Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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11.Juni2007

Das Versteckspiel

Symbole, Codes und Lifestyle der extremen Rechten - Vortrag und Diskussion - 12. Juni 2007, 19:30 Kulturcafé an der RUB

Schlagworte: Antifa // Veranstaltungen

Dass Nazis nicht mehr nur als Stiefel- und Bomberjacken-tragende Stahlglatzen aufmarschieren und Skins auch antifaschistisch sein können, ist wohl schon hinlänglich bekannt. Doch hinter welchen Symbolen sich eine extrem Rechte Einstellung verbirgt, ist vielen Menschen unbewusst.


Das Hakenkreuz kennen alle, den Gruß “Heil Hitler” auch. Doch was, wenn solche Inhalte versteckt werden? Wenn die verbotene Formel “Heil Hitler” durch eine Zahl ersetzt wird und sich so manche SportlehrerInnen nichts dabei denken, wenn ihre Schützlinge Basketball-Shirts mit der Rückennummer “88“ tragen? Was nach Außen unauffällig wirkt, hat nicht nur für rechte Jugendliche eine enorme Bedeutung. Die mehr als 120 bekannten Zeichen, die verdeckt oder offen eine politische Orientierung nach rechts mitteilen, sind für die meisten Außenstehenden eine Fremdsprache. Sie sind ebenso wie bestimmte Bekleidungsmarken jedoch nicht nur Erkennungsmerkmal für Gleichgesinnte und vermitteln ein Gruppengefühl, sie transportieren auch eine politische Botschaft. Ähnlich der Funktion neonazistischer Musik für die HörerInnen, kann ein unscheinbares Symbol eine große Bedeutung für seine TrägerInnen haben.

Goaliat dichtmachen

Etliche Leute in Bochum haben erst in der Auseinandersetzung mit dem Nazi-Laden "Goaliat" in der Oskar-Hoffmann-Straße realisiert, dass Nazis nicht mehr unbedingt als Springerstiefel-tragende Glatzen rumlaufen. Im Gegensatz zu bekannten Szenetreffpunkten wie dem "Donnerschlag" in Dortmund ist der Bochumer Laden "Goaliat" auf den ersten Blick nicht als rechte Einrichtung erkennbar. Im Schaufenster befinden sich sportlich anmutende Sweat-shirts, Jacken und T-Shirts mit diversen Sprüchen und Logos. Ohne Kenntnis rechter Codes und Symbole wird nicht klar, worum es sich bei den Textilien der Firma "Thor Steinar" handelt - nämlich um eine Modemarke aus dem rechtsextremen Spektrum. Zusammengesetzt aus dem Namen des nordischen Donnergottes und dem Nachnamen des SS-Kommandeurs Felix Steiner, zeigt sich die Gesinnung der Hersteller schon deutlicher. Die Marke ist mittlerweile im rechten Spektrum etabliert und nicht mehr wegzudenken, erlaubt sie es dem Träger doch, seine nationalsozialistische Gesinnung nur für Eingeweihte offen zu zeigen.

Die Nazi-Szene saugt Leute aus verschiedenen Subkulturen auf, gibt sich aber auch gern ganz adrett und bürgerlich und entwickelt unterschiedliche Identifikations-Codes. Politische Symbole sind dabei die komprimierte Darstellung der wesentlichen Grundsätze einer Weltanschauung. Ihre Wiedergabe vermittelt zwar einen bestimmten Inhalt, ist jedoch gerade bei jugendlichen TrägerInnen erst einmal “nur” Ausdruck eines rechten Lebensgefühls. Die politische Botschaft kann sich in der Aufwertung des Eigenen und der Ablehnung alles Fremden erschöpfen.

Der Referent beleuchtet die Codes, Symbole und Marken rechter Jugendlicher und analysiert sie im Kontext eines entsprechenden Lifestyles.