Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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1.Mai2009

Gender-Trouble-Shooter

Für einen Campus freier Individuen

Schlagworte: Gender

Sowohl an der Uni als auch im Alltag scheint sich die Gleichberechtigung von Frau und Mann durchgesetzt zu haben, und wo dies nicht der Fall ist, sollen Gesetze und Gleichstellungsbeauftragte dafür sorgen, dass gegen ungleiche Behandlung vorgegangen wird. Was mit der Gleichstellung der Frau begann, scheint sich nun auch auf alternative Formen der Sexualität auszuweiten. Dies ist beispielsweise daran zu erkennen, dass gleichgeschlechtlichen Paaren teilweise mehr Rechte zugebilligt werden. Doch bleibt die Frage, ob sich diese Entwicklung auch wirklich in der Gesellschaft widerspiegelt, und ob mensch sich mit dem Erreichten zufrieden geben darf.


Ein näherer Blick auf die Gesellschaft zeigt, dass sich die Gleichberechtigung der Geschlechter zwar rechtlich durchgesetzt hat, jedoch nicht in den Köpfen und strukturell. Sowohl Statistiken (z. B. über den Frauenanteil in Führungspositionen oder den Männeranteil am Erziehungsurlaub), als auch der alltägliche Sexismus zeigen, dass die Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht ist. Zudem zeigt die weitverbreitete Homophobie, wie gering die Akzeptanz für und wie groß der latente Hass gegen andere Formen der Sexualität ist. All dies lässt sich auf die an den gesellschaftlichen Verhältnissen abgelesene Vorstellungen zurückführen, Frauen seien nun mal „von Natur aus“ anders als Männer und es gebe dementsprechend eben auch Berufe und Aufgaben, für die Frauen oder Männer jeweils besser geeignet seien. Ähnlich wird auch nur die Heterosexualität als normal empfunden und Homosexualität als unnatürliche Abweichung davon betrachtet.

On ne naît pas femme: on le devient

Das Problem springt ins Auge: Auch wenn es notwendig und richtig ist, sich für eine Gleichberechtigung von Frauen sowie nicht-heterosexuellen Menschen einzusetzen, darf die Kritik an der Gesellschaft hier nicht enden, da damit nur die offensichtlichen Wirkungen, nicht jedoch die Ursachen erkannt und bekämpft werden. Denn nicht die ungleiche Behandlung der Geschlechter und Sexualitäten führen zum sexistischen und homophoben Normalzustand – es liegt viel grundlegender an der gesellschaftlich verankerten Vorstellung, dass es eine natürliche Trennung und Aufteilung aller Menschen in zwei Geschlechter gibt, die notwendig heterosexuelle Beziehungen zur Folge haben. Wie es schon Simone de Beauvoir auf den Punkt gebracht hat: „Man wird nicht als Frau geboren; man wird es.“ Hier wird klar, dass sie bereits erkannt hat, was viele noch erkennen müssen: Geschlechtsspezifische Eigenschaften und Fähigkeiten sind nicht natürlich, sondern haben ihren Grund in einer gesellschaftlich gemachten Zuschreibung. Damit es also zu einer wirklichen Gleichberechtigung aller Menschen kommen kann, müssen die bestehenden Geschlechter- und Sexualitätskonzepte hinterfragt und überwunden werden. Die binäre Vorstellung von „Mann“ und „Frau“, und damit einhergehend von „Heterosexualität“ muss als ein Konstrukt erkannt werden, um die Ausgrenzung einer Vielzahl anderer Formen der Geschlechtlichkeit und Sexualität zu beenden. Es müssen Ursachen dafür identifiziert werden, was die Überwindung bestehender Geschlechter- und Sexualistätskonzepte strukturell hindert: nämlich die bürgerliche Vergesellschaftung, die keine freie Entfaltung des Individuums ermöglicht. Die Einteilung aller Menschen in diese Kategorien ist eine abstrakte, willkürliche Setzung, die eine historisch gewordene gesellschaftliche Struktur darstellt. Um eine Assoziation freier Individuen möglich zu machen, ist nicht einfach die Gleichberechtigung von Mann und Frau erforderlich, sondern das Ablegen dieser Vorstellung und das Aufheben der ihr zugrunde liegenden Verhältnisse.

Unsere Ziele

Uns als Linker Liste ist es deswegen nicht nur wichtig, uns für Gleichberechtigung an der RUB und darüber hinaus einzusetzen, sondern auch, den notwendigen weiteren Schritt zu tun und ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Konstruiertheit der Geschlechter und Sexualitäten zu schaffen. Deswegen unterstützen wir nicht nur aktiv das autonome FrauenLesben- und das autonome Schwulenreferat, sondern organisieren als Teil des AStAs Veranstaltungen, die sich mit Geschlechtlichkeit und Sexualität beschäftigen und Theorieansätze präsentieren, mit denen die gesellschaftlichen Zusammenhänge, die Ursache dafür sind, erklärt werden können.

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