-0 Sitze)
- RCDS: 4,14%, 1 Sitz (-2 Sitze)
- Gewi: 3,78%, 1 Sitz (+/-0 Sitze)
- Piraten: 2,66%, 1 Sitz (+/-0 Sitze)
- JuLis: 1,91%, 1 Sitz (+/-0 Sitze)

— > Einen Offenen Brief von KandidatInnen der Grünen Hochschulgruppe, die sich von den sechs gewählten ParlamentarierInnen ihrer Liste getäuscht fühlen, finden sich unter http://www.bo-alternativ.de/2012/02...

— > Eine Erklärung der Grünen Hochschulgruppe zum Thema finden sich unter http://ghgbochum.wordpress.com/2012...


6.März2012

Gemeinsame Stellungnahme der Linken Liste, der Grünen Hochschulgruppe und Schöner Wohnen in Bochum

„Wir sind entsetzt und wütend über die Meinungen dieses IL-Mitglieds und übernehmen die Verantwortung, indem wir entschlossene Konsequenzen ziehen – auch wenn die betreffende Person niemals Referent des AStA war oder für ihn gearbeitet hat“, sagt Laura Schlegel, Vorsitzende des AStA und Mitglied der GHG. „Inzwischen wissen wir, dass diese Person in den letzten Wochen eine zunehmend einflussreiche Position innerhalb der IL eingenommen hat. Diese Gruppe muss jetzt Stellung beziehen, inwiefern sie den geäußerten Antisemitismus, Sexismus, die Verharmlosung des Holocausts und vieles mehr mitträgt,“ so Laura Schlegel weiter. Die Arbeit des AStA basiert auf dem gemeinsam erarbeiteten Koalitionsvertrag, dem auch jene ReferentInnen zugestimmt haben, die sich nun zur IL zählen. Dieser Vertrag regelt die Grundlagen der Zusammenarbeit, zu denen auch das Bekenntnis zu einer säkularen Studierendenvertretung zählt. „Wir sind davon ausgegangen, dass sich alle an die Vereinbarungen halten. Wir haben unseren KollegInnen nicht hinterher spioniert, eine detaillierte Gesinnungsprüfung gibt es bei uns nicht“, fügt Laura Schlegel hinzu. Allerdings müsse die „Internationale Liste“ nun Farbe bekennen.

Forderungen an die ehemals grünen AStA-ReferentInnen:

Der AStA-Koalitionsvertrag besteht zwischen den Listen GHG, LiLi und SWIB. Allerdings sind im derzeitigen Übergangs-AStA auch Personen vertreten, die ursprünglich als KandidatInnen der Grünen Hochschulgruppe gewählt worden sind, sich inzwischen aber als Mitglieder der „Internationalen Liste“ verstehen. In Anbetracht der nicht akzeptablen Äußerungen fordern die AStA-tragenden Listen umgehende und ausdrückliche Aufklärung darüber, wie die anderen Mitglieder der IL zu den Positivbezügen ihres Mitglieds auf den radikalislamischen iranischen religiösen Führer Seyyed Ali Khamene’i, den irakischen Milizenchef Muqtada as-Sadr und den Gründer der islamistischen Muslimbruderschaft stehen. Wir fordern darüber hinaus, dass die Mitglieder der „Internationalen Liste“ ausdrücklich erklären, was sie von den anti-israelischen Aktivitäten ihres Mitglieds halten. Wir fordern weiterhin, dass die anderen Mitglieder der IL ihren Parlamentarier zum Rücktritt aus dem Studierendenparlament auffordern und eine weitere formelle oder informelle Zusammenarbeit mit ihm ausdrücklich ausschließen.

Eine klare inhaltliche wie personelle Distanzierung in diesen Fragen ist zentral, wenn die ehemals grünen AStA-Mitglieder bis zur Bildung einer neuen Koalition weiter in der Studierendenvertretung bleiben wollen. Darüber hinaus erwarten wir, dass sich sämtliche Mitglieder der IL, die im aktuell amtierenden AStA vertreten sind, zum gültigen Koalitionsvertrag bekennen. Für diese Reaktionen räumen wir der IL bis zum kommenden Mittwoch den 7. März um 11 Uhr Zeit ein. Wenn diese Forderungen innerhalb der Frist nicht erfüllt werden sollten, betrachten GHG, LiLi und SWIB eine weitere Zusammenarbeit mit den ehemals grünen AStA-ReferentInnen auch in der Übergangszeit bis zur Bildung einer neuen AStA-Koalition als ausgeschlossen.


18.Januar2011

Hallo! Wir sind die Linke Liste.

Ein zentrales hochschulpolitisches Problem, dem sich die Linke Liste in diesem Jahr verstärkt widmen wird, sind die Zulassungsbeschränkungen für die Master-Studiengänge. Zwar ist es an der RUB bislang meist noch kein Problem vom Bachelor in den Master überzugehen, denn hier sind nur wenige Fächer zulassungsbeschränkt. Aber schon beim Wechsel von der RUB an eine andere Universität können Schwierigkeiten auftreten. Wir wollen dafür eintreten, dass Studierende nach dem Bachelor-Studium ohne Zulassungsbeschränkung einen Masterplatz bekommen – und das nicht nur an der RUB! Die Studiengebühren werden mit dem Sommersemester in NRW ein letztes Mal gezahlt, sodass wir uns mit diesem Thema – vorerst – nicht mehr beschäftigen müssen, sondern uns anderer Probleme an der RUB wie zum Beispiel der Anwesenheitspflicht oder der Verschulung des Studiums annehmen können. Des Weiteren werden wir uns für ein breites und kritisches Studienangebot einsetzen und dort, wo wir Leerstellen in der Lehre entdecken, diese mit unseren eigenen Angeboten zu kritischer Wissenschaft füllen. So organisieren und unterstützen unsere ReferentInnen im AStA die Vortragsreihen „Critix“ und „Geschlecht und Gesellschaft“. Zudem haben wir auch in diesem Jahr wieder die traditionsreiche „Rote Ruhr-Uni“ gefördert und eine Veranstaltung über Thilo Sarrazin organisiert.

