21.Januar2008
Bafög rauf, Gebühren runter!
Für eine (Re-)Demokratisierung der Hochschulen!
Schlagworte: Hochschulpolitik // Studiengebühren // Wahlen 2008
Das vergangene Jahr war von vielen einschneidenden Veränderungen in
der Bildungspolitik in NRW geprägt: Zum einen wurden allgemeine Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester erhoben, zum anderen erfolgte die Einsetzung externer Hochschulräte durch die Landesregierung, wodurch die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Studierende auf wichtige, die Universität betreffende Entscheidungen weiter beschnitten wurden. Der einzige Lichtblick war eine längst überfällige Erhöhung des Bafög um 10 Prozent auf einen neuen Höchstsatz von 648 Euro.

Auch wenn die Anhebung der Bezugssätze durchschnittlich 50 Euro im Monat mehr in die Taschen vieler Studierenden bringt, ist selbst der neue Höchstsatz nach Ansicht des Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) den heutigen Lebenshaltungskosten längst nicht angemessen. Verschiedene Studien legen den Schluss nahe, dass mindestens 750 Euro im Monat zur Finanzierung eines Vollzeitstudiums notwendig sind. Hinzu kommt, dass die aktuelle Erhöhung des Bafög nicht mehr als ein lang erwarteter Inflationsausgleich ist und somit kaum als reale Erhöhung betrachtet werden kann.
Nach der neusten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes arbeiten bereits jetzt an der Ruhr-Universität 70 Prozent der Studierenden, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Zugleich wächst der Druck, das Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. So kommt es, dass viele Studierende aufgrund ihrer Arbeitszeiten wichtige Veranstaltungen nicht besuchen können. Darauf angesprochen, antworten DozentInnen häufig, dass das Studium Vorrang haben müsse und die Arbeit deshalb erst an zweiter Stelle kommen dürfe. Leider geht dieser gut gemeinte Rat an der Lebensrealität vieler Studierender vorbei. Ein Nebenjob führt bei zunehmender Kontrolle der Anwesenheitspflicht, welche oft mals mit der Umstellung auf die neuen verschultenBachlor und Master-Studiengänge einhergeht, oft zu einer ungewollten Verlängerung des Studiums.
Auch aus diesem Grund wird die Linke Liste die Diskussion über Sinn und Zweck von Anwesenheitspflichten in den zuständigen Gremien (Fakultäten, Uni-Leitung) auf die Tagesordnung setzen und sich an Kampagnen für eine reale Erhöhung des Bafög weiterhin aktiv beteiligen. Neben der Frage nach den Einnahmen ist für den studentischen Geldbeutel die Frage nach den Studiengebühren von zentraler Relevanz. Seit einem Jahr verlangt die Ruhr-Universität nun schon 500 Euro Campusmaut, und es zeigt sich, dass viele Fakultäten und Institute nicht in der Lage sind, diese Mittel sinnvoll zur Verbesserung der Lehre zu verwenden. Bevor noch die letzte Uni-Toilette mit einem Videobeamer ausgestattet wird, muss die Universität beweisen, dass sie Studiengebühren nicht lediglich verschleudert. Wir fordern deshalb eine unabhängige Evaluation der bisherigen Maßnahmen, um anschließend die Gebühren wieder senken oder — noch besser — ganz abschaffen zu können.
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