8.Januar2002
Hilfskräfte
Stets zu Diensten
Schlagworte: Arbeit // Hochschulpolitik // Wahlen 2002
Ohne sie wäre der Wissenschaftsbetrieb an der Ruhr-Universität nahezu lahmgelegt, denn sie machen mehr als ein Drittel des wissenschaftlichen Personals aus: Die Rede ist von den knapp 1300 an der RUB beschäftigten studentischen “Hilfskräften". Die Aufgaben von studentischen Hilfskräfte sind vielfältig und beschränken sich nicht allein aufs Kopieren: Sie veranstalten Seminare und Tutorien, betreuen Praktika, arbeiten in Bibliotheken und Verwaltung, sind in der Datenverarbeitung, in Laboren und Forschungseinrichtungen tätig. Besonders auf die Lehrtätigkeiten der Hilfskräfte kann die Uni angesichts der steigenden Studierendenzahlen und gleichzeitigem Stellenabbau bei ProfessorInnen und Mittelbau nicht verzichten.
Für Studierende hat ein Hilfskraft-Job sicherlich Vorteile gegenüber anderen Tätigkeiten: Man lernt viele Dinge, die für das eigene Studium von Nutzen sein können, arbeitet an der Uni, wo man sowieso schon einen Großteil seiner Zeit verbringt und hat gegebenenfalls Vorteile, wenn man auf der Suche nach späteren PrüferInnen ist, da man diese durch die Hilfskrafttätigkeit unter Umständen deutlich besser kennt als die Profs, die man lediglich im überfüllten Hauptseminar einmal in der Woche trifft.
Die Schattenseiten
Doch gerade die erhofften Vorteile können sehr schnell zu Nachteilen werden, wenn man in der Prüfung von der Gunst des Chefs/der Chefin abhängig ist. In der Praxis muss man Dinge tun, die in keinem anderen Job denkbar wären, denn schließlich will man es sich mit den PrüferInnen nicht verscherzen. Dafür nimmt man dann auch schon mal Wochenenddienst oder Nachtschichten in Kauf, damit die TagungsteilnehmerInnen ihren Kaffee bekommen oder der Reader pünktlich zu Seminarbeginn auf dem Tisch liegt.
Gerade studentische Hilfskräfte sind schwierigen und vor allem ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen ausgesetzt. Die an der Hochschule tätigen Studierenden müssen von den niedrigsten Gehältern leben, die in Hochschuleinrichtungen gezahlt werden. Sie verrichten ihre Arbeit für knapp 8 Euro an Universitäten (und sogar nur für ca. 5,5 Euro an Fachhochschulen). Seit 1993 wurden die Löhne nicht erhöht. Selbst ein Anstieg um die Inflationsrate hat nicht stattgefunden. Hinzu kommt, dass es keine einheitlichen Regelungen für Wochenend- und Nachtarbeit sowie Urlaub gibt. Ebenso wenig wird eine Mindestbeschäftigungsdauer garantiert. Über die Beschäftigungsbedingungen der formal als “Sachmittel" geltenden studentischen Hilfskräfte entscheiden die Vorgesetzten.
Möglichkeiten, über die Arbeitsbedingungen und Vergütung mitzuentscheiden, haben die Betroffenen nicht. Statt eines Tarifvertrages, auf den sich ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen einigen müssen, werden die Richtlinien für die Arbeitsverhältnisse der Studierenden an den Hochschulen einseitig von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), dem Zusammenschluss der Bundesländer als Arbeitgeber im öffentlichen Dienst, diktiert. An den Hochschulen stehen die studentischen Beschäftigten ihren ArbeitgeberInnen alleine gegenüber, da es keine anerkannte Interessenvertretung der Hilfskräfte gibt, die sich für ihre Belange einsetzt.
Auch „Sachmittel“ haben Rechte!
Die Armut der Studierenden wird dabei bewusst ausgenutzt. Fast zwei Drittel der Studierenden sind gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten. SPD und Grüne, deren Ziel es eigentlich war, ungesicherte Beschäftigungsverhältnisse zu verbessern, haben im Sektor der studentischen Hilfskräfte diesbezüglich keinerlei Initiative ergriffen. Mit der in den Bundestag eingebrachten Dienstrechtsreform wurde versäumt, die Voraussetzungen für eine Verbesserung der Situation der studentischen Beschäftigten zu schaffen. Allein in Berlin konnte 1981 ein studentischer Tarifvertrag von den Beschäftigten durchgesetzt und bis heute verteidigt werden. Die Errungenschaft des Berliner Tarifvertrages ist bundesweit einmalig, dennoch auch an anderen Hochschulen dringend nötig. Die Linke Liste hat im vergangenen Jahr die bundesweiten Bestrebungen für einen studentischen Tarifvertrag unterstützt und will sich auch in Zukunft für eine Verbesserung der studentischen Beschäftigungsverhältnisse einsetzen. Auch “Sachmittel" haben Rechte!
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