Auch außerhalb der Universität versuchen wir, unserer Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen eine sinnvolle Praxis folgen zu lassen. Ob Naziaufmärsche, rassistische Flüchtlingspolitik oder Diskriminierung von Menschen aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung – wir setzen uns gegen gesellschaftliche Missstände ein. Für uns ist die Uni kein von der Umwelt isoliertes Biotop, sondern mit dieser aufs Engste verknüpft, weshalb wir klar für das allgemeinpolitische Mandat der Studierendenschaft eintreten. Aus diesem Grunde unterstützten wir im vergangenen Jahr viele kulturelle und politische Initiativen auch außerhalb des Campus. Das Studierendenleben endet für uns nicht an der U35-Haltestelle! Die Stärkung von antifaschistischen Initiativen inner- und außerhalb Bochums ist uns ein besonderes Anliegen. Deshalb haben wir auch im letzten Jahr wieder das Antifa-Camp in Oberhausen, die Proteste gegen den Naziaufmarsch in Dortmund und viele andere antifaschistische Veranstaltungen organisatorisch und finanziell unterstützt. An der RUB studieren Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet und weit darüber hinaus. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass sich unser Engagement auch bei diesen Themen nicht auf Bochum beschränkt. Das alles ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt des Engagements der Lili und ihrer Mitglieder. Wir sind darüber hinaus noch in vielen weiteren Bereichen aktiv. Generell gilt für uns aber, dass wir für eine basisdemokratische, hierarchiefreie Politik stehen. Wir sind parteiunabhängig: wir bekommen kein Geld von irgendwelchen Parteien, lassen uns nicht unsere Politik diktieren und machen an der Uni keinen Wahlkampf für andere. Bei uns ist jede/r willkommen, der die Aktivitäten der Linken Liste mitgestalten möchte. In dieser Zeitung stellen wir noch weitere Aspekte unserer Arbeit vor und wir würden uns freuen, wenn Du uns bei den Wahlen vom 24. bis 28. Januar mit Deiner Stimme unterstützen würdest.-


18.Januar2011

Wählen – So geht‘s!

Ihr seid im WählerInnenverzeichnis mit eurem Erstfach registriert (bei Bachelor-Studierenden ist es das erste Fach auf der Immatrikulationsbescheinigung). Ihr könnt nur in der Cafeteria eures Erstfachs wählen. Im Zweifel schaut einfach unter www.rub.de/sp-wahlen, wo ihr eure Stimme abgeben könnt. Dort finden sich auch der Briefwahlantrag und die -fristen. An eurem Wahlort angelangt, legt ihr einfach euren Studierendenausweis bei den WahlhelferInnen vor und bekommt einen riesigen Wahlzettel ausgehändigt. Darauf sind alle Listen und deren Kandidatinnen und Kandidaten aufgeführt. Ihr habt eine Stimme und macht für die Person eures Wunsches ein Kreuz. Wollt ihr eine bestimmte Liste wählen, kennt aber keinen der zugehörigen Listenmitglieder, dann macht euer Kreuz willkürlich bei einem eben dieser. Danach werft ihr den Zettel gefaltet in die Wahlurne. Die Listen bekommen Sitze im Studierendenparlament (SP) nach absoluter Anzahl ihrer Stimmen zugeteilt. Welche KandidatInnen einer Liste ins SP kommen, hängt von der Anzahl der jeweiligen Individualstimmen ab. Insgesamt sind 35 SP-Sitze zu vergeben. Koalitionen bilden sich je nach Wahlausgang. Diese stellen dann den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), der im SP gewählt wird.


18.Januar2011

Sackgasse Bachelor?

Masterplätze für alle!

Zur Zeit scheinen die Hürden des Master-Zugangs zumindest an der Ruhr-Uni noch denkbar gering zu sein: Lediglich für die Masterprogramme der Psychologie, eines der meist nachgefragten Fächer überhaupt, der Medienwissenschaft und für die nicht-konsekutiven Abschlüsse wie Development Management oder Computational Engineering besteht bisher ein Numerus clausus oder die Notwendigkeit einer gesonderten Bewerbung. Wie die Zukunft aussehen könnte, zeigen jedoch bereits etliche Universitäten in NRW und im Bund: In Köln bewarben sich 1.700 Bachelor-AbsolventInnen auf die 215 Plätze des Masters of Business Administration. Die Universität Hamburg hatte 1.171 Bewerbungen für 170 Plätze im Fach Betriebswirtschaftslehre zu verzeichnen. Diese Situation führte mitunter dazu, dass selbst Menschen mit guten bis sehr guten Abschlüssen auf ihren Masterplatz warten bzw. sich an anderen Universitäten umsehen mussten. Hinzu kommt, dass viele Unis aufgrund der großen BewerberInnenzahl dazu übergegangen sind, zusätzlich zum Bachelor-NC einen Test einzuführen, der über den Zugang zu den begehrten Plätzen entscheidet. Diese zusätzlichen Prüfungen können bis zu 100 Euro kosten, die von den Studis gezahlt werden müssen, und schmälern im Zweifelsfall den Wert der in mindestens drei Jahren erarbeiteten Bachelor-Note.

