21.Dezember2005
Burschis
Nr. 5
Schlagworte: Antifa // Burschis
* Das aus mlat. bursa entlehnte mhd. burse "Beutel, Kasse" erscheint seit dem 15. Jh. als Name von Studentenhäusern (danach noch nhd. Burse ’Studentenheim’). Als frühnhd. Form galt ’die Bursch[e]’, das, als Plural gefasst, Anlass zu einem neuen Singular‚ der Bursch gab.
Die Männer mit den merkwürdigen farbigen Bändern um den Hals sind hier, um zu keilen, d.h. sie werben Nachwuchs - für einen "Haufen von verhetzten, irregeleiteten, versoffenen, farbentragenden jungen Deutschen", wie Kurt Tucholsky Verbindungsstudenten bezeichnete. Dazu gehört das Anbieten von preiswertem Wohnraum ’auf dem Verbindungshaus’ oder die Einladung zu Veranstaltungen. Versprochen werden lebenslange Freundschaft, Unterstützung während des Studiums und beim Aufbau einer späteren Karriere. Gerne ist auch die Rede von demokratischen Traditionen und Toleranz. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Frauen, Ausländer und Kriegsdienstverweigerer sind – zu ihrem Glück – als Mitglieder meist unerwünscht. In den Verbindungen sind es vor allem die ’Alten Herren’, die das Sagen haben.
Und auch die Aktiven, also die studentischen Mitglieder, pflegen autoritäre Rituale. Bei schlagenden Verbindungen gehört zum Aufnahmeritual die ’Mensur’, ein kompliziertes Fechtritual mit scharfen Waffen, bei dem ein Ausweichen nicht erlaubt ist. Gesichtsverstümmelungen, sogenannte Schmisse, können die Folge sein. Zentrales Moment aller Verbindungen ist der Elitegedanke: Wenn man die Aufnahmekriterien einmal erfüllt hat, protegieren nach Beendigung des Studiums die ’Alten Herren’ den Nachwuchs der selbst ernannten Elite der Nation in profitable Jobs - frei nach dem Motto ’Kennen statt Können.
In der Geschichte der Korporationen gab es einige wenige demokratische Ansätze, aber insgesamt ist sie reaktionär-antidemokratisch bis zutiefst braun. Auch heute ist es keine Ausnahme, wenn auf Verbindungshäusern das Deutschlandlied in allen drei Strophen gesungen wird. Personelle Überschneidungen zum rechtsextremen Lager sind weder selten noch zufällig. Nicht alle Verbindungen sind rechtsextrem, dennoch sind sie fast alle durch ihre jeweiligen Verbände in einer gemeinsamen Dachstruktur organisiert, und verweigern nach wie vor, sich von den zahlreichen rechtsextremen Verbindungen explizit und öffentlich in ernst zu nehmender Weise zu distanzieren.
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