Vortrag: Antisemitismus von links?
Montag, 31. Mai 2010, 19 Uhr, ver.di-Haus
Die deutsche Linke und der Nahostkonflikt. mit Dr. Thomas Haury
Linke und Antisemitismus? Das scheint nicht zusammenzupassen. Ihr Antizionismus, so die Abwehr vieler linker Israelfeinde, könne rein gar nichts mit Antisemitismus zu tun haben.
Doch je genauer man hinschaut, desto fremder schaut es zurück: „Zerschlagt das zionistische Staatengebilde ‚Israel‘!“ wurde nach 1967 zur Parole der gesamten „revolutionären“ Neuen Linken in Westdeutschland – von der Dritte-Welt-Solidarität über die K-Parteien bis hin zur RAF. Und auf der anderen Seite der Mauer verurteilte die SED Israel in deutsch-linkem Gleichklang als einen bloßen „imperialistischen Brückenkopf“.
Und auch heute, nachdem der über 20 Jahre währende innerlinke Streit über derartige Positionen auch die Partei „Die Linke“ erreicht hat, wird Israel immer wieder beschuldigt, einen „Holocaust“ an den Palästinensern zu verüben, und als bloßer „Staat aus der Retorte“ (Junge Welt) in seiner Existenz negiert. Andere propagieren die Solidarität mit der Hamas, in Hamburg wird die Aufführung eines Filmes des Shoah-Regisseurs Claude Lanzmann von linken Anti-Imperialisten verhindert.
Doch spätestens wenn die „linke“ Parole „Sieg im Volkskrieg!“ von mit Pali‑Tüchern ausstaffierten Neonazis skandiert wird, sollte gefragt werden, warum der Weg vom „Antiimperialismus der dummen Kerls“ (Isaac Deutscher) zum antisemitischen Antizionismus mitunter so kurz ist.
Dr. Thomas Haury ist Soziologe und Historiker aus Freiburg. Er ist unter anderem Verfasser des Buches Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, Hamburg 2002.
31. Mai, 19 Uhr, ver.di-Haus, Universitätsstr. 76 (U35 Waldring) Bochum
Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Institut für Sozialtheorie, den Bochumer Bündnis gegen Rechts und der Evangelischen Stadtakademie.

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