Wir passen einfach nicht zueinander...

Im Prinzip sollte ein Uni-Wechsel während oder nach dem Bachelor im Zuge des Bolognaprozesses kein Problem mehr darstellen, schließlich war ein einheitlicher Hochschulraum für Europa mit vergleichbaren Abschlüssen, flexiblen Standortwechseln und äquivalenten Zugangsvoraussetzungen Ziel der Reform. In der Realität können bereits die 140 Kilometer von Bochum nach Aachen ein unüberwindbares Hindernis darstellen: Ein Studierender der RUB hatte trotz eines B.A. mit 1,6, Auslandsaufenthalten und einschlägiger Berufserfahrung keinen Masterplatz an der TU-Aachen erhalten. Die Begründung: Es bestand keine ausreichende Deckungsgleichheit zwischen den Modulen, die an den beiden Hochschulen in den Fächern Politik- und Theaterwissenschaften gelehrt werden. Besonders hart trifft die mangelhafte Kompatibilität der B.A.- und M.A.-Programme die Lehramtsstudierenden. Zum einen müssen sie, um den LehrerInnenberuf ergreifen zu können, zwangsläufig einen Master-Abschluss vorweisen, zum anderen sind besonders die Inhalte der Lehramtsstudiengänge von Uni zu Uni sehr verschieden: Beispielsweise gibt es Hochschulen, an denen – im Gegensatz zur RUB – das zweite Fach erst im Master hinzugenommen wird und auch die Platzierung der fachpädagogischen Module variiert zwischen der B.A.- und M.A.-Phase.

Master = höheres Einkommen + unbefristete Stelle?

Aktuell entscheiden sich ca. dreiviertel aller Studierenden dafür, nach dem Bachelor an der Uni zu bleiben – und das aus guten Gründen. Statistisch betrachtet ist das Einstiegseinkommen der B.A.-AbsolventInnen um 20% geringer und sie werden deutlich seltener unbefristet eingestellt als HochschulabgängerInnen aller anderen Abschlussarten. Doch sowohl der legitime Wunsch, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, als auch das verständliche Bedürfnis, die eigenen Kenntnisse zu erweitern oder Bildung als eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung zu betrachten, scheitern immer häufiger an der gezielten Limitierung der Master-Plätze. Die Realität der Berufsaussichten und die Wünsche der Studierenden stehen daher im krassen Gegensatz zum ursprünglichen Konzept des Masters im Rahmen der Bologna-Reform: Während der Bachelor als Regelabschluss für den Weg in die Wirtschaft fungieren sollte, war der Master-Abschluss lediglich für die künftigen Forscher­innen und Forscher vorgesehen und daher nur auf eine geringe Kapazität ausgelegt.

Master unlimited mit der LiLi

Angesichts dieser Problematik, die sich in Zukunft auch an der RUB bemerkbar machen könnte bzw. für viele StudienortwechslerInnen bereits Realität ist, setzen wir uns als Linke Liste im Allgemeinen Studierendenausschuss und in den Fachschaftsräten dafür ein, entsprechende Veränderungen an der Ruhr-Uni zu verhindern. Wir sprechen uns klar gegen jede Art von Zulassungsbeschränkung zum Master aus und werden uns dafür starkmachen, die Kompatibilität der Bachelor- und Master-Studiengänge so weit wie möglich zu verbessern. Unserer Ansicht nach sollte es jedem Studierenden freistehen, wie im Bolognaprozess vorgesehen, die Universität zwischen Bachelor und Master wechseln zu können, sei es aus persönlichen Gründen oder aufgrund fachlicher Schwerpunkte und individueller Interessen. Im Bezug auf die Nachfrage nach Master-Plätzen ergibt sich jedoch eine tiefe Kluft zwischen den Einschätzungen der Politiker und den reellen Erfordernissen des Arbeitsmarktes und dem Wunsch nach Bildung vonseiten der Studierenden. Daher bleibt für uns der freie Zugang zum Master Teil eines fairen Bildungssystems und die Voraussetzung eines erfolgreichen Studiums.-


18.Januar2011

Refugees not welcome?!

Bürgerinis gegen Flüchtlingsunterkünfte

Mit offenen Armen werden diejenigen, die es bis nach Deutschland geschafft haben, jedoch nicht empfangen. In Dortmund und Essen wird seit Wochen über die Unterbringung der Flüchtlinge gestritten. Da sich die Stadtverwaltung trotz massiven Lehrstands in allen Ruhrgebietsstädten nicht in der Lage sieht, die AsylbewerberInnen dezentral in Wohnungen unterzubringen, diskutiert man stattdessen über die Wiederherrichtung längst geschlossener Sammellager, die bereits in den 90er Jahren der Unterbringung von Flüchtlingen dienten. Um finanzielle Erwägungen geht es dabei nicht allein, denn die notdürftige Instandsetzung der völlig unbewohnbaren Lager bringt für die Städte hohe Kosten mit sich. Vielmehr gehe es um ein Signal an die Flüchtlinge, so die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Essener Stadtrat gegenüber der WAZ. Was damit gemeint ist, liegt auf der Hand: Segregation, Ausgrenzung und schlechte Lebensverhältnisse sollen Asylsuchende abschrecken und es ihnen so unattraktiv wie möglich machen, nach Deutschland zu kommen. Dafür sorgen allerdings nicht nur die Schikanen der Stadtverwaltung oder Regelungen wie die europaweit einmalige Residenzpflicht, die es AsylbewerberInnen in Deutschland verbietet einen behördlich festgelegten Bezirk zu verlassen. Auch von der Bevölkerung haben die Flüchtlinge in aller Regel keine Unterstützung zu erwarten. Im Dortmunder Stadtteil Hacheney gründete sich bereits eine AnwohnerInneninitiative, um die Unterbringung der Asylsuchenden in ihrer Nachbarschaft zu verhindern. Auch in Essen kündigen Anwohner­Innen in den betroffenen Stadtteilen Proteste an, falls die geplante Wiedereröffnung der Asyl-Unterkünfte in die Tat umgesetzt werden sollte. Begründet wird dies mit der Angst vor steigender Kriminalität.

Solidarität dringend nötig

Als Teil der antirassistischen Linken wird die LiLi diese Entwicklung gut im Auge behalten. Bereits in den 1990er Jahren bildeten die Proteste rassistischer AnwohnerInneninitiativen vielerorts den Nährboden für gewaltsame, oft tödliche Angriffe gegen Asylsuchende. Dem gilt es vor Ort Aufklärung und praktische Solidarität mit den Flüchtlingen entgegenzusetzen. Realpolitisch müsste die Linke, auch im Bündnis mit bürgerlichen Kräften, für die Durchsetzung humanitärer Mindeststandards in der Flüchtlingspolitik eintreten und eine angemessene materielle Versorgung sowie die individuelle und dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden einfordern. Hoffentlich ist die personell ausgedünnte und politisch zersplitterte antirassistische Bewegung dieser Herausforderung gewachsen.


18.Januar2011

Anwesenheitspflicht weg? Geld zurück?

Der AStA will durch eine Klage die Anwesenheitspflicht in Vorlesungen und Seminaren abschaffen. Auf der Grundlage eines juristischen Gutachtens zur Legitimität der verpflichtenden Präsenz soll eine Musterklage eingereicht und somit ein Präzedenzurteil geschaffen werden. Das angestrebte Ergebnis ist die Aufhebung der Anwesenheitspflicht, die es zurzeit vielen Studierenden schwer macht, Kinder, Erwebstätigkeit oder ehrenamtliches Engagement mit dem Studium unter einen Hut zu bekommen.

In Anbetracht des Vorhabens der rot-grünen Landesregierung, die Studiengebühren erst zum Wintersemester 2011/12 abzuschaffen, will der AStA dafür sorgen, dass die Gebührenbelastung der Studierenden bereits im kommenden Sommersemester so gering wie möglich ausfällt. Im Senat der RUB könnte entweder eine Rückzahlung der noch nicht ausgegebenen oder verplanten Gebührengelder oder aber eine Reduktion der „Beiträge“ auf ein absolutes Minimum vorgeschlagen werden. Der Haken daran ist, dass im Senat nach wie vor nur vier der 25 Mitglieder Studierende sind – für eine wirklich demokratische Hochschulen gibt es also einiges zu tun.


18.Januar2011

Streit und Kompromiss

Mitbestimmung bei der Campussanierung!

Nach der Fertigstellung des neuen ingenieurwissenschaftlichen Gebäudes ID im August letzten Jahres, das jetzt hauptsächlich die Fakultät für Elektrotechnik beherbergt, die vorher in IC untergebracht war, läuft nun das Sanierungsverfahren für das leerstehende Gebäude IC. Nach der monatelangen Kernsanierung von IC werden die Gebäude IA und IB leergezogen. Deren Fakultäten werden flächenmäßig verkleinert und finden zukünftig in IC Platz. Die Gebäude IA und IB sollen nach der Sanierung von anderen Fakultäten genutzt werden. Doch nicht nur in der I-Reihe geht es vorwärts. Die Universität wird um ein Studierenden Service Center (SSC) erweitert. Das aus Förder- und Universitätsmitteln finanzierte Gebäude wird hinter die jetzige Universitätsverwaltung (UV) gebaut. Es wird sich um ein schmales Gebäude handeln, dass sich von der Unibrücke bis zum Ende der UV erstrecken wird. Viele Verwaltungsabteilungen, wie das BAföG-Amt, werden in das SSC umziehen. Zusätzlich wird es das geisteswissenschaftliche Schülerlabor beherbergen, das von der Krupp-Stiftung mit 1,5 Mio. Euro gefördert wird. Im Süden der Uni, hinter der Mensa, wird zudem die neue KITA entstehen, die das Konzept „Studieren mit Kind“ an der RUB vereinfachen soll. Doch auch in der G-Reihe geht es voran. Der politische Streit um den Standort des neuen Gebäudes GD konnte durch die konstruktive Mitarbeit des AStAs beigelegt werden.

