Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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21.Dezember2005

Arbeit

Nr. 2

Schlagworte: Arbeit // Kritische Wissenschaft

* Das gemeingerm. Wort Arbeit bedeutete ursprünglich im Deutschen noch bis in das Nhd. hinein "schwere körperliche Anstrengung, Mühsal, Plage". Den sittlichen Wert der Arbeit als Beruf des Menschen in der Welt hat Luther mit seiner Lehre vom allgemeinen Priestertum ausgeprägt.


"Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", lautet ein Sprichwort, das den sozialistischen Bebel mit der christlichen Bibel eint. Und um die Arbeit auch in Zeiten ihrer Krise zu heiligen, ist den Parteien aller Länder jedes Mittel recht: Arbeitszwang für Arbeitsscheue, Jobwunder her, wo es nichts zu tun gibt. Bei New Labour etwa ist der Name schon Programm. Noch die unsinnigsten Beschäftigungsmaßnahmen werden ersponnen, damit nicht später einer isst, der nicht für sein Brot malocht hat. Wird auch menschliches Zutun nach dem Stand der Möglichkeiten zunehmend überflüssig, erscheint die Arbeit allen Beteiligten umso dringlicher. Einmal auf den Markt geworfen, fordern sie nicht einfach Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum, sondern zunächst und vor allem Arbeit.

Unterschlagen wird dabei gern das Kleingedruckte, dass Arbeit im unterstellten Sinn keine kategorische Naturnotwendigkeit - also nicht identisch mit Tätigkeit schlechthin -, sondern ein ab-straktes, zugleich selbstzweckhaftes Zwangsprinzip der kapitalistischen Gesellschaft darstellt, das nur beiläufig dazu angetan ist, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, zuallererst aber Wert zu produzieren. Wer dazu nicht taugt, weil er oder sie nicht rechtzeitig Fuß fasst in den Tretmühlen der Arbeitsgesellschaft, geht zu Sonderpreisen in die bunte Welt der Dienstleistungen oder fällt in die Erwerbslosenstatistik, und das heißt: unten durch. Denn Nichtarbeit bedeutet den Betroffenen nicht Vergnügen, sondern wird zum Stigma der eigenen Überflüssigkeit, wenn nicht, wie in den verstoßenen Regionen der Globalökonomie bereits gang und gäbe, zur Überlebensfrage.

Die Kritik der Arbeit mit dem praktischen Ziel ihrer Aufhebung liegt nicht nur quer zum herrschenden Arbeitsdiskurs, sie ist zugleich notwendige Herausforderung linker Politikgewohnheiten, die selbst innerhalb der fetischistischen Formen kapitalistischer Vergesellschaftung verbleiben, und schreckt auch nicht vor den eigenen Konsequenzen realpolitisch zurück.