22.Januar2009
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Die Lehrevaluation unter der Lupe
Dieses Semester wurden in vielen Veranstaltungen wieder sogenannte Evaluationsbögen verteilt. Auf diesen Bögen sollen die Studierenden verschiedene Daten zum Stand ihres Studiums sowie zu ihrer Bewertung der Veranstaltung eingeben. Endlich spielt die Meinung der Studierenden eine Rolle. Eine längst überfällige Neuerung – oder doch nicht?
Es ist davon auszugehen, dass über solche „Evaluationen“ langfristig eine Besoldung der Lehrenden nach „Leistung“ angestrebt wird. Leistung wird freilich so verstanden, dass möglichst viele Studierende in möglichst kurzer Zeit durch das Studium gepeitscht und auf den Arbeitsmarkt geworfen werden sollen. Kritisches Bewusstsein wird zwar immer verbal eingefordert, aber das Studium für einen Ort der intellektuellen Muße und Selbstverwirklichung zu halten, wirkt mittlerweile wie eine romantische Utopie. Im Kontext dieser wirtschaftlichen Rationalisierung auf Kosten kritischer Wissenschaft ist auch die Einführung von Evaluationen zu sehen. Hinzu kommt, dass derartige Fragebögen gar nicht die tatsächliche fachliche und pädagogische Kompetenz der DozentInnen messen, sondern vielmehr ihre Popularität unter Studierenden. Ein/e ProfessorIn mag fachlich hervorragend sein und auch gut in der Vermittlung von Wissen, doch bei einem unsympathischen Eindruck und hohen Anforderungen hagelt es vermutlich schlechte Bewertungen. Umgedreht ist davon auszugehen, dass SympathieträgerInnen, die gute Noten verteilen, auch eine gute Bewertung der Studierenden erhalten, selbst wenn ihr Fachwissen, dass sich von den Studierenden ohnehin selten nachprüfen lässt, eher gering ist und sie in ihren Veranstaltungen auch nur wenig davon vermitteln können.
Alles andere als anonym
Obwohl die Fragebögen in ihrer Ausgestaltung durchaus anonym sind, ist es den Dozenten, durch die Kombination der einzutragenden Daten (Fachsemester, Häufigkeit der Teilnahme, handschriftliche Eintragungen), gerade in kleineren Seminaren problemlos möglich Rückschlüsse zu ziehen, wer welchen Fragebogen ausgefüllt hat. Das durch die kleine Gesamtheit der Befragten ad absurdum geführt Versprechen der anonymität hat muss fast schon zwangsläufig dazu führen, dass die Ergebnisse in in Richtung einer positiven Bewertung verfälscht werden. Noch dierfreundlichste und ausgeschlossenste Dozent hat im Zweifelsfall immer noch die Möglichkeit, ob nun bewusst oder unbewusst, eine schlechte Bewertung zu sanktionieren.
Nutzen?
Die durchgeführte „Evaluation“ ist also weder für Studierende, noch für Lehrende von Vorteil. StudentInnen müssen einerseits bei wahrheitsgemäßer Antwort fürchten den Unmut der DozentInnen auf sich zu ziehen und werden andererseits in Zukunft von Lehrenden unterrichtet, die nicht mehr nach fachlicher Kompetenz, sonder nach Beliebtheit unter den Studis ausgewählt wurden. Für die Lehrenden selber bedeutet dies, dass ihre Karriere nicht mehr durch ihr Wissen und Können bestimmt wird, sondern durch ihre Fähigkeit sich gegenüber den StudentInnen zu verkaufen. Denn nicht nur die Besoldung wird sich, wenn dieses System erst einmal etabliert ist, nach der Bewertung richten, auch die Vergabe von Stellen wird sicherlich bedeutend von einer derart durchgeführten Bewertung der bisherigen Lehrtätigkeit abhängen.
Demokratische Mitbestimmung?
Angezweifelt werden darf auch, ob sich die Ansichten der Studierenden über einen „von oben“ entworfenen Fragebogen tatsächlich erfassen lassen. Die Fragen stellen bereits eine Vorauswahl dessen dar, was kritisiert werden darf und viele kontroverse Themen werden überhaupt nicht angesprochen, zurdem lassen viele der Fragen einen großen Interpretationsspielraum. Mit demokratischer Mitbestimmung oder tatsächlichem Interesse an Kritik hat diese Erhebung also wenig zu tun. Es steht ausser Frage, dass die Meinung der Studierenden eine gewichtige Rolle spielen muss und mit Sicherheit bedürfen auch die Lehrfähigkeiten einiger DozentInnen einer kritischen Würdigung; dafür setzen wir uns als Linke Liste schon seit Langem ein. Die Durchführung muss jedoch vernünftig und transparent sein und einer realen Verbesserung der Lehre und nicht einer wirtschaftsfreundlicheren Ausrichtung der Uni dienen!
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