18.Januar2011
Wahn GmbH & Co KG
Hinter den Kulissen der Bürgerrechtsbewegung Solidarität
Schlagworte: Antifa // Antisemitismus // Verschwörungstheorien // Wahlen 2011
Die meisten Studierenden tun die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) als harmlose SpinnerInnen ab. Manch eine/r lässt sich aber auch in Gespräche verwickeln und kauft ein Exemplar ihrer Zeitung „Neue Solidarität“. Wer aber steht hinter der BüSo, warum ist diese Organisation als Polit-Sekte einzustufen und warum stellt sie eine ernst zu nehmende Gefahr dar?
Ein Blick in die Publikationen der BüSo verrät, dass es sich bei ihr um ein Produkt eines gewissen Lyndon LaRouche und seiner Frau Helga Zepp-LaRouche handelt. Der amerikanische Multimillionär versuchte mehrfach, von der Demokratischen Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden – erfolglos. Er entwickelte eine Art Privatideologie, die mit den gängigen politischen Kategorien kaum fassbar ist und gründete eine fast unüberschaubare Anzahl von Publikationsorganen – vor allem in den USA, Frankreich und Deutschland.
Sektenartiger Charakter
Nach Aussagen zahlreicher ehemaliger Mitglieder und renommierter Sekten-ExpertInnen tragen alle LaRouche-Organisationen einen sektenartigen Charakter. Interne Diskussionen finden nicht statt – die Linie geben die Eheleute LaRouche vor. Mitgliedern wird so gut wie kein Privatleben gelassen, „die Bewegung“ fordert mehrere Stunden Einsatz am Tag. Wie auch andere Sekten verfügt das LaRouche-Netzwerk über eine interne Zensur: Es gibt Listen für Bücher, deren Lektüre erwünscht oder ausdrücklich unerwünscht ist. Kontakte zu Menschen, die nicht Teil der Bewegung sind, werden hintertrieben.
Abstruse Großprojekte
Das Steckenpferd LaRouches ist die Ökonomie; in seinen Zeitungen wird er gerne als „Experte“ auf diesem Gebiet bezeichnet. Für ihn steht der Zusammenbruch des Kapitalismus unmittelbar bevor – dies gelte es zu verhindern. Ein neues „Bretton Woods“ sei zu diesem Zwecke unumgänglich, was die Einführung fester Wechselkurse und eine Goldbindung des Dollars bedeute. Natürlich seien in diesem Zusammenhang auch wirtschaftliche Impulse notwendig – hier werden von LaRouche gerne die „Eurasische Landbrücke“ sowie die „Neue Seidenstraße“ angeführt. Gemeint ist damit ein gigantischer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Er propagiert u.a. die Einrichtung einer Transrapid-Linie, die von Deutschland bis nach China reichen soll.
Weltverschwörung
„Während in den USA niemand auch nur die geringste Illusionen über die Macht zionistischer Lobby über vor allem die gegenwärtige Administration hegt, ist der Einfluss einer verdeckt operierenden zionistischen Lobby in der Bundesrepublik bisher nur wenigen eingeweihten bekannt, nicht aber der breiten Bevölkerung. Und deshalb müssen wir den scheinheiligen Holocaust-Schwindel zum Anlass nehmen, um diese ausländischen Agenten auffliegen zu lassen.“ (Helga Zepp LaRouche in „Neue Solidarität“, 25.1.1997) Die Lehre der LaRouches hat, wie jede paranoide Ideologie, Schuldige für den Zustand der Welt zu bieten. Genannt werden sie „Synarchen“. Gemeint sind damit Mitglieder ökonomisch-politischer Zusammenschlüsse, die im Verborgenen agieren. Dazu gehören die Briten, genauer: die Eliten, die sich um das englische Königshaus gruppieren. LaRouche wirft ihnen unter anderem die Ermordung Kennedys sowie die Förderung der Beatles vor. Die Beatles seien, so LaRouche, ein Produkt eines britischen Amtes für psychologische Kriegsführung. Ihre Aufgabe sei gewesen, die klassische Kultur zu zersetzen. Ebenfalls eng verstrickt mit der britischen Weltverschwörung seien die „Zionisten“. In der Vergangenheit hat sich Lyndon LaRouche positiv auf die klassische antisemitische Fälschung und Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ bezogen. Die USA werden ebenso gerne ins Visier genommen: LaRouche deutet den Anschlag vom 11. September als „versuchten Staatsstreich“ durch synarchische Kreise und den israelischen Geheimdienst Mossad. Auch habe das FBI zusammen mit der Kommunistischen Partei der USA versucht, ihn umzubringen.
Rekrutierung
Beim Werben neuer Mitglieder spielen die nur schwer nachvollziehbaren Theorien eine eher untergeordnete Rolle. Werbetaktik der BüSo ist es vielmehr, PassantInnen auf aktuelle politische Debatten anzusprechen. Wer sich interessiert zeigt, wird bald nach der Telefonnummer gefragt. Danach beginnt die intensive Bearbeitung des potentiellen Neuzugangs, dass heißt Einladungen zu Einzelgesprächen und Schulungen – Telefonterror nicht ausgeschlossen. Wer Mitglied wird, sieht sich bald massivem psychischem Druck ausgesetzt.
Kurz: Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) ist nichts anderes als eine mit rechtsextremer und antisemitischer Ideologie durchsetzte politische Sekte. Sie hat weder an der Hochschule noch in emanzipatorischen sozialen Bewegungen etwas zu suchen.-
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