11.Oktober2007
HoPo? What’s that?
Schlagworte: Hochschulpolitik
Die Linke Liste ist seit 10 Jahren in der Hochschulpolitik aktiv. Warum eigentlich, fragen sich uns einerseits die politisch (noch) nicht so aktiven Studis, andererseits aber auch diejenigen unter euch, die schon länger Politik machen, und in ein bis zwanzig anderen Gruppen von der Gewerkschaft bis zur Antifa aktiv sind. Schließlich läuft doch alles - oder nicht?
Rot-Grün-Schwarz-Gelbe Bologna Reformen
Viele der neuen Studiengänge sind noch nicht akkreditiert, die FachschafterInnen und TutorInnen haben in ihren Beratungen zum Teil mit bis zu vier Studienordnungen zu tun. Teilweise sind die MAs - entgegen aller vorherigen Versprechen von Landesregierung, Uni- und Fakultätsleitungen, schon mit Zulassungsbeschränkungen belegt, demnächst werden das vermutlich alle sein. Ein Studium, das die universitäre Ausbildung über den BA hinaus gewährleistet, wird somit an den Fakultäten der RUB und auch an anderen Unis mit dem modularen Bachelor/Master-Modell nicht mehr angeboten. Vielen Leuten genügt allerdings ein BA nicht, und bei aller internationaler Vergleichbarkeit erkennen auch verschiedenste Staaten, wie etwa die USA und Schweden, dreijährige Studiengänge nicht als wissenschaftliche Ausbildung an. Die Verschulung des Studiums (Anwesenheitspflicht, teilw. gar ’Hausaufgaben’) führt zur Verunmöglichung individueller Schwerpunktwahl, mangelnder Flexibilisierung und zunehmendem Einheitsbrei in der Lehre; kritische Wissenschaften geraten immer mehr an den Rand. Das schwarz-gelbe "Hochschulfreiheitsgesetz“ läutet Änderungen an der Hochschule ein, welche die Universität zu wettbewerbsfähigen Unternehmen statt zu einer Stätte der Bildung werden lassen und somit die Freiheit der Lehre und die Möglichkeiten, nicht direkt wirtschaftsrelevante bzw. vermarktbare Inhalte zu studieren, merklich verkümmern lässt. Die Abschaffung sogenannter "Orchideenfächer“ droht. Um gegen derartige Missstände vorzugehen, engagieren sich auf Fakultätsebene die Fachschaften. Die Linke Liste im Studierendenparlament sieht sich als Interessenvertretung der Studierenden gegen die Kommerzialisierung des Studiums und für die Beibehaltung wirtschaftlich unrentabler Fächer über die Fakultätsebene hinaus. Die allgemeine Studierendenvertretung, kann die Interessen der Studierenden gebündelt an der Hochschule und auch darüber hinaus, vortragen. Viele Mitglieder unserer Liste sind jedoch nach wie vor an der Basis, also in den Fachschaften, aktiv.
Gegen alle bösen -ismen!
Und warum soll man sich in der Hochschulpolitik engagieren, wenn man schon anderswo aktiv ist?
Die meisten Aktiven der Lili sind seit jeher auch in anderen Zusammenhängen aktiv - und man kann nicht sagen, dass dies der Arbeit an der Hochschule einen Abbruch tut. Im Gegenteil: Vernetzung ist auch auf universitärer Ebene möglich und nötig - und nützt auch über die Uni hinaus. Die Linke Liste glaubt fest an das allgemeinpolitische Mandat der Allgemeinen Studierendenvertretung. Der AStA hat politische Bildungsarbeit zu leisten sowie kulturelle und politische Initiativen, Projekte und Inhalte zu unterstützen und zu fördern; sowohl personell als auch finanziell. Ob Naziläden in der Bochumer Innenstadt, die Kriminalisierung von WissenschaftlerInnen, die die "falschen“ Dinge schreiben, wie im Falle des Berliner Soziologen Andrej H. - die Linke Liste steht dafür ein, dass solche Entwicklungen auch seitens der Studierendenvertretung nicht unkommentiert hingenommen werden. Selbstverständlich? Leider nicht, wie der Mitte-Rechts-AStA jeden Tag auf’s Neue beweist.
Wer, wenn nicht wir?
Die Reformen der letzten Jahre haben kritische Stimmen an den Hochschulen praktisch verstummen lassen. Die momentan AStA-tragenden Listen im mitte-rechten Spektrum teilen keinen unserer Ansprüche an eine Hochschule, wie wir sie uns wünschen. Wir wünschen uns akkreditierte, gut strukturierte aber flexible Studienangebote, die nicht einem Großteil der Studierenden den Weg in Richtung "wissenschaftlichanerkannter Abschluss“ versperren, wir wollen ein Hochschulsystem, das nicht in einem Jahr den neuen "Reichtum" aus Schulden der Studierenden zelebriert, um dann wenig später alle neuen Jobs und Angebote zu streichen, weil die notwendige Gelder vom Land gestrichen werden. Wir erwarten eine Uni ohne Naziparolen und eine Wissenschaft, die sich nicht zurückhalten muss, wenn sie Missstände moniert. Das sollte nicht zuviel verlangt sein, aber offenbar wird es noch von wenigen Hochschulgruppen gefordert.
Deshalb kommt vorbei, unterstützt linke Politik an der Uni und werbt für Unterstützung "daheim" in euren Inis.
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