Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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18.Januar2008

LiLi im Fachbereich #1

Medienwissenschaft

Schlagworte: Wahlen 2008

Studiert man Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität, saust das Studium an einem wie im Zeitraffer vorbei. Man hat kaum Zeit, auf dem Campus irgend etwas zu unternehmen, was über die unzähligen Seminararbeiten und raschen Cafetengänge hinausgeht. Aber aufgepasst: Schicke methodologische Instrumente wie Interpretation, Diskursanalyse, qualitative Forschung usw. machen mehr möglich, als nur die dicken Bedeutungsschichten verstaubter Filmklassiker, abstruser Fernsehsendungen oder langweiliger Internetportale abzuarbeiten.


Medienwissenschaft wird in Bochum als ein hippes Fach behandelt. Die Eröffnung eines ganz normalen Kolloquiums wird zu einem Event aufgebauscht, zu dem sogar „Exzellenzen“ wie Rektor Elmar Weiler Begrüßungsreden halten. Der Marktwert wird gepusht, zugleich aber Geld entzogen. Seit an der Ruhr-Universität – wie an praktisch allen anderen Hochschulen in NRW – Studiengebühren eingeführt wurden, hat man bei der MeWi mit merkwürdigen Widersprüchen zu kämpfen.

Paradoxien der Studiengebühren

Geld aus Studiengebühren ist da, und dennoch verringert sich die Zahl der Studierenden drastisch. Für die Masterphase gibt es dieses Jahr in MeWi weniger als zwanzig Neubewerbungen. Die Gebühren sollen „ausschließlich der Verbesserung der Lehre“ dienen. Es werden aber gleichzeitig aus dem Institutshaushalt restlos alle Mittel für medienpraktische Übungen gestrichen. Gelder aus anderen Haushaltstöpfen werden umgelagert, was die Unterfinanzierung anderer Bereiche zur Folge hat. In mehr als nur einem Fall müssen daher die Gebühreneinnahmen für die laufenden Lehrveranstaltungen ausgegeben werden, obwohl die Gebührensatzung dies verbietet. Es sind solch kleine Schritte, in denen sich die schleichende Privatisierung der Hochschulen vollzieht. Das Geld für die Bibliothek und Mediathek, für die Hilfskräfte, die Examensbetreuung und Tutorien fehlt. Es ist abzusehen, dass diese durch die Verwaltung erzeugten Finanzlöcher mit Gebühreneinnahmen gestopft werden. Von einer „Verbesserung der Lehre“ kann hier keine Rede sein. Ein solches Bild ergibt sich auch in vielen anderen Fachbereichen der Ruhr-Uni.

Demokratie und Transparenz

Auch zum Thema „Demokratie und Transparenz“ gibt die Medienwissenschaft ein gutes, weil verallgemeinerbares Beispiel: Die Gebührensatzung der Ruhr-Uni schreibt vor, dass die Studierenden der jeweiligen Fachrichtung in die Beschlussfassung über die Gebührenverwendung einzubeziehen sind. In wie vielen Fällen allerdings die MeWi-Fachschaft vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, davon kann sie ein langes Lied singen. Das Institut rechtfertigt sich mit (vermeintlichen) Sachzwängen. Die Verantwortung wird ein oder zwei Ebenen höher geschoben: Auf die Fakultät oder die Universitätsverwaltung, welche die Fristen üblicherweise zu kurz legen würden, so dass zur eingehenden Beratung keine Zeit bleibe. Einerseits wird der Geldhahn abgedreht, während andererseits die Mittel aus Gebühren vorhanden sind, die dann unter Zeitdruck eigenmächtig durch den Institutsvorstand zweckentfremdet werden müssen. Die Kontrollfunktion der Fachschaften ist nicht mehr als symbolischer Natur.

Private Daten

Seit Jahren vermeidet die Medienwissenschaft die Einführung von VSPL. Dies ist jedoch hauptsächlich den technischen Umständen zu verdanken. Während das Institut mit Apple-Rechnern arbeitet, ist VSPL vorerst nur für PC-Systeme benutzbar. Als angenehmer Nebeneffekt springt aber für die MeWi-Studierenden bisher Folgendes heraus: Ihre persönlichen Daten werden nicht auf dem unsicheren zentralen Server der Universität abgespeichert. Ob dieser Vorteil gegenüber dem datenschutzrechtlich bedenklichen System allerdings lange halten wird, ist eher unwahrscheinlich.

Initiativen bedroht

Wie sieht es mit der Beteiligung an spannenden studentischen Initiativen, wie dem Internationalen Videofestival, dem Studienkreis Film, dem Theaterfestival megafon oder Radio ct aus? Die Möglichkeit, an diesen Initiativen mitzuwirken, besteht natürlich. Und einige nutzen sie auch – noch. Allerdings ist ein Trend nicht zu übersehen, der sich auf den verschärft en Druck, mit dem Studium zügig fertig werden zu müssen, zurückführen lässt: Viele schaff en es nicht einmal mehr, etwas Freizeit dafür freizuschaufeln, die Festivals und Vorstellungen überhaupt zu besuchen, geschweige denn an deren Organisation in Eigenregie mitzuwirken. Den Initiativen fehlt der Nachwuchs. Der einzige Ausweg ist oft die Kommerzialisierung.

Fragen über Fragen

Was ist mit anderen medialen Bereichen, die im Studium nicht behandelt werden? Viele medienbezogenen Fragen werden zwar in den Seminaren aufgeworfen, dort aber nur gestreift und nicht ausreichend im Hinblick auf ihre politische Relevanz behandelt. Ist z. B. das StudiVZ nur nützlich, oder ist es auch als ein effektives Instrument der Kontrolle und Selbstkontrolle zu verstehen, welches es zugleich gestattet, die NutzerInnendaten für Gelder in Millionenhöhe zu verkaufen? Gibt es in den Filmgenres, bei aller Heterogenität, doch so etwas wie vereinheitlichende Formen der „bürgerlichen Gesellschaft “ und wie hängen sie mit dem herrschaft stragenden Konsens zusammen? Ist die Fernsehkritik mit der „Verblödungshypothese“ eines „Free Rainers“ auch schon an ihr Ende gelangt? Gibt es tatsächlich für die „Neuen Medien“ keine besseren Beschreibungsansätze als die technizistische Kybernetik und die das Soziale biologisierende Systemtheorie?

Die Linke Liste organisiert Veranstaltungen, die genau solche Fragen mit medienwissenschaftlicher Relevanz in die studentische Öffentlichkeit und darüber hinaus tragen. Dem gedankenlosen Umgang mit euren persönlichen Daten durch das VSPL-System steht sie kritisch gegenüber. Zudem setzt sie sich für eine schärfere Überwachung der Verwendung von Studiengebühren ein und hat sich das Ziel gesetzt, die Höhe der Gebühren in Verhandlungen mit dem Rektorat zu senken. Du kannst dazu beitragen, indem du dich in der Linken Liste engagierst und bei den aktuellen Wahlen zum Studierendenparlament dein Kreuz an der richtigen Stelle setzt!