21.Dezember2005
Bioethik
Nr. 17
Schlagworte: Gesundheit / Umwelt
* Ethos, „sittliche Haltung; Gesamtheit moralischer Lebensgrundsätze“: Das Fremdwort ist aus griech.(-lat.) ethos „Gewohnheit, Herkommen; Gestittung, Charakter“ entlehnt. Dazu gehört das Substantiv Ethik „Moralphilosophie, Sittenlehre“ (17. Jh.; aus lat. ethice, [res] ethica).
Seitdem die modernen Biowissenschaften es erlauben, gentechnisch ertragreichere Pflanzen zu erzeugen und die Stammzellenforschung Heilmittel für heute noch untherapierbare Krankheiten verspricht, führt die Öffentlichkeit kontroverse Diskussionen dazu: Während die eine Seite auf dem Standpunkt steht, was möglich ist soll auch gemacht werden und dem Fortschritt der Technik vertraut, wehrt sich die andere Seite aus moralisch-ethischen Gründen vehement gegen diese Entwicklungen.
Diese Debatte, mag sie noch so wortreich in den Zeitschriften ausgetragen werden, trifft aber nicht den Kern. Den Zeitpunkt, ab dem ein Zellhaufen ein Mensch wird, festzulegen, mag ebensolch akademischen Wert haben, wie darüber nachzusinnen, ob dem Menschen erlaubt ist, in die Schöpfung einzugreifen. Diese Diskussionen verschleiern, dass knallharte Profitgier Basis jeder Entwicklung auf diesem Bereich ist. Therapien wollen gekauft werden, am besten entwickelt man daher Therapien für zahlungskräftige Kranke, vorzugsweise die Besserverdienenden der Industrieländer. Krankheiten, die in Entwicklungsländern haarsträubend viele Opfer fordern, fallen daher unter den Tropenholzschreibtisch, wenn die Manager der Pharmaindustrie über neue Produkte nachdenken. Weniger betuchte Kranke werden Stammzelltherapien usw. nicht nutzen können. Im Gegenteil: Es werden weitere Abhängigkeiten erzeugt, da die Pharmaindustrie billige Gensequenzen, Eizellen und Versuchspersonen braucht. Genauso wenig werden die Designerpflanzen das Hungerproblem der Welt lösen, solange verschuldete Bauern Exportgüter für den Weltmarkt anbauen müssen, anstatt Nahrungsmittel für den Regionalbedarf.
Es lohnt sich daher, wie immer, zu fragen, wem die hitzigen öffentlichen Diskussionen nützen und wer welche Interessen verfolgt. Auch die moderne Bioindustrie beruht auf kapitalistischer Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Leider machen sich hierzulande mehr Leute Gedanken um gefangene Labortiere und Gottes Monopolstellung in der Schöpfungsbranche.
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