21.Dezember2005
Klauen
Nr. 21
Schlagworte: Arbeit
* Ugs. ist der Gebrauch des Verbs klauen im Sinne von „stehlen“. Die alte und eigentliche Bedeutung „mit den Klauen fassen, kratzen“ ist nur mdal. bewahrt (vgl. ahd. klâwên, mnd. klouwen „krallen, kratzen“).
Der Kühlschrank ist leer, das Geld ist alle, der/die VermieterIn will endlich Geld sehen und der rettende Monatsanfang ist noch lange nicht in Sicht? Wahrscheinlich kennen die meisten von Euch solche oder ähnliche Probleme nur allzu gut. Auch an den Studierenden ist der allgegenwärtige Sozialabbau eben nicht spurlos vorübergegangen: Weniger als 20% der Studierenden bekommen Bafög und wegen diverser Gesundheits-, Arbeitsmarkt- und wer weiß welchen Reformen wird auch bei den Eltern das Geld weniger und damit die Unterstützung. Es wird also Zeit, sich eine andere Einnahmequelle zu erschließen. Konsumieren ohne zu bezahlen, gemeinhin auch „Klauen“ genannt, wäre eine solche Möglichkeit: Leckere Dinge, Bücher fürs Studium, schicke Klamotten und alles andere was in Umhängetaschen passt, zum Nulltarif sind eine feine Sache. Ladendiebstahl lohnt sich doch! Wer dreist genug ist, gibt sich vielleicht sogar als Möbelpacker aus und nimmt ganze Kühlschränke oder Waschmaschinen mit.
Zugegebenermaßen hat die Sache zwei entscheidende Nachteile: Zum einen ist das Ganze etwas stressig. Ständig nach LadendetektivInnen Ausschau zu halten, bzw. vor denselben davonzulaufen, macht einfach keinen Spaß. Andererseits kann man immer nur Naturalien erbeuten, von denen unglücklicherweise weder Studiengebühren noch Mietschulden bezahlt werden können. Auch die Stadtwerke werden Strom und Gas nicht wieder anschalten, nur weil man ihren MitarbeiterInnen Kaviar, Trüffeln und Pinienkerne ins Büro schüttet. Und sich darauf zu spezialisieren, geklaute Elektrogeräte zu verscheuern, ist neben dem Studium wohl zu aufwändig – und wird von der Polizei noch weniger gern gesehen als einfaches Klauen.
Klauen ist also nicht uneingeschränkt zu empfehlen (das wäre ja auch ein „Aufruf zu Straftaten“). Klauen mag zwar eine Übergangslösung sein, die Lohnarbeit oder der Gründung einer Ich-AG im Einzelfall vorzuziehen ist; aber auf lange Sicht setzen wir immer noch auf die Revolution.
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