Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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21.Dezember2005

Kapital

Nr. 11

Schlagworte: Arbeit // Kritische Wissenschaft

* Kapital, n. ’Vermögen, (zinstragende) Geldsumme’, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus ital. capitale ‚Wert, Grundsumme, Vermögen in Geld, Reichtum’, das auf lat. capitalis ‚den Kopf, das Leben betreffend, hauptsächlich’, auch ’schwerwiegend, wichtig’.


Will man die moderne Gesellschaft mit einem Wort zusammenfassen, muss man sich an Marx halten. Mit Bedacht hat dieser seine kritische Theorie der Gesellschaft nach dem benannt, was das Moderne an Gesellschaft überhaupt ausmacht: Kapital. (Daran hat auch die so genannte Postmoderne bisweilen nichts geändert.)

Das Kapital hat die besondere Eigenschaft, dass es die Menschen, die seine Gesellschaft bewohnen, nicht nur reich oder arm macht, sondern sie zudem über seine eigene gesellschaftliche Natur im Unklaren lässt. Wer etwa am Tresen mit einem Hundertmarkschein bezahlt, wird von Umstehenden gern als Kapitalist bespottet. Andere sagen, wenn ihnen das Bier zu teuer wird, das seien ja kapitalistische Preise. Etwas besser als Leute, die kein Kapital haben, wissen es gewöhnlich die Unternehmer und Anleger. Für sie ist, ganz praktisch, Kapital eine Wertsumme, die sich in einem gegebenen Zeitraum vermehrt - wie von Zauberhand. Von Sozis erfährt man gelegentlich, dass es sich beim Kapital im Grunde um diejenigen handelt, die am meisten davon haben und also sich den größten Anteil des produzierten Reichtums als Profit aneignen.

Kapital ist nicht bloß Geld, Ware oder Klasse, obwohl es notwendig damit vorkommt. Es bezeichnet vielmehr ein gesellschaftliches Verhältnis, das seiner Tendenz nach seit je und heute tatsächlich die Gesamtheit der sozialen Beziehungen auf dem Globus umfasst. Wer kritisch von Kapital spricht, meint den Umstand, dass alles, was Menschen denken und tun können, immer schon darauf bezogen ist. Das Kapital ist der abstrakte und sich selbst Zweck seiende Reichtum, dessen einzige Bestimmung es ist, mehr davon aufzuhäufen; koste es, was es wolle. Es liegt in der Sache, dass der so produzierte Reichtum ausschließlich dem zahlungsfähigen Teil der Menschheit zukommt, während die bankrotte Mehrzahl dürftig ausgehalten wird oder vor die Hunde geht. Daran wird kein Krisenreformprogramm etwas ändern, solange die Menschen nicht, wie sie es könnten, vernünftig und nach ihren Bedürfnissen, sondern nach Logik eben des Kapitals die Welt einrichten.