Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

Sie befinden sich hier: Startseite > StuPa-Wahlen 2010

King of the Monsters

7.Dezember2009

Für ein freies Leben und freie Bildung

Schlagworte: Hochschulpolitik // Studiengebühren // Wahlen 2010

Seit Anfang der Woche sind Proteste der Studierenden auch in Bochum wieder angelangt. Begonnen hat die aktuelle Welle des Bildungsstreiks in Österreich, wo seit mehreren Wochen durch Hörsaalbesetzungen gegen die unwürdigen Studienbedingungen protestiert wird. In Folge dieser Ereignisse gingen auch in zahlreichen Städten in Deutschland Studierende und SchülerInnen auf die Straßen. Auch die Zahl der Besetzungen wuchs täglich. Anfang dieser Woche startete dann der angekündigte „heiße Herbst“ im Rahmen des landesweiten Bildungsstreiks.


Im ganzen Land demonstrierten über 90.000 SchülerInnen und Studierende, um auf die Missstände im Bildungssystem aufmerksam zu machen. Im Anschluss an die Demonstration in Bochum besetzten rund 90 Studierende das HZO 10. Am 19. November nahmen etwa 3.000 KommilitonInnen in einer spontanen Aktion das Audimax ein, um die studentische Vollversammlung (VV) in eine größere Räumlichkeit zu tragen. Nachdem die VV in einer Resolution weitreichende Forderungen für eine freie Bildung und zur Verbesserung der allgemeinen Studienbedingungen beschlossen hat, wurde auch das Audimax an der Ruhr-Universität besetzt. Am Dienstag kam es am frühen Morgen zur polizeilichen Räumung. Anschließend blockierten etwa 500 Studierende die Universitätsstraße aus Protest gegen diese empörende unverhältnismäßige Maßnahme der Universitätsverwaltung.

Freier und gerechter Zugang zu Bildung ist nicht erst seit der Einführung von Studiengebühren eine zentrale Forderung im Kampf um die gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen eine freie Entfaltung des Individuums erst denkbar wäre. Wer heute ein Studium aufnimmt, kann sich in Zeiten massiver sozialer Selektion glücklich schätzen, auf der privilegierten Seite stehen zu dürfen. Studiengebühren verschärfen diese sozialen Selektionsprozesse nun noch weiter und sind somit „nur“ die Spitze des Eisbergs. Für uns Studierende sind diese unsozialen Entwicklungen innerhalb des Bildungssektors aber von besonderer Relevanz. Auch in den Bildungsinstitutionen kommen die entsprechenden Verantwortlichen den marktwirtschaftlichen Imperativen nur allzu gerne nach – und gegen diese Zeichen der Zeit gilt es zu protestieren.

Sofern nicht die freie Entwicklung des Individuums das höchste Ziel der Gesellschaft ist, sondern die Verwertbarkeit in allen Bereichen des Lebens, ist diese Bewegung umzukehren. Die aktuellen Tendenzen im Bereich der Hochschulbildung sind nur ein Beispiel für diesen selbstlaufenden gesellschaftlichen Prozess: Die Einführung von B.A./M.A. gehen mit einer Einengung des Studiums auf die reine Berufsvorbereitung und Verschulung einher. Studierende und DozentInnen befinden sich nicht in einem Verhältnis von Lehrenden und Lernenden, sondern stehen sich als KonsumentInnen und Dienstleistende gegenüber. Die Zahl jener, die sich diesen Luxus auch leisten können, ohne schon von früh an mit hohen Schulden dazustehen, verringert sich ununterbrochen.

Fordern wir nicht nur freie Individuen auf dem Campus, sondern auch eine befreite Gesellschaft, so kann ihr Ausgangspunkt auch im kritischen Leben auf dem Campus und öffentlichen Widerspruch gegen die Hochschulreform liegen. Die Linke Liste begrüßt daher die Proteste des längst auch in Bochum fälligen Bildungsstreiks.