Mehr G-Reihe

Dass die RUB mit GD ein neues Gebäude in der G-Reihe erhalten wird, ist schon seit längerem klar. Nur über den Standort wurde noch gestritten. Das Vorhaben des Rektorats stieß wegen der massiven Eingriffe in die Natur auf breite Kritik. Zuletzt sind die Rektoratspläne in allen zuständigen Gremien der Stadt Bochum abgelehnt worden. Nun zeichnet sich ein von unseren AStA-ReferentInnen mitent­wickelter Kompromiss ab, der auch dringend nötig ist, denn 2013 kommen aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge rund 4.000 Studierende mehr an die RUB. Der nun erzielte Kompromiss sieht zwar vor, das Gebäude GD in den Wald hinter GC zu bauen, doch dabei fällt der Eingriff in die Natur geringer aus und wir konnten viele unserer Anliegen durchsetzen.

Abholzung ausgleichen

So haben wir erreicht, dass der Neubau näher an GC heranrückt. Das Gebäude wird aufgestockt, um die Standfläche zu verkleinern. Die zu bebauende Waldfläche wird voraussichtlich im Verhältnis fünf zu eins kompensiert, was über den gesetzlich vorgeschriebenen Faktor von drei zu eins hinausgeht, um die massiven Eingriffe zu kompensieren. Zum Schutz der Greifvögel, deren Nistplätze gefährdet sind, sollen frühzeitig Ausweichplätze angeboten werden. Zudem wird der Waldstandort an einige Bedingungen geknüpft: Damit das Landschaftsschutzgebiet und der Rest des Waldes von weiteren Baumaßnahmen verschont bleiben, soll die Baugrenze direkt hinter GD gezogen und von einer weiteren Versiegelung des Unigeländes abgesehen werden. Die Idee, ein Tagungshotel im Süden der Universität zu errichten, ist nicht zuletzt deshalb aufgegeben worden. Letztendlich muss der Rat der Stadt Bochum dem Plan noch zustimmen. Dies wird auf der ersten Ratssitzung im Januar 2011 aller Voraussicht nach erfolgen, da der ausgehandelte Kompromiss die anderen Gremien der Stadt erfolgreich passiert hat.

Wir bleiben dran

Unsere Arbeit wollen wir weiterführen und die zukünftigen Sanierungsschritte kritisch begleiten. Neben energieeffizienten Gebäuden setzen wir uns für eine behindertengerechte Universität ein. Das kürzlich fertiggestellte Gebäude ID weist noch einige Mängel bezüglich der Barrierefreiheit auf, die behoben werden müssen und bei zukünftigen Baumaßnahmen auszuschließen sind. In diesem Zusammenhang soll die Univerwaltung auf die vorhandene Behindertenvertretung zugehen und sie in die Planung einbinden. Die Betroffenen können die Barrierefreiheit der Gebäude am besten selbst beurteilen. Im Zuge der Campussanierung muss auch das Verkehrskonzept verbessert werden. Wir werden die Gespräche über einen möglichen Ausbau des ÖPNV weiterführen. Durch die doppelten Abiturjahrgänge und die neue Hochschule für Gesundheit wird es in der U35 noch enger zugehen als bisher. Abhilfe wollen wir mit einer zusätzlichen Buslinie vom Hauptbahnhof zur Uni schaffen. Doch nicht nur die U35 platzt aus allen Nähten. Die Situation in den Parkhäusern muss verbessert werden. Das marode Parkhaus West gehört endlich saniert. Die erfolgreiche Auseinandersetzung um das GD-Gebäude hat gezeigt, dass eine sinnvolle Sanierung des Campus eine selbstbewusste Studierendenvertretung erfordert, die auch den Konflikt mit dem Rektorat nicht scheut, aber ebenso bereit ist, aktiv auf die zuständigen Stellen in den Verwaltungen zuzugehen und auch auf kommunaler Ebene für die Interessen der Studierenden einzutreten!


18.Januar2011

Wahn GmbH & Co KG

Hinter den Kulissen der Bürgerrechtsbewegung Solidarität

Ein Blick in die Publikationen der BüSo verrät, dass es sich bei ihr um ein Produkt eines gewissen Lyndon LaRouche und seiner Frau Helga Zepp-LaRouche handelt. Der amerikanische Multimillionär versuchte mehrfach, von der Demokratischen Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden – erfolglos. Er entwickelte eine Art Privatideologie, die mit den gängigen politischen Kategorien kaum fassbar ist und gründete eine fast unüberschaubare Anzahl von Publikationsorganen – vor allem in den USA, Frankreich und Deutschland.

Sektenartiger Charakter

Nach Aussagen zahlreicher ehemaliger Mitglieder und renommierter Sekten-ExpertInnen tragen alle LaRouche-Organisationen einen sektenartigen Charakter. Interne Diskussionen finden nicht statt – die Linie geben die Eheleute LaRouche vor. Mitgliedern wird so gut wie kein Privatleben gelassen, „die Bewegung“ fordert mehrere Stunden Einsatz am Tag. Wie auch andere Sekten verfügt das LaRouche-Netzwerk über eine interne Zensur: Es gibt Listen für Bücher, deren Lektüre erwünscht oder ausdrücklich unerwünscht ist. Kontakte zu Menschen, die nicht Teil der Bewegung sind, werden hintertrieben.

