Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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7.Dezember2009

Datenschutz

Schlagworte: Datenschutz // Grund- und Freiheitsrechte // Wahlen 2010

StudiVZ, Myspace, Lokalisten sowie unzählige regionale Community-Portale erfreuen sich großer Beliebtheit. Gesundheitskarte und elektronischer Personalausweis kommen bald, die Chipkarte für Studierende oder der Chip im Reisepass sind bereits da. Kein Zweifel – in den letzten zehn Jahren hat sich die Welt wieder einmal grundlegend gewandelt. Wir leben in einer Informationsgesellschaft.


Während immer mehr Daten gesammelt oder preisgegeben werden, ändern sich gleichzeitig die technischen Möglichkeiten rasant. Immer schneller können Daten übertragen, immer besser größere Datenmengen verarbeitet werden. Neben den vielen Vorteilen, die das für den einzelnen bietet, Lauern in dieser Entwicklung aber auch neue Gefahren. Durch die bessere Verfügbarkeit von persönlichen Daten bieten sich für Unbefugte und Befugte bessere Bedingungen, diese Daten zum Nachteil anderer einzusetzen.

Bewusster Umgang empfohlen Wer ein Profil bei StudiVZ besitzt, verrät dort einiges über sich. Angefangen bei Namen und Fotos, über Vorlieben und Hobbies bis hin zum Freundeskreis lässt sich dort häufig ein kompletter Überblick über das Privat- und Berufsleben eines Menschen anfertigen. Die Daten, die ihr dort veröffentlicht, sind grundsätzlich erst einmal für alle NutzerInnen sichtbar. Dabei ist es ein leichtes, seine Daten zumindest rudimentär zu schützen. StudiVZ und vergleichbare Internetdienste bieten die Möglichkeit, den Zugriff Fremder auf die eigenen Daten zu beschränken. Es empfiehlt sich, diese Funktionen zu nutzen, um die eigene Privatsphäre zu wahren. Schließlich geht es ja nicht alle Welt an, auf welcher Party ihr am Wochenende abgestürzt seid.

Neugierige Arbeitgeber Während solche Dinge gegenüber FreundInnen und Bekannten schlimmstenfalls peinlich werden können, wird es gegenüber potentiellen ArbeitgeberInnen zu einem echten Problem. Unternehmen recherchieren zu ihren potentiellen MitarbeiterInnen, und das auch im StudiVZ. Ob die Personalchefin dich, nachdem sie dein Profil gelesen hat, noch für geeignet hält? Schutz vor einem Datenleck bei StudiVZ bieten die Privatsphärefunktionen allerdings nicht. Hacker, die Interesse an den umfangreichen Datensätzen haben oder MitarbeiterInnen, die diese an Datenhändler verkaufen, wird es weiterhin geben. Und wie einfach es ist StudiVZ-Profile mit Hilfe eines Datensammelprogramms – einem sogenannten Crawler - auszulesen, zeigte der letzte Skandal um SchülerVZ und dem Hacker Matthias L., der sich vor wenigen Wochen im Gefängnis das Leben nahm.

Daten über Daten Doch auch ohne deine Einwilligung werden heute Daten über dich erhoben und gespeichert. Staatliche Melderegister, die Univerwaltung oder deine Krankenversicherung haben große Datenbanken. Die besondere Gefahr liegt hier in der nicht mehr durchschaubaren Vernetzung der einzelnen Datenbanken. Während es früher aufwändiger Recherche bedurfte, um über einzelne Menschen etwas herauszufinden, sind diese Informationen in Zeiten der zentralen Datenverwaltung sehr viel einfacher zugänglich. Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie sehr sich Unternehmen z.B. über Auszüge aus dem StudentInnenregister der RUB freuen würden, um Studierende einzelner Fachrichtungen gezielt Werbung zukommen zu lassen. Dass Datensätze tatsächlich verschwinden und missbraucht werden, belegen die zahlreichen Schlagzeilen um die Telekom, Lidl, Bahn und Co. Ungeahnte Möglichkeiten bieten diese Entwicklungen den staatlichen Strafverfolgungsbehörden, denen bspw. durch die Vorratsdatensammlung neue Datenquellen zur Verfügung stehen. Der „gläserne Bürger“, über den der Staat nahezu alles weiß, ist technisch nicht erst seit gestern realisierbar. Darüberhinaus ist es höchst zweifelhaft ob die präventive Datensammlung in einem sozialen Rechtsstaat der freien und unverdächtigen Individuen vertretbar ist.