16.Januar2006
Stets zu Diensten
Hilfskräfte an der RUB
Schlagworte: Arbeit // Wahlen 2006
Ohne sie wäre der Wissenschaftsbetrieb an der Ruhr-Universität nahezu lahmgelegt, denn sie machen mehr als ein Drittel des wissenschaftlichen Personals aus: Die Rede ist von den knapp 1300 an der RUB beschäftigten studentischen "Hilfskräften". Die Aufgaben von studentischen MitarbeiterInnen sind vielfältig und beschränken sich nicht allein aufs Kopieren: Sie veranstalten Seminare und Tutorien, betreuen Praktika, arbeiten in Bibliotheken und Verwaltung, sind in der Datenverarbeitung, in Laboren und Forschungseinrichtungen tätig. Besonders auf die Lehrtätigkeiten der Hilfskräfte kann die Uni angesichts der steigenden Studierendenzahlen und gleichzeitigem Stellenabbau bei ProfessorInnen und Mittelbau nicht verzichten.
Für Studierende hat ein Hilfskraft-Job sicherlich Vorteile gegenüber anderen Tätigkeiten: Man lernt viele Dinge, die für das eigene Studium von Nutzen sein können, arbeitet an der Uni, wo man sowieso schon einen Großteil seiner Zeit verbringt und hat gegebenenfalls Vorteile, wenn man auf der Suche nach späteren PrüferInnen ist, da man diese durch die Hilfskrafttätigkeit deutlich besser kennt als die Profs, die man lediglich im überfüllten Hauptseminar einmal in der Woche trifft.
Die Schattenseiten
Doch gerade die erhofften Vorteile können sehr schnell zu Nachteilen werden, wenn man in der Prüfung von der Gunst des Chefs oder der Chefin abhängig ist. In der Praxis muss man Dinge tun, die in keinem anderen Job denkbar wären, denn schließlich will man es sich mit den PrüferInnen nicht verscherzen. Dafür nimmt man dann auch schon mal Wochenenddienst oder Nachtschichten in Kauf, damit die TagungsteilnehmerInnen ihren Kaffee bekommen oder der Reader pünktlich zu Seminarbeginn auf dem Tisch liegt.
Money for nothing
Gerade studentische Hilfskräfte sind schwierigen und vor allem ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen ausgesetzt. Die an der Hochschule tätigen Studierenden müssen von den niedrigsten Gehältern leben, die in Hochschuleinrichtungen gezahlt werden. Sie verrichten ihre Arbeit für 8 Euro an Universitäten (und sogar nur für ca. 5 Euro 50 an Fachhochschulen). Seit 1993 wurden die Löhne nicht erhöht. Selbst ein Anstieg um die Inflationsrate hat nicht stattgefunden. Hinzu kommt, dass es keine einheitlichen Regelungen für Wochenend- und Nachtarbeit sowie Urlaub gibt. Ebenso wenig wird eine Mindestbeschäftigungsdauer garantiert. Über die Beschäftigungsbedingungen der formal als "Sachmittel" geltenden studentischen Hilfskräfte entscheiden die Vorgesetzten. Möglichkeiten, über die Arbeitsbedingungen und Vergütung mitzuentscheiden, haben die Betroffenen nicht. Statt eines Tarifvertrages, auf den sich ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen einigen müssen, werden die Richtlinien für die Arbeitsverhältnisse der Studierenden an den Hochschulen einseitig von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), dem Zusammenschluss der Bundesländer als Arbeitgeber im öffentlichen Dienst, diktiert. An den Hochschulen stehen die studentischen Beschäftigten ihren ArbeitgeberInnen alleine gegenüber, da es keine anerkannte Interessenvertretung der Hilfskräfte gibt, die sich für ihre Belange einsetzt.
Auch "Sachmittel" haben Rechte
Die Armut der Studierenden wird dabei bewusst ausgenutzt. Fast zwei Drittel der Studierenden sind gezwungen, neben dem Studium zu arbeiten. Durch die schwarz-gelben Studiengebührenpläne wird sich diese Situation weiter verschlimmern. SPD und Grüne, deren Ziel es vorgeblich war, ungesicherte Beschäftigungsverhältnisse zu verbessern, haben während ihrer siebenjährigen Amtszeit auf Bundesebene im Sektor der studentischen Hilfskräfte diesbezüglich keinerlei Initiative ergriffen. Mit der Dienstrechtsreform wurde versäumt, die Voraussetzungen für eine Verbesserung der Situation zu schaffen, und auch von der großen Koalition ist diesbezüglich nichts zu erwarten. Allein in Berlin konnte 1981 ein studentischer Tarifvertrag von den Beschäftigten durchgesetzt und bis heute verteidigt werden. Die Errungenschaft des Berliner Tarifvertrages ist bundesweit einmalig, dennoch auch an anderen Hochschulen dringend nötig. Die Linke Liste unterstützt die bundesweiten Bestrebungen für einen studentischen Tarifvertrag und will sich auch in Zukunft für eine Verbesserung der studentischen Beschäftigungsverhältnisse einsetzen. Auch "Sachmittel" haben Rechte!
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