Abstruse Großprojekte

Das Steckenpferd LaRouches ist die Ökonomie; in seinen Zeitungen wird er gerne als „Experte“ auf diesem Gebiet bezeichnet. Für ihn steht der Zusammenbruch des Kapitalismus unmittelbar bevor – dies gelte es zu verhindern. Ein neues „Bretton Woods“ sei zu diesem Zwecke unumgänglich, was die Einführung fester Wechselkurse und eine Goldbindung des Dollars bedeute. Natürlich seien in diesem Zusammenhang auch wirtschaftliche Impulse notwendig – hier werden von LaRouche gerne die „Eurasische Landbrücke“ sowie die „Neue Seidenstraße“ angeführt. Gemeint ist damit ein gigantischer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Er propagiert u.a. die Einrichtung einer Transrapid-Linie, die von Deutschland bis nach China reichen soll.

Weltverschwörung

„Während in den USA niemand auch nur die geringste Illusionen über die Macht zionistischer Lobby über vor allem die gegenwärtige Administration hegt, ist der Einfluss einer verdeckt operierenden zionistischen Lobby in der Bundesrepublik bisher nur wenigen eingeweihten bekannt, nicht aber der breiten Bevölkerung. Und deshalb müssen wir den scheinheiligen Holocaust-Schwindel zum Anlass nehmen, um diese ausländischen Agenten auffliegen zu lassen.“ (Helga Zepp LaRouche in „Neue Solidarität“, 25.1.1997) Die Lehre der LaRouches hat, wie jede paranoide Ideologie, Schuldige für den Zustand der Welt zu bieten. Genannt werden sie „Synarchen“. Gemeint sind damit Mitglieder ökonomisch-politischer Zusammenschlüsse, die im Verborgenen agieren. Dazu gehören die Briten, genauer: die Eliten, die sich um das englische Königshaus gruppieren. LaRouche wirft ihnen unter anderem die Ermordung Kennedys sowie die Förderung der Beatles vor. Die Beatles seien, so LaRouche, ein Produkt eines britischen Amtes für psychologische Kriegsführung. Ihre Aufgabe sei gewesen, die klassische Kultur zu zersetzen. Ebenfalls eng verstrickt mit der britischen Weltverschwörung seien die „Zionisten“. In der Vergangenheit hat sich Lyndon LaRouche positiv auf die klassische antisemitische Fälschung und Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ bezogen. Die USA werden ebenso gerne ins Visier genommen: LaRouche deutet den Anschlag vom 11. September als „versuchten Staatsstreich“ durch synarchische Kreise und den israelischen Geheimdienst Mossad. Auch habe das FBI zusammen mit der Kommunistischen Partei der USA versucht, ihn umzubringen.

Rekrutierung

Beim Werben neuer Mitglieder spielen die nur schwer nachvollziehbaren Theorien eine eher untergeordnete Rolle. Werbetaktik der BüSo ist es vielmehr, PassantInnen auf aktuelle politische Debatten anzusprechen. Wer sich interessiert zeigt, wird bald nach der Telefonnummer gefragt. Danach beginnt die intensive Bearbeitung des potentiellen Neuzugangs, dass heißt Einladungen zu Einzelgesprächen und Schulungen – Telefonterror nicht ausgeschlossen. Wer Mitglied wird, sieht sich bald massivem psychischem Druck ausgesetzt.

Kurz: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) ist nichts anderes als eine mit rechtsextremer und antisemitischer Ideologie durchsetzte politische Sekte. Sie hat weder an der Hochschule noch in emanzipatorischen sozialen Bewegungen etwas zu suchen.-


18.Januar2011

Verbindungen trennen!

Burschen, Corps und Verbindungen in Bochum

Vielen wird die eine oder andere Verbindung bereits auf dem Campus begegnet sein – sei es bei den Einschreibungen, in deren Rahmen eine katholische Studentenverbindung versuchte, mit Freibier auf sich aufmerksam zu machen, oder im Hörsaal und der Cafeteria, wo in den letzten Jahren vermehrt Werbung für Partys in Verbindungshäusern auslag. Zusätzlich versuchen sie, neue Mitglieder durch das Angebot preiswerter Zimmer in den Verbindungshäusern zu gewinnen. Jene Gruppierungen werben auch damit, dass sie angeblich ihren Mitgliedern vielfältige Kontakte ins Berufsleben vermitteln können. In der Außendarstellung der Verbindungen nehmen Alkoholkonsum, günstiger Wohnraum und Vitamin B in der Tat eine zentrale Stellung ein, die strengen Hierarchien und antiquierten Rituale werden in den Hintergrund gerückt, auch Politik spielt erst mal keine Rolle. Die politischen Absichten der Verbindungen offenbaren sich meistens bei den Wahlen zu den Studierendenparlamenten. Während an anderen Unis jedoch offen erkennbare Burschenschaftler-Listen antreten, ist hier an der Ruhr-Uni leider nicht sofort klar, wo die Verbindungsstudenten zu finden sind. In Bochum kandidieren sie unter anderem bei der FDP-nahen Liberalen Hochschulgruppe (LHG) und dem CDU-nahen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS).

