Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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18.Januar2011

Sackgasse Bachelor?

Masterplätze für alle!

Schlagworte: Hochschulpolitik // Studienbedingungen // Wahlen 2011

Während Ende 2010 die Studentinnen und Studenten in London wegen der Verdreifachung ihrer Studiengebühren auf die Straße gingen, ist der böse Traum vom Bezahlstudium in NRW endlich ausgeträumt. Im kommenden Sommersemester sind die „Beiträge“ zum letzten Mal fällig. Auch im Vergleich zur Situation der KommilitonInnen in Italien scheint sich bei uns alles zum Guten zu wenden. Beinahe zeitgleich zur Besetzung des schiefen Turms von Pisa als Zeichen des Protests gegen die Kürzung der Bildungsausgaben durch die Berlusconi-Regierung setzte Rot-Grün mithilfe der Linkspartei ihren Nachtragshaushalt durch. Dieser beinhaltet, neben der landesweiten Streichung der Gebühren, ihre Kompensation durch Finanzmittel des Landes, deren Verteilung noch umstritten ist. Trotzdem bleibt ein nicht unwichtiger Punkt übrig, der das Bild der schönen neuen Hochschule trübt: Es zeichnet sich ein Trend zur rigorosen Limitierung der Masterplätze ab.


Zur Zeit scheinen die Hürden des Master-Zugangs zumindest an der Ruhr-Uni noch denkbar gering zu sein: Lediglich für die Masterprogramme der Psychologie, eines der meist nachgefragten Fächer überhaupt, der Medienwissenschaft und für die nicht-konsekutiven Abschlüsse wie Development Management oder Computational Engineering besteht bisher ein Numerus clausus oder die Notwendigkeit einer gesonderten Bewerbung. Wie die Zukunft aussehen könnte, zeigen jedoch bereits etliche Universitäten in NRW und im Bund: In Köln bewarben sich 1.700 Bachelor-AbsolventInnen auf die 215 Plätze des Masters of Business Administration. Die Universität Hamburg hatte 1.171 Bewerbungen für 170 Plätze im Fach Betriebswirtschaftslehre zu verzeichnen. Diese Situation führte mitunter dazu, dass selbst Menschen mit guten bis sehr guten Abschlüssen auf ihren Masterplatz warten bzw. sich an anderen Universitäten umsehen mussten. Hinzu kommt, dass viele Unis aufgrund der großen BewerberInnenzahl dazu übergegangen sind, zusätzlich zum Bachelor-NC einen Test einzuführen, der über den Zugang zu den begehrten Plätzen entscheidet. Diese zusätzlichen Prüfungen können bis zu 100 Euro kosten, die von den Studis gezahlt werden müssen, und schmälern im Zweifelsfall den Wert der in mindestens drei Jahren erarbeiteten Bachelor-Note.

Wir passen einfach nicht zueinander...

Im Prinzip sollte ein Uni-Wechsel während oder nach dem Bachelor im Zuge des Bolognaprozesses kein Problem mehr darstellen, schließlich war ein einheitlicher Hochschulraum für Europa mit vergleichbaren Abschlüssen, flexiblen Standortwechseln und äquivalenten Zugangsvoraussetzungen Ziel der Reform. In der Realität können bereits die 140 Kilometer von Bochum nach Aachen ein unüberwindbares Hindernis darstellen: Ein Studierender der RUB hatte trotz eines B.A. mit 1,6, Auslandsaufenthalten und einschlägiger Berufserfahrung keinen Masterplatz an der TU-Aachen erhalten. Die Begründung: Es bestand keine ausreichende Deckungsgleichheit zwischen den Modulen, die an den beiden Hochschulen in den Fächern Politik- und Theaterwissenschaften gelehrt werden. Besonders hart trifft die mangelhafte Kompatibilität der B.A.- und M.A.-Programme die Lehramtsstudierenden. Zum einen müssen sie, um den LehrerInnenberuf ergreifen zu können, zwangsläufig einen Master-Abschluss vorweisen, zum anderen sind besonders die Inhalte der Lehramtsstudiengänge von Uni zu Uni sehr verschieden: Beispielsweise gibt es Hochschulen, an denen – im Gegensatz zur RUB – das zweite Fach erst im Master hinzugenommen wird und auch die Platzierung der fachpädagogischen Module variiert zwischen der B.A.- und M.A.-Phase.

Master = höheres Einkommen + unbefristete Stelle?

Aktuell entscheiden sich ca. dreiviertel aller Studierenden dafür, nach dem Bachelor an der Uni zu bleiben – und das aus guten Gründen. Statistisch betrachtet ist das Einstiegseinkommen der B.A.-AbsolventInnen um 20% geringer und sie werden deutlich seltener unbefristet eingestellt als HochschulabgängerInnen aller anderen Abschlussarten. Doch sowohl der legitime Wunsch, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, als auch das verständliche Bedürfnis, die eigenen Kenntnisse zu erweitern oder Bildung als eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung zu betrachten, scheitern immer häufiger an der gezielten Limitierung der Master-Plätze. Die Realität der Berufsaussichten und die Wünsche der Studierenden stehen daher im krassen Gegensatz zum ursprünglichen Konzept des Masters im Rahmen der Bologna-Reform: Während der Bachelor als Regelabschluss für den Weg in die Wirtschaft fungieren sollte, war der Master-Abschluss lediglich für die künftigen Forscher­innen und Forscher vorgesehen und daher nur auf eine geringe Kapazität ausgelegt.

Master unlimited mit der LiLi

Angesichts dieser Problematik, die sich in Zukunft auch an der RUB bemerkbar machen könnte bzw. für viele StudienortwechslerInnen bereits Realität ist, setzen wir uns als Linke Liste im Allgemeinen Studierendenausschuss und in den Fachschaftsräten dafür ein, entsprechende Veränderungen an der Ruhr-Uni zu verhindern. Wir sprechen uns klar gegen jede Art von Zulassungsbeschränkung zum Master aus und werden uns dafür starkmachen, die Kompatibilität der Bachelor- und Master-Studiengänge so weit wie möglich zu verbessern. Unserer Ansicht nach sollte es jedem Studierenden freistehen, wie im Bolognaprozess vorgesehen, die Universität zwischen Bachelor und Master wechseln zu können, sei es aus persönlichen Gründen oder aufgrund fachlicher Schwerpunkte und individueller Interessen. Im Bezug auf die Nachfrage nach Master-Plätzen ergibt sich jedoch eine tiefe Kluft zwischen den Einschätzungen der Politiker und den reellen Erfordernissen des Arbeitsmarktes und dem Wunsch nach Bildung vonseiten der Studierenden. Daher bleibt für uns der freie Zugang zum Master Teil eines fairen Bildungssystems und die Voraussetzung eines erfolgreichen Studiums.-