Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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21.Dezember2005

Queen

Nr. 14

* „God save the Queen, God save our mad parades...“ (Sex Pistols)


„You look younger than ever“ möchte man Queen Elizabeth II. anlässlich ihres Goldenen Thronjubiläums zurufen, hätte man diesen Ausspruch nicht schon längst für ihre ginkonservierte Mutter reserviert. Wenn die Königin in diesem Jahr mit ihren teletubbyfarbenen Kostümen allgegenwärtig sein wird, so wird sie tatsächlich jünger aussehen als die meisten ihrer KritikerInnen. Egal ob John Lydon mit einer Neueinspielung von „God save the Queen“ droht, Labour ihren neoliberalen Kurs durch „revolutionäre“ Forderungen wie der Reform des Oberhauses oder der Besteuerung des königlichen Besitzes kaschieren wollen oder gar Linke die Loslösung Schottlands vom United Kingdom als emanzipative Politik propagieren, jene Progressiven, die sich nur noch an den vermeintlich vormodernen Residuen abarbeiten, haben längst den Blick für den Umschlag der Aufklärung in Barbarei verloren.

Insbesondere die deutsche Öffentlichkeit liebt dieses Spiel der konformen Rebellion, wenn sie einerseits verliebt auf die one-boygroup Prince William schaut und gleichzeitig immer wieder seit dem Tod der Kindergärtnerin über das nahe Ende der monarchistischen Tradition orakelt.

Dabei ist die Diskontinuität das einzig wirklich Beständige in der Geschichte des englischen Königshauses. Während Queen Victoria sich und die Monarchie als Empress of India mal eben neu erfand und sowohl über den geschichtlichen Bruch des Kapitalismus durch die Illusion monarchischer Dauerhaftigkeit hinwegtröstete, als auch den tatsächlichen Machtverlust der Krone durch Popularität kompensierte, wurde durch die BBC-Übertragung der Krönung Elisabeths 1953 die Monarchie vollends zum medialen Gemeingut und die Royal Family zur Fernsehfamilie von nebenan, die sich in der Form der soap opera permanent regeneriert. Gegen die dezente Omnipräsenz der Queen wirkt das hektische new economy-Treiben des gänzlich talentfreien Prince Edward noch würdeloser als der Wald&Wiesen-Konservatismus von Prince Charles.

Die Forderung nach einer Abschaffung oder Modernisierung der Monarchie ist anachronistischer als ihr Gegenstand. Sie führt nur zur Identifikation mit der tatsächlichen politischen Macht.