„Verbindungsstudenten sind ein Haufen von verhetzten, irregeleiteten, versoffenen, farbentragenden jungen Deutschen!“

So alt dieses Zitat von Kurt Tucholsky auch sein mag, heute noch sind die Verbindungen an den Unis aktiv und das Urteil ist nach wie vor zutreffend. Auch wenn sich viele Verbindungen inzwischen gerne einen bürgerlichen oder sogar liberalen Anstrich geben, fällt es ihnen offensichtlich schwer, ihre lange Tradition des völkischen Nationalismus sowie des Sexismus, Rassismus und Antisemitismus hinter sich zu lassen. So waren Frauen von Beginn an aus diesen Bünden ausgeschlossen und nur als schmückendes Beiwerk akzeptiert und der Deutsche Burschentag beschloss beispielsweise im Jahr 1919, dass „eine Aufnahme von Juden und Farbigen nicht in Betracht komme.“ Auch wenn mittlerweile einige Verbindungen Frauen, Juden und Migranten in ihren Reihen akzeptieren, so wird diese Entwicklung von vielen Mitgliedern kritisch beäugt. Politisch sind die Verbindungen und die meisten ihrer Mitglieder meist rechts von der Mitte einzuordnen, besonders bei den Burschenschaften verschwimmen die Grenzen zwischen Wertekonservatismus und Neofaschismus. Für viele kommt es beispielsweise nicht in Frage, die aktuellen deutschen Ostgrenzen zu akzeptieren. So überrascht es auch nicht, dass immer wieder bekannt wird, dass es personelle Überschneidungen und Zusammenarbeit zwischen sich selbst unpolitisch gebenden Verbindungen und extrem rechten Parteien oder Gruppierungen gibt. Unter anderem verteidigte der Rechtsanwalt Klaus Kunze, Mitglied der Kölner Burschenschaft Germania, den Neonazi Siegfried Borchardt, genannt SS-Siggi, und verschiedene Mitglieder der NRW-NPD bereits vor Gericht. Zudem ist der ehemalige NRW-Landesgeschäftsführer der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) Norbert Weidner aktuell Schriftleiter der „Burschenschaftlichen Blätter“, der Verbandszeitschrift der Deutschen Burschenschaft (DB), die sich in den letzten Jahren immer mehr NPD-Positionen öffnete.

Saufen und Fechten

Die in Bochum besonders aktiven katholischen Studentenverbindungen stehen tatsächlich eher auf der bürgerlichen Seite des politischen Spek­trums, das es innerhalb dieser Gruppierungen gibt, und doch ähneln sie den Burschenschaften stark in ihrer internen Struktur. Zentral im Verbindungsleben sind gemeinsame Saufabende, bei denen der Konsum von Alkohol zum Ritual erhoben wird. Dagegen wäre auch gar nichts zu sagen, aber das Alkoholtrinken dient bei den Verbindungen keineswegs einfach dem Vergnügen, sondern als Mittel, um Herrschaft und Unterwerfung durchzusetzen. Nur diejenigen erlangen Respekt, die sich auf Kommando ihrer ‚Vorgesetzten‘ bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Der interne Zusammenhalt der Verbindungen ist streng hierarchisch organisiert und durch das Lebensbundprinzip wird es schwer gemacht, aus den Strukturen auszusteigen – die versprochene Hilfe bei der Karriere kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Viele Verbindungen sind pflichtschlagend, das bedeutet, dass für ihre Mitglieder ein Fechtduell mit scharfen Waffen, das mit der obligatorischen Narbe im Gesicht endet, verpflichtend ist. Mit diesem Zeichen soll die Zugehörigkeit zur Verbindung nach Außen sichtbar dokumentiert werden; die Narbe symbolisiert ein doch recht humorloses Verständnis von Männlichkeit und sie dient als Erinnerung, sich ein Leben lang nicht von der Verbindung abzuwenden.

Weitere Informationen zu Verbindungen, Corps und Burschenschaften finden sich in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Lotta. Infos unter: projekte.free.de/lotta


19.Januar2011

Autonome Referate

Autonomes FrauenLesbenreferat

Die Referentinnen aus dem FrauenLesbenreferat vertreten die Interessen aller Frauen an der RUB und werden im Zuge der Frauen-Vollversammlung gewählt. Das Referat versteht sich als erste Anlaufstelle für alle Studentinnen und als Knotenpunkt für interdisziplinären Austausch und Veranstaltungen über frauen- und geschlechterrelevante Themen. Daneben wird der Kontakt zu Gruppen mit ähnlichen Interessen wie dem Frauenarchiv Leihse und der AG Feministische Theorie und Praxis gepflegt. Außerdem ist das FrauenLesbenreferat für den Frauenraum verantwortlich, der sich auf der Ebene 02 in GA befindet.

Autonomes AusländerInnenreferat

Das Autonome AusländerInnenreferat (AAR) kümmert sich um die Belange ausländischer Studierender an der RUB. Es bietet beispielsweise Deutsch-Sprachkurse zu niedrigen Preisen an, um den Einstieg ins Studium zu erleichtern. Aus eigener Erfahrung wissen die ReferentInnen, welche Probleme auf ihre KommilitonInnen zukommen, wenn der große Schritt zum Studium in einem fremden Land gewagt wird. Deswegen ist das AAR der erste Anlaufpunkt für Tipps und Ratschläge, um sich in Uni, Stadt und Umgebung besser zurecht zu finden. Außerdem verwaltet das AAR die internationale Bibliothek und organisiert Veranstaltungen, Partys und Konzerte und ergänzt so das kulturelle Leben auf dem RUB-Campus für alle Studierenden.

Autonomes Schwulenreferat

Alle Männer an der RUB, die sich nicht als heterosexuell verstehen, können die Referenten dieses Referats wählen. Einen Höhepunkt jedes Semesters stellt der legendäre schwule Sektempfang dar, zu dem das Referat alle Studierenden einlädt. Neben den offenen Sprechstunden und regelmäßigen Plena gibt es Veranstaltungen und Vorträge, in denen beispielsweise über die Situation Homosexueller in anderen Ländern oder Schwulenhass im Fussball berichtet wird.

