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Filmabend: Django

Mittwoch, 21. Juli, 19:30 Uhr, HZO 50


Ein Mann geht durch die Wüste, er zieht einen Sarg hinter sich her. Sein Halbprofil, die Augen hinter der Krempe des Hutes versteckt, ein schwarzer Mantel. Schwitzende Banditen terrorisieren eine Frau und eine Stadt, eine Wagenladung Gold erwartet denjenigen, der sie sich mit der größeren Gewalt aneignet...


Vier Jahre nach der Veröffentlichung von John Fords Western-to-end-all-Western, The Man who shot Liberty Valance, erfindet aus dem ökonomischen Kalkül einer italienischen Produktionsfirma heraus Sergio Corbucci 1966 das Genre neu. Django ist ganz im Sinne des italienischen Kritikers Guilo Questi kein „Film (…) von der Realität geboren, sondern eher von einem anderen Film.“ Dies gilt für den so genannten Italo-Western insgesamt, es ist zuerst einmal ein Kino allein dem Kino verpflichtet, paradigmatisches Produkt der Kulturindustrie. Zum einen im selbstreferenziellen Rekurs auf die erzählerischen und ikonografischen Formen des Mediums Film, im Bezug nicht nur auf das US-amerikanische Genre-Kino der 40er und 50er Jahre, sondern etwa auch auf den japanischen Film (vor allem Kurosawa Akiras Filme wie Die Sieben Samurai), in dem dann wiederum z.B. in den Filmen der Kozure Okami-Reihe deutlich Einflüsse aus den Italo-Western aufgenommen wurden. Und dies gilt zum anderen umso mehr im bewussten Bezug auf das Wissen über die Konstitution der Zielgruppe und somit des Potentials der ökonomischen Verwertbarkeit, dass den Western made in Italy von Beginn an auszeichnete. War der klassische Western noch eine selbst meist mythologische Reflektion über den Mythos der Zivilisation und ihr „Außen“, so kann der Italo-Western nicht anders als diesen Mythos als eine Farce, allein als Bild von Männern mit immer größeren Knarren und Hüten, nunmehr ja auch real des letzten Restes an gesellschaftlicher Substanz entkleidet, nochmals zu setzen: Hier wird nicht der Konflikt zwischen der Zivilisation, dem Einzelnen, dem „Anderen“, dem Außen, ihrer Grenze inszeniert und reflektiert, sondern Zivilisation ist gleichsam ausgegangen. Alles was der Einzelne, der zudem nun wieder als scheinbar reines Produkt von ’Natur’ zu Fuß geht, davon noch im Verkehr der Einzelnen zu gebrauchen weiß, passt in einen Sarg den er hinter sich her schleift und der allein das ganze Arsenal der technischen Apparaturen gesellschaftlichen Selbstzerstörungspotentials enthält... (fh)

Wie immer zeigen wir den Film mit Überraschungsvorfilm und kurzer Einführung.

BRC Produzione, Italien/Spanien 1966. R: Sergio Corbucci. B: Sergio Corbucci und Bruno Corbucci. K: Enzo Barboni. M: Luis Enriquez Bacalov. D: Franco Nero, José Bódalo, Loredana Nusciak, u.a.

Django in der International Movie Database.