22.Januar2009
Automatisierte Bürokratie
Die VSPL-Story
Bereits als VSPL („Verwaltung von Studien- und Prüfungsleistungen“) vor über drei Jahren an der RUB eingeführt wurde, war es umstritten. Doch was in der Folge für Probleme mit dem neuen System auftreten würden, hatten sich damals wohl selbst die harschesten Kritiker nicht träumen lassen.
Nachdem das System in der Anfangsphase vor allem durch Zusammenbrüche der Server und den daraus resultierenden Verschiebungen der Anmeldefristen von sich reden machte, wurde in der Folge das Anmeldesystem umgestellt. Das anfänglich praktizierte Verfahren („wer zuerst kommt mahlt zuerst“) wurde durch das Los- bzw. Zuteilungsverfahren ersetzt. Damit konnten die Servercrashs zunächst unter Kontrolle gebracht werden, da sich die von den Servern zu tragende Last auf einen längeren Anmeldezeitraum erstreckte.
Mit der zunehmenden Verwendung von VSPL an immer mehr Fakultäten kommt es jedoch wieder zu erhöhten Serverbelastungen, deren Resultat lange Ladezeiten und besonders zu Semesterbeginn die altbekannten Systemabstürze sind. Darüber fordern viele Fakultäten von den Studierenden, ihre bereits erworbenen Scheine in VSPL nacherfassen zu lassen. Dies gilt nicht nur für die bereits von Hand kombinierten und also bereits kontrollierten Modulscheine, sondern auch für alle einzelnen Scheine, aus denen sich die Module zusammensetzen. Insbesondere zu den Stoßzeiten ist diese Nacherfassung, aufgrund der langen Ladezeiten, eine unzumutbar zeitraubende Aufgabe! Glücklich darf sich schätzen, wer in Besitz eines – mit 25 Euro nicht gerade günstigen und dazu noch auf veralteter Technik basierenden – Kartenlesegerätes ist und somit auf die Abend- und Nachtstunden ausweichen kann. Nachdem man die Scheine in elektronische Form gebracht hat, ist zusätzlich noch der Gang zur zentralen Überprüfungsstelle im HZO von Nöten, wo die Scheine zeitintensiv von Hand verifiziert werden. Es verwundert angesichts dieser Unzulänglichkeiten nicht, dass auch einige DozentInnen versuchen, VSPL zu umgehen. Teilweise läuft das Anmeldeverfahren zwar pro forma über VSPL, letztlich werden aber auch nicht angemeldete Teilnehmer aufgenommen. Die VSPL-Anmeldung wird somit zur Farce, was, aufgrund der hohen Anschaffungskosten des Systems, jedoch nicht eingestanden werden darf.
Alles in allem muss gefolgert werden, dass sich VSPL als ein millionschwerer Flop herausgestellt hat. Ein gutes Fallbeispiel für den fahrlässigen Umgang mit Studiengebühren. Nachdem nun aber bereits Unsummen in das System investiert wurden, erscheint die Forderung nach einer Abschaffung kaum mehr als denkbare Option. Alle Verbesserungen des Systems würden jedoch weitere finanzielle Investitionen erfordern, deren Aussicht auf Erfolg angesichts der bisherigen Entwicklung unsicher erscheint. Konkret gefordert werden kann heute, dass zur Verbesserung des Systems keine Studiengebühren verwendet werden, wie es derzeit der Fall ist. Im letzten Abrechnungszeitraum wurden fast 174.000 Euro aus Studiengebühren in die Technik investiert; dazu müssen noch die Personalkosten addiert werden, welche jedoch nicht als extra aufgeschlüsselt in den Abrechnungen erscheinen und über die daher keine genauen Angaben existieren. Derzeit stehen zudem Forderungen in Höhe von ca. 600.000 Euro im Raum, die in Zukunft aus Studiengebühren in VSPL investiert werden sollen. Die „Verbesserung der Lehre“, ist mit VSPL nicht erreicht. Im Idealfall eines funktionierenden Systems könnte höchstens von einer leichten Verbesserung oder Veränderung der Verwaltung gesprochen werden. Die Gebühren gehören abgeschafft, aber wenn es sie schon gibt, sollten diese lieber für das Angebot weiterer Seminare oder die Minimierung versteckter Kosten, wie beispielsweise der Finanzierung von Readern, genutzt werden. Die Studierenden zur Finanzierung eines Systems, welches zu weiterer Bürokratisierung führt und dessen Probleme absehbar waren, heranzuziehen, ist ein unverantwortlicher Umgang mit den hohen Beiträgen.
VSPL sollte aufgrund dieser Mängel nicht unverändert aufrecht erhalten werden, es muss durch Optimierung der Serverstruktur und der Software selbst nutzbarer gemacht werden. Weiter fordern wir die Abschaffung der Nacherfassung von Scheinen. Da es bisher offenbar auch über mehrere Jahrzehnte möglich war, sich für Prüfungen mit Scheinen in Papierform anzumelden, ist es vollkommen unsinnig, nun die Nacherfassung der alten Scheine zu erzwingen. Hierbei handelt es sich nur um eine riesige Verschwendung der Zeit von Studierenden und DozentInnen und dringend an anderen Stellen benötigter Gelder.
RSS