Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

Sie befinden sich hier: Startseite > Publikationen

21.Dezember2005

Chaplin

Nr. 15

* Charles Spencer Chaplin geboren 1889 in London, als Staatenloser 1977 in der Schweiz gestorben.


Mit Charlie, dem Tramp, hat Chaplin die berühmteste Figur der Filmgeschichte geschaffen. Als Markenzeichen hat er das Star-Kino Hollywoods mitbegründet; als der „kleine Mann“, der die Zwänge der Gesellschaft überlistet, buchstäblich die ganze Welt begeistert. Keinem nach ihm ist es mehr gelungen, das große Publikum und die Intellektuellen seiner Zeit gleichermaßen anzusprechen.

Charlie, schon in Verkleidung und Gestik ein auffällig widersprüchlicher, aber grundsympathischer Kerl, ist ein gesellschaftlich gestempelter Verlierer, dem es durch Zufall und Tücke gelingt, als Sieger davonzukommen. Das Happy End, das ihn in jedem Film erwartet, gibt der Hoffnung auf menschliches Glück Ausdruck und ist zugleich voller Ironie. Keiner, der mit ihm hofft, mag es so recht glauben. Die auf den ersten Blick konservativen Wendungen, die Charlies Schicksal mit dem Rückzug vom Vagabundendasein ins Familienglück oder durch zufällig erworbenen Reichtum nimmt, sind selber Parodie auf die Erlösung, die nicht kommt. Bester Beweis dafür, dass Chaplins Komik als Kritik durchaus verstanden wurde, sind die Angriffe, denen er sich regelmäßig ausgesetzt sah. Als Kommunist verdächtigt, wurde er schließlich nicht mehr ins Land zurückgelassen.

Chaplin, der den amerikanischen Traum – vom armen Varietékünstler zum größten Filmstar der Welt – selber verwirklichte, hat ihn zugleich wie kein anderer karikiert. Walter Benjamin sah Chaplin schon damals in einer Reihe mit den sowjetischen Filmavantgardisten, und der Star selbst genoss zuzeiten die Gesellschaft von Leuten wie Brecht, Eisler und Adorno (der später ehrfürchtig berichtete, wie Chaplin ihn bei einer Party imitiert habe). Den Tramp gab er schon zu Lebzeiten auf, woran sein Alter und die Einführung des Tonfilms, vor allem aber Hitler die Schuld trug. Den kleinen Schnauzer hat Chaplin als „Great Dictator“ ein letztes Mal und dann nie wieder getragen.