15.Januar2010
Gegen Politically Incorrect
Ein Weblog kämpft gegen „Musel-Abschaum“
Schlagworte: Antifa // Grund- und Freiheitsrechte // Wahlen 2010
„Politically Incorrect“ (PI) nennt sich ein Internetportal, das seit 2004 vor der „Islamisierung Europas“ warnt. Auf einem Weblog versammelt sich die deutsche Avantgarde der sogenannten „IslamkritikerInnen“. Sie richten sich gegen all jene Aspekte des Islam, die potentiell gefährlich sein können: Von Moscheebau und Kopftuchgebot bis hin zur reinen Präsenz in der Öffentlichkeit.
Tacheles reden?
Längst nimmt die hiesige „Islamkritik“ kein Blatt mehr vor den Mund. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht die angeblich höhere Kriminalitätsbereitschaft von MigrantInnen, die kulturelle Minderwertigkeit der islamischen Religion und die Urban Legend von der „Deutschenfeindlichkeit“. Auch wenn sich PI auf Fakten bezieht, werden diese hysterisch und verkürzt interpretiert. Bundesdeutsche InternetuserInnen danken für solch offene Worte – mit 30.000 bis 50.000 Zugriffen täglich.
Stereotypie
Das Programm von PI ist einfach gestrickt: Es werden Meldungen aus Online-Magazinen, Weblogs und anderen Medien gesammelt und nach Beiträgen zum Islam abgegrast. Besonders beliebt sind Artikel, die „nachweisen“, dass islamischer Glaube in Deutschland zu juristischen oder moralischen Sonderrechten führt. Entsprechende Ereignisse werden mit sarkastischen Beiträgen und suggestiven Bildern hervorgehoben. Mit Genuss wird zugleich auf rechtliche und soziale Sanktionen gegen MuslimInnen verwiesen.
Wir sind die Opfer
In den Beitrags- und Kommentarspalten gehört es zum guten Ton, diese Sanktionen in der Defensive zu deuten. Wer in Deutschland bloß ein falsches Wort über den Islam verliere, gerate ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit. Unterstellt wird ein verbreitetes „Bestreben, Islamkritik zu kriminalisieren und zu verbieten“. Insbesondere die KommentatorInnen reden sich hierzu regelmäßig in Rage.
Echte Verbündete
Dieser eigentümlichen „Islamkritik“ geht es nicht um Unterstützung der demokratischen Bewegungen in den betreffenden Ländern wie etwa im Iran; vielmehr soll „Fortress Europe“ vor einer Masseneinwanderung behütet werden, die die christlich-abendländische Kultur bedrohe. Die Tatsache, dass Abertausende alltäglich Bekanntschaft mit islamistischen Rackets machen, ist für diese „KritikerInnen“ nur ein Anlass für rassistische Hetze: „Die sind halt so – aber bitte nicht in Europa!“ Damit erweist sich die reaktionäre Islamkritik als bester Bundesgenosse des politischen Islam.
Hear no evil, see no evil
Auch die Moderation sieht sich keinesfalls zum Eingriff genötigt, wenn die Leserschaft z. B. die „muslimische Dreckskultur“ verdammt oder wütende Abstrafungsaktionen gegen den „Musel-Abschaum“ einfordert. In ihrem Weltbild ist es kein Widerspruch, sich selbst als letzte Bastion gegen einen aufkeimenden „islamischen Faschismus“ zu begreifen und im selben Atemzug rechtsradikale Beiträge zu hofieren. Die Antworten auf die „demographische Bedrohung“ bedienen die Propagandabedürfnisse des bundesdeutschen Rassismus. Die Rufe nach Abschiebung, Arbeitslager und Prügelstrafe sind mittlerweile Common Sense in den Kommentarspalten.
„Jung und frei“
Nicht von ungefähr besteht auch eine direkte Zusammenarbeit mit der politischen Rechten. PI-Gründer Stefan Herre ließ sich mehrfach von der „Jungen Freiheit“ interviewen. Auch während der Versuche der rechtsnationalen „Pro-NRW“, in Köln eine antiislamische Kongressveranstaltung durchzuführen, leistete PI ideologische Rückendeckung. Die enge Verknüpfung zwischen PIund „bürgernahen“ PopulistInnen ist offensichtlich. Die Schreiberlinge geben sich bedeckt. Herre betonte mehrfach, als Gründer des Portals sei er keineswegs identisch mit dessen BetreiberInnen.
Simply incorrect
PI ist zu einem der führenden Medien für rechte und rassistische „KritikerInnen“ des Islam geworden. Sie hat weder mit „demokratischer Meinungsbildung“ noch mit herrschaftskritischer Religionsanalyse etwas gemeinsam: Kommentare mit blasphemischen Inhalten sind sogar offiziell untersagt. Die AutorInnen fügen lediglich Versatzstücke aus dem Tagesgeschehen zusammen, um Stimmung zu machen. Relevante Aspekte, die den politischen Islam betreffen, werden ignoriert. Es konstituiert sich eine breite politische Lobby, die rassistische Vorurteile verbreitet.
Jenseits des Rassismus
Statt eine emanzipatorische Kritik am Islam zu formuliert, wird auf PI nur wahnhaft gegen den „Musel-Abschaum“ gehetzt. Seine Erscheinungen wie die Hassreden von Ajatollah Chomeini und die drohenden Auftritte von Machmud Achmadinedschad, die Programme der Hamas, der Hisbollah und der Muslimbruderschaft, die Videobotscha ften der SelbstmordattentäterInnen, die Steinigung von Frauen und das Aufhängen von Homosexuellen sind kein Gegenstand einer gesellscha ftskritischen Analyse. Würde eine solche auch nur angestoßen, müsste PI sich selbst in Luft auflösen.
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