30.Dezember2005
Lehramt gegen Bachelor
Die Situation in GB
Schlagworte: Hochschulpolitik // Studienbedingungen // Wahlen 2001
Nicht nur der angekündigte Numerus Clausus für Germanistik, auch die angeblich drohende Abschaffung der Lehramtsausbildung in Bochum haben viele Fächer vor allem in GB aufgescheucht. Dabei wird gerne übersehen, dass die Lehramts-Drohung derzeit v.a. für eines gut ist: für die gestuften Studiengänge Werbung machen.
NRW-weit besehen wird die radikale Zusammenstreichung der Lehramts-Studiengänge zweifellos Realität werden. Es soll nur noch an wenigen, ausgewählten Hochschulen ein Studium mit dem Abschluss Staatsexamen auf Lehramt möglich sein. Ausdrücklich als gute Standorte genannt wurden nur zwei Unis – Bochum war nicht darunter. Die Unis Essen und Duisburg haben nun eilends eine Fusion so gut wie beschlossen; in Bochum herrscht Sorge wegen einer möglichen Zwangszusammenlegung mit Dortmund, wo die LehrämtlerInnen einen hohen Anteil unter den Studis ausmachen.
An der RUB wären vom Wegfall des Lehramtes nicht nur die paar ausdrücklich der Didaktik gewidmeten Professuren und Teile der Pädagogik betroffen, sondern die gesamte Struktur der G-Fächer, die – v.a. in den Philologien – zu einem großen Teil auf die Lehramts-Studis ausgerichtet ist. Doch keine Uni im Ruhrgebiet bietet so viele verschiedene Fächer an, die im Lehramt kombiniert werden können. Zumal die Panik ausschließlich dafür genutzt wird, ein anderes Projekt der Uni-Leitung voranzutreiben. Mit eigentümlicher Logik heißt es von da, die Ruhr-Uni müsse jetzt die gestuften Studiengänge vorantreiben, wolle sie nicht das Lehramt verlieren.
Dabei hat beides nicht viel miteinander zu tun. Man müsste sich lediglich noch einige Monate gedulden, um das Ergebnis einer ministeriellen Arbeitsgruppe zur grundlegenden Umgestaltung der Lehramtsstudiengänge zu Gesicht zu bekommen. Dann, wenn die hochschulspezifischen Bestimmungen bezüglich der Lehramtsstudiengänge ohnehin angepasst werden müssen, könnte man die beiden Studienordnungen kompatibel zueinander gestalten.
Für die GB-Fächer bringt der B.A. statt Rettung des Lehramts vor allem eine große Gefahr: Bei den schlechter ausgestatteten Fächern (etwa Slavistik, Skandinavistik, Orientalistik, aber auch FFW oder TW) zeigt sich wegen der Modularisierung und der daraus resultierenden Notwendigkeit, parallel Kurse in verschiedenen Schwierigkeitsstufen anzubieten, schnell, wer überhaupt in der Lage ist, das bisherige Fach sowohl als Bachelor- als auch als Master-Studium weiterzuführen. Kleinstfächer können dann Veranstaltungen entweder nur für die Bachelor-Phase anbieten oder gar bequem abgeschafft werden, da sie nicht mehr ins System passen.
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