9.Januar2002
Landminen oder künstliche Augen?
Schlagworte: Fachbereiche // Wahlen 1998
Diese Frage muß sich wohl jedeR IngenieurIn stellen, wenn das Studium zu Ende geht. Doch solche Fragen werden nicht im Studium geklärt. Hier werden nur Fakten, Fakten und Fakten vermittelt: Aber was hinter den Fakten steht, wird verschwiegen.
Das eigene Verhalten und die gelehrten Studieninhalte kritisch zu hinterfragen, ist im Lehrplan der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge bislang nicht vorgesehen. Gerade die Verantwortung im Umgang mit dem eigenen Wissen und die potentiellen Folgen des eigenen Handelns sind als Teil der Ausbildung zukünftiger IngenieurInnen unverzichtbar.
Die möglichen Auswirkungen neuer technischer Entwicklungen auf Umwelt, Gesellschaft und zukünftige Generationen dürfen nicht außer Acht gelassen werden, weder bei der Zielsetzung privatwirtschaftlicher und staatlicher Forschung, noch bei der konkreten Verwendung von Forschungsergebnissen. All dies steht im Zusammenhang mit unserer Forderung nach einer verantwortungsvollen Umwelt- und Sozialpolitik. Zukünftige Generationen dürfen nicht unter den Folgen unseres momentanen Verhaltens zu leiden haben. IngenieurInnen müssen sich dieser Verantwortung bewußt sein, wenn sie Forschungsergebnisse zu ‘marktfähigen’ Produkten weiterentwickeln, und eben die Entwicklung dieses Bewußtseins muß fester Bestandteil des Lehrplans von Ingenieurs-studentInnen werden.
Uni demokratischer gestalten!
Die augenblickliche Zusammensetzung der Universitätsgremien ist uns ein weiterer Dorn im Auge, da die ProfessorInnen stets die absolute Mehrheit besitzen. Nichtwissenschaftliche Angestellte und vor allem Studierende sind vollkommen unterrepräsentiert und somit von Entscheidungsprozessen, die sie direkt betreffen, nahezu ausgeschlossen. Im AStA und anderen Gremien werden wir auf die Viertelparität (gleiche Stimmenzahl für ProfessorInnen, Studierende, technische und Verwaltungsangestellte und wissenschaftliche MitarbeiterInnen) in universitären Gremien hinarbeiten. So könnten Studierende beispielsweise endlich ernstzunehmenden Einfluß auf Prüfungs- und Studienordnungen ausüben.
Die Universität als Angelpunkt der Verbreitung, der Erweiterung und des Austauschs von Wissen darf nicht isoliert von der Gesellschaft betrachtet werden. Sie stellt vielmehr ein Spiegelbild der Gesellschaft dar, in dem sich die Probleme derselben wiederfinden. So erhalten z.B. ausländische Studierende (vor allem aus Nicht-EU-Ländern) nur befristete Aufenthalts- und beschränkte Arbeitsgenehmigungen, BAföG bekommen sie auch nicht. Wer ‘zu lange’ (mehr als zehn Semester) studiert, wird abgeschoben. Die genannten Sonderregelungen für ausländische Studierende stellen nur einen kleinen Teil der durch Politik, Medien und Öffentlichkeit betriebenen Diskriminierung ausländischer MitbürgerInnen dar. Die unbedingt notwendige Gleichstellung nichtdeutscher mit deutschen Studierenden an den Hochschulen muß deshalb einhergehen mit der Abschaffung jeglicher Benachteiligung Nichtdeutscher in unserer Gesellschaft.
Diese Beispiele zeigen, daß sich Bildungs- und Gesellschaftspolitik nicht trennen lassen, auch wenn dies die rechten Hochschulgruppen immer wieder behaupten. Ein linker AStA, wie wir ihn anstreben, setzt sich für die vielfältigen Belange der Studierenden ein, nicht nur beschränkt auf die Uni, sondern stets in engem Zusammenhang zu Politik und Gesellschaft. Zu den Studierendenparlamentswahlen Ende Januar tritt erstmalig das Wahlbündnis „linke Liste“ an. Sowohl Kritik an Politik und Gesellschaft als auch die Fähigkeit zur Selbstkritik eines/r jeden einzelnen stellen eine wesentliche Grundlage unserer politischen Arbeit dar. Die „linke Liste“ will an der RUB den Widerstand organisieren gegen die anstehenden Umstrukturierungen des Hochschulwesens, die zur Entdemokratisierung, Verschulung, Ausschließungen und der Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft führen.
Deshalb: Tu was und wähle „linke Liste“!!!
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