12.Dezember2006
Gruschel lieber uns
Schlagworte: Datenschutz
Gruscheln? Hätten wir vor einem Jahr mit dieser Schlagzeile einen Flyer geschrieben, hätte uns wahrscheinlich jede/r für verrückt erklärt. Doch mittlerweile ist diese Mischung aus "Grüßen" und "Kuscheln" fest im Studierendenalltag verwurzelt.
Der tägliche Gang ins StudiVZ gehört für viele mittlerweile so selbstverständlich zum Uni-Alltag wie der Gang zur Vorlesung oder der Besuch in der Cafete. Denn natürlich ist es nett, sich mit seinen Mitstudierenden auszutauschen, alte Grundschulbekanntschaften wiederzuentdecken und sich in diversen Gruppen mit Gleichgesinnten zu organisieren. Und nicht zuletzt schafft dies auch Abwechselung in dem oft allzu tristen Uni-Alltag.
Doch sollte man der ganzen Sache mit einer gewissen Skepsis begegnen. Nicht umsonst ist StudiVZ in den letzten Tagen offline gewesen. Gerade - aber nicht zuletzt - im Bereich des Datenschutzes weist die Seite massive Mängel auf.
StudiVZ und Datenschutz
Wenn man bedenkt, was man im Studi-VZ so alles über sich verrät, stellt sich doch die Frage, ob man auch auf dem Campus Fotos mit seinem Namen und seiner E-mail-Adresse aufhängen würde, oder ob man tatsächlich auch seinem neuen Arbeitgeber direkt die eigenen Urlaubsfotos und sogar noch die von der letzten WG-Party zeigen möchte. Ihr sagt nein? Aber im StudiVZ tut man genau das. Mit der Veröffentlichung des persönlichen Profils gibt man ganz schön viele Informationen über sich selber preis. Und das obwohl es genug Arbeitgeber/innen gibt, die den schnellen Blick ins VZ nicht scheuen, um zu erfahren, was denn der/die "Neue" sonst noch alles treibt. Ihr meint, ihr seit genug geschützt durch die vorhandenen Optionen, euer Profil oder eure Fotos "nur für Freunde" sichtbar zu machen? Weit gefehlt! Diverse Computermagazine haben einfache Möglichkeiten gefunden, auch diese Einstellungen zu umgehen. StudiVZ hat zwar reagiert, aber man weiß nicht, was als nächstes passiert...
Das Unternehmen StudiVZ
Auch ist vollkommen unklar, wie es mit dem Verzeichnis in Zukunft weitergeht. Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte, dass StudiVZ verkauft werden soll. Was hat es damit auf sich? StudiVZ ist kein unkommerzielles Hobby-Portal wie Indymedia oder Wikipedia, sondern ein kommerzielles Unternehmen mit Gewinninteresse. StudiVZ ist eine Limited Company (Ltd.) nach britischem Recht mit Hauptsitz in Birmingham und Zweigniederlassung in Berlin. Geschäftsführer (directors) sind Dennis Bemmann und Ehssan Dariani. Beide hatten StudiVZ im Oktober 2005 gegründet. Schon jetzt stecken in diesem Projekt über 2,5 Mio Euro Startkapital; größter Investor ist die Holtzbrinck Ventures GmbH mit 2 Millionen Euro. Es ist davon auszugehen, dass die InvestorInnen durch einen Verkauf des Unternehmens ein vielfaches der Summe verdienen wollen. So ist es im Geschäft der Holtzbrinck-Gruppe zumindest üblich. Gewinnbringend sind hier u.a. Eure Daten. Auch wenn die Geschäftsführer derzeit anderes beteuern: Die AGBs des StudiVZ schließen den Verkauf eurer Daten nicht ausdrücklich aus.
Die Geschäftsführung
Eben jene Geschäftsführer sind in letzter Zeit v.a. durch negative Schlagzeilen aufgefallen. Esshan Dariani z.B. machte auf sich aufmerksam, indem er seine Geburtstagseinladung unter dem Namen "Völkischer Beobachter" im Nazi-Layout im Internet veröffentlichte. Das ist nicht einfach nur geschmacklos; da sind Grenzen überschritten worden, die man nicht überschreiten darf.
Darüber hinaus hat sich die Geschäftsführung im Umgang mit einer sexistischen Stalking-Gruppe falsch verhalten: Diese Stalking-Gruppe hatte sich zum Ziel gesetzt, Frauen im Verzeichnis zu finden, die ihrer Meinung nach gut aussehen und diese möglichst oft zu gruscheln. Anstatt diese Gruppe aus dem Verzeichnis zu entfernen, fragte einer aus dem Leitungsteam an, ob er nicht vielleicht Mitglied in der Stalking-Gruppe werden kann.
Einen ausführlichen Bericht über die Stalking-Gruppe im StudiVz findet ihr hier
Die Moral von der Geschicht?
Ganz klar: Wir wollen euch weder sagen, dass ihr das StudiVZ unbedingt nutzen sollt, noch wollen wir euch raten, das Ganze an euch vorüberziehen zu lassen. Man sollte aber darauf achten, welche Informationen man im Netz über sich veröffentlicht.
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