All diese Referate haben ihre Räumlichkeiten im Studierendenhaus im Erdgeschoss. Das AAR befindet sich direkt hinter dem Kulturcafé in SH083. Die anderen Referate sind auf dem AStA-Flur in SH014 bzw. SH015 untergebracht.


18.Januar2011

Katharsis in der Einöde

Nagels zweiter Roman sucht die Welt im Dorf

Mit „Was kostet die Welt“ legt Nagel – früher bei Muff Potter für Gesang und Gitarre zuständig, heute bei den Blood Robots für den Bass und bei sich selbst fürs Schreiben – seinen zweiten Roman vor. Meise, den Helden des Stücks, kann man sich als eine bodenständige Version von Herrn Lehmann vorstellen. Einer, der sich auch nicht so recht mit dem Erwachsenwerden anfreunden kann, dem aber die unbekümmerte Beschwingtheit von Sven Regeners Protagonisten fehlt. Einer, der statt einem lustig-knuffigen Elternpaar nur eine biedere Kleinbürgerfamilie vorzuweisen hat, unter deren heiler Oberfläche es immer mächtig gebrodelt hat. Jemand, dem vielleicht seine große Liebe über den Weg gelaufen ist – und dem sie anders als bei Herrn Lehmann nicht davonläuft –, der sie dann aber selbst verstößt, weil er sich einfach nicht mehr darauf einlassen kann. Während Regener letztlich einen sympathischen Schlendrian kreiert hat, der am Ende irgendwie seinen Frieden mit der Welt schließt, bleibt bei Nagel am Ende das Gefühl, dass es eben kein richtiges Leben im falschen gibt. Die Welt als eine Einrichtung, die aus dem Zwang besteht, etwas Anständiges aus sich zu machen, und deren Enge einen erdrückt, weil man dabei immer nett, freundlich und im Zweifelsfall jemand anders sein soll. Als Leben bleibt dabei nur die Summe der schönen Momente, die man den Zumutungen des Alltags abtrotzen kann.

Meises Flucht in die Provinz führt ihn zu Jungwinzer Flo. Den hat er beim Reisen in New York kennengelernt und war sich eigentlich sicher, dass er ihn nie wieder anrufen würde. Flo, selbst jung und irgendwie subkulturell, entpuppt sich trotz seines hippen Tunnelohrrings schnell als Antipode. Kurz nach Studienbeginn aus der Stadt zurück ins elterliche Heim in der Pampa gezogen, seit der Schule mit derselben Freundin zusammen und kurz davor das familieneigene Weingut zu übernehmen, steht er so ziemlich für alles, was Meise nicht sein will. Das heile Dorfidyll – die Welt dessen, der nicht angekommen ist, weil er nämlich schon immer Teil der dörflichen Gemeinschaft war – offenbart jeden Tag mehr Risse. Lügen sich hier alle nur gegenseitig an? Was machen die hier eigentlich in diesem Nirgendwo in Rheinland-Pfalz und wie hält man das hier nur aus? Unter dem Eindruck vereinnahmend-überfreundlicher Eltern, rassistischer Kneipengänger und weißhaariger Touristen rettet sich Meise erst in einen Friseursalon und dann in seine Phantasie. „Einen Abend Wahnsinn gegen tausend Jahre Stumpfsinn“ mit Silvie, der tollen Friseurin, malt er sich gedanklich aus: „Was hältst du davon, wenn wir uns drüben bei Jagd- und Sportwaffen Jung ein paar Schrotflinten besorgen und anschließend einen Wagen klauen? Dann können wir wild ballernd durch die Gegend fahren […] Wenn du magst, überfahren wir ein paar Omis. Jagen die geizigen alten Schachteln durch die Straßen dieser todgeweihten Altstadt“. Doch irgendwann klappt auch das nicht mehr. Nach den Eindrücken des Partyzelts auf dem Dorffest, die Flo mit einem hilflos-ehrlichen „Uns gefällt es hier!“ aufzuwiegen versucht, ist die schwelende Katharsis nicht mehr zu stoppen. Der Versuch, die Bedrohung des Idylls in Höflichkeit zu ersticken („Und warum dreht er sich jetzt um und geht einfach weg statt mir eine zu zimmern?“), scheitert und am Ende bleibt nur Blut, Kotze und die Rückkehr nach Berlin. Woanders ist es auch scheiße? Bestimmt, aber es geht auch noch schlimmer.

„Was kostet die Welt“ ist aber mehr als nur die Abrechnung eines Ex-Münsterländer Provinzpunkers mit dem Dorf. Die Mosel dient nur als Metapher, letztlich geht es um die ausweglose Suche nach den Möglichkeiten des Glücks in der allgemeinen Tristesse. Das ist ernüchternd, schlägt oft fehl, aber was bleibt einem sonst übrig? „Für den Heimatlosen ist Heimweh der Motor für die Flucht nach vorn“ sangen Muff Potter mal. Also, rauf aufs Gas – aber besser in Richtung Stadt.

Nagel: Was kostet die Welt. Heyne. 16,99 Euro. Lesungen mit Nagel gibt‘s am 27. Januar im Kulturzentrum Pelmke in Hagen und am 29. in der Essener Zeche Carl. Am 21. Januar erscheint eine Mischung aus Soundtrack, Lesung und Songs bei audiolith auf Platte und als Download.