Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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22.Januar2009

Tomte/Heureka vs. Egotronic

A confrontative record review

Warum diese beiden Platten zusammen besprechen? Auf den ersten Blick scheinen die beiden aktuellen Veröffentlichungen nicht viele Gemeinsamkeiten zu haben. Recht einfach gehaltener Electro mit zumeist politischen Texten auf der einen Seite und Indie mit eher persönlichen Texten auf der anderen. Viel Verbindendes fällt ohne genauere Betrachtung wirklich nicht auf.


Doch soll hier auch nicht der Versuch gestartet werden, die Gemeinsamkeiten auf den Wohnort beider Bands festzumachen, denn auch wenn Tomte mittlerweile ebenfalls in Berlin angekommen sind, bleibt ihre Musik doch eher typisch für ihre Herkunftsstadt Hamburg. Die Überschneidungen sind grundlegender und direkt an der Musik festzumachen – beiden Bands ist es anzumerken, dass sie ihre Ursprünge in der Punk- und Hardcore-Szene haben. So finden sich bei Tomte ehemaliger Mitglieder der Hardcore-Band Loxiran und auch Torsun, der federführend hinter Egotronic steckt, hat früher bei der Punkband Kalte Zeiten gespielt. Auch in ihrer Attitüde und ihrem Umgang mit der Plattenindustrie zeigt sich dieser Hintergrund. Beide Bands sind bei Indielabels untergekommen, bei denen der Punk-typische Do-It-Yourself-Gedanke nicht wegzudenken ist und beim Label Gran Hotel van Clef ist Tomte-Sänger Thees Uhlmann gar sein eigener Chef. Und auch wenn die Texte Tomtes im Vergleich zu den direkteren Worten, die Egotronic wählen, ziemlich kryptisch erscheinen, lassen sich auch bei ihnen politische Aussagen finden, die in eine ähnliche Richtung gehen: Zwar wird nicht zum Raven gegen Deutschland aufgerufen oder die Ablehnung des Arbeitsfetischs als richtige Einstellung gekennzeichnet, aber es gibt treffende Aussagen, wie mit Faschisten umzugehen ist (wie im Song Dein Herz sei wild).

Immer noch bleibt jedoch die Frage offen, wie die jeweils neuste LP ist. Auch hier gibt es eine deutliche Gemeinsamkeit, denn es handelt sich in beiden Fällen um die beste Platte der Bandgeschichte.

Es ist Tomte gelungen, das Vorgängeralbum Hinter all diesen Fenstern noch zu toppen, da sowohl die Texte noch eindringlicher, als auch das Songwriting noch ausgefeilter geworden ist – kurz gesagt, die neuen Songs sind noch bezaubernder, als es bisher schon der Fall gewesen ist. Sie schaffen es mit den beiden Versionen von Voran Voran zu beweisen, dass sie in der Lage sind, mit dem gleichen Song deutlich verschiedene Emotionen rüberzubringen – dabei ist es aber im Grunde nicht möglich, sich zu entscheiden, welche Version denn nun zu bevorzugen ist. Herauszuheben sind zudem noch die erste Single Der letzte große Wal und Wie ein Planet.

War es beim ersten Egotronic-Album Die richtige Einstellung noch deutlich zu spüren, dass es sich um eine Zusammenstellung einiger Lieder handelte, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben, klang der Nachfolger Lustprinzip schon deutlich ausgereifter, in sich stimmiger und bot dazu auch einige Hits. Die LP schaffte es dabei allerdings nicht auf ganzer Linie zu überzeugen. Dies ist ihnen nun mit ihrem selbstbetitelten dritten Album gelungen, das zwar textlich keine neuen Wege einschlägt, aber musikalisch vielseitiger und interessanter geworden ist, so dass keine Langeweile aufkommt und es nicht nötig ist, einzelne Lieder zu überspringen. Highlight der Platten ist wohl der Song Kotzen, in dem die Spießigkeit und die Deutschtümelei von Menschen thematisiert wird, die sich selbst als alternativ verstehen.

Auch wenn beide Platten deutlich verschieden sind und sich damit an ein komplett anderes Publikum wenden, lohnt es sich dennoch beiden eine Chance zu geben, auch wenn sowohl die Stimme von Tomtes Thees Uhlmann als auch die Atari-Sounds von Egotronic etwas Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen.