9.Januar2002
Kopf oder Zahl ?
Brauchen wir MathematikerInnen eine studentische Interessenvertretung?
Schlagworte: Fachbereiche // Wahlen 1998
Im Vergleich zu anderen Fachbereichen geht es uns Mathemati-kerInnen (noch) relativ gut, doch auch an unserer Fakultät sind die Studien- und Arbeitsbedingungen durchaus verbesserungswürdig.
Überfüllte Hörsäle und Seminare sind zwar die absolute Ausnahme, doch dies kann nicht allein der Maßstab für die Qualität der Lehre sein. Der Lehr- amtsstudiengang in seiner derzeitigen Form ist kaum auf die Bedürfnisse der angehenden LehrerInnen ausgerichtet, obwohl die Zahl der Lehramtsstudierenden in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Dabei werden qualifizierte Lehrkräfte trotz leerer Kassen dringend an den Schulen benötigt. Und wie sieht es aus mit der Frauenförderung? Etwa die Hälfte aller Studierenden an unserer Fakultät sind Frauen. So weit, so gut. Je höher man jedoch in der Hierarchie schaut, umso weniger Frauen wird man dort finden. In exponierten Stellungen wird man sie schließlich gar nicht mehr antreffen. Oder ist Euch bei uns schon einmal eine Professorin begegnet? Solche scheinbar zusammenhangslosen Probleme sind Ausdruck einer gesellschaftlichen Situation und daher nur politisch lösbar.
Politik?!
Damit haben wir MathematikerInnen doch nichts zu tun. Wir schreiben unsere Ideen, Sätze und Beweise auf, doch Konsequenzen hat dies nicht. Wer so argumentiert, weist jegliche Verantwortung von sich. Oder glaubt Ihr wirklich, die Physiker hätten die Wasserstoffbombe allein erfunden, die Ingenieure diese ganz eigenständig konstruiert?
Mathematische Forschungsergebnisse sind für die Entwicklung verschiedenster wissenschaftlicher Bereiche von entscheidender Bedeutung.
Forschung an der Uni ist nicht unabhängig von gesellschaftlichen Entwicklungen. Es besteht im Gegenteil ein direkter Einfluß durch zweckgebundene Finanzierung seitens staatlicher und wirtschaftlicher Institutionen, die sog. “Drittmittel”. Diese Art der Finanzierung erfolgt entweder über Zusammenschlüsse wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder über direkte Mittelvergabe durch Großkonzerne. Gleichzeitig zieht sich das Land aus seiner finanziellen Verantwortung immer weiter zurück und treibt dadurch die Unis und somit auch unsere Fakultät vermehrt in die Abhängigkeit der Wirtschaft. Auch die Lehrinhalte bleiben davon natürlich nicht unbeeinflußt. Wirtschaftlich nicht verwertbare, aber durchaus interessante und wichtige Themenkomplexe wie Geschichte der Mathematik oder Didaktik bleiben außen vor. Eine kritische Betrachtung von Forschungszielen und Lehrinhalten, auch von Seiten der Studierenden, ist unerläßlich. Kritische Wissenschaft gehört zu den zentralen Themen der Linken Liste, darüber hinaus wollen wir uns eingehend mit verschiedenen hochschulpolitischen und gesamtgesellschaftlichen Fragen auseinandersetzten. Wenn Ihr mehr über uns wissen wollt, dann lest doch einfach die Selbstdarstellung der Linken Liste auf dieser Seite (Kasten links) oder schaut im AStA, Raum 013 vorbei.
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