Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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27.Januar2009

Jargon der Kompetenz

Schlagworte: Opposition // Wahlen 2009

Die aktuell zirkulierenden Flugblätter der Liberalen Hochschulgruppe (LHG) sowie die Materialien der Listen RCDS, NAWI und TUWAS zeigen recht anschaulich das Niveau, welches die rechten Hochschulgruppen in der politischen Auseinandersetzung an den Tag legen.


Gesellschaftskritisches Engagement wird mit der liberalen Rethorik des jungen, dynamischen Machers pauschal mit weltfremden Umtrieben gleichgesetzt. Man selbst inszeniert sich als besonders kompetente und motivierte Truppe, die mit einem sog. "Kern-AStA" das wichtigste studentische Sprachrohr flurbereinigen will. Ziel ist eine pragmatisch reduzierte Politik der Machbarkeit. Es geht um die fortgeschrittene ökonomische Zurichtung der Hochschule auf die Ansprüche der freien Wirtschaft.

Für uns entzieht sich aber gerade das, was kritische Wissenschaft heißt, einem rigiden Finanzierungsvorbehalt. Hier geht es nämlich um’s Durchschauen der gesellschaftlichen Mechanismen, die uns Studierenden eine selbstbestimmte Organisation von Wissenschaft verunmöglichen. Ein Treppenwitz sondergleichen ist übrigens die Denunziation der AStA-Tätigkeit als sinnlose "Verschwendung" von Geldern: denn vom Sozialbeitrag (225 Euro) gehen lediglich 12 Euro an den AStA (und davon weniger als 50 Cent in die Förderung kritischer Wissenschaft).

Und auch zur angepriesenen "Transparenz" bei der Verwendung der Studiengebühren lässt sich sagen: Wer diese mit einem lässigen Management-Vokabular verklärt, nimmt sie schon billigend in Kauf. Wir diskutieren die Studiengebühren nicht unter dem Aspekt der "effektiven Allokation", sondern fordern ihre Abschaffung.

Zudem wollen wir aufklären über die Bedeutung der konsekutiven Bachelor/Master-Studiengänge in ihrem Zusammenhang mit der technokratischen Hochschulreform, die durch eine radikale Zergliederung und Modularisierung das gesellschaftliche Wissen entqualifiziert und es nur nach Kriterien des anonymen Marktes gelten lässt.

Und ein letztes: den etwas vorlauten KommilitonInnen, die mit hastig verteilten Flugblättern uns als "linksextremistisch" oder "kommunistisch" schelten, sei gesagt, dass wir uns auf solche Schlagwörter nicht einlassen werden. Damit kann man vielleicht vorhandene Vorurteile wecken; eine offene Auseinandersetzung sieht jedoch anders aus. Wir wollen Räume schaffen für eine möglichst breite Diskussion über unser Studium und die Rolle der Universität in der Gesamtgesellschaft. Der manipulative Jargon aufstrebender Berufspolitiker befördert hingegen die Entpolitisierung der Hochschule.