16.Januar2006
Wahn GmbH & Co KG
Hinter den Kulissen der Bürgerrechtsbewegung Solidarität
Schlagworte: Antifa // Wahlen 2006
Die meisten Studierenden tun die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) als harmlose SpinnerInnen ab. Manch eine/r lässt sich aber auch in Gespräche verwickeln und kauft ein Exemplar ihrer Zeitung "Neue Solidarität". Wer aber steht hinter der BüSo, warum ist diese Organisation als Polit-Sekte einzustufen und warum stellt sie eine ernst zu nehmende Gefahr dar?
Ein Blick in die Publikationen der BüSo verrät, dass es sich bei ihr um ein Produkt eines gewissen Lyndon LaRouche und seiner Frau Helga Zepp-LaRouche handelt. Der amerikanische Multimillionär versuchte mehrfach von der Demokratischen Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden - erfolglos. Ihm war nicht nur deshalb wenig Erfolg beschieden, weil seine politische Agenda stark vom Kurs der Demokraten abweicht, sondern auch, weil er als Vorbestrafter eigentlich nicht kandidieren darf. Er wurde wegen Verschwörung (im US-Strafrecht in etwa gleichbedeutend mit Bildung einer kriminellen Vereinigung) und Kreditbetrugs zu 15 Jahren Haft verurteilt, von denen er fünf verbüßte. LaRouche entwickelte eine Art Privatideologie, die mit den gängigen politischen Kategorien kaum fassbar ist. Er gründete eine fast unübersehbare Anzahl von Publikationsorganen - vor allem in den USA, Frankreich und Deutschland. Die Betreuung der deutschen Ableger des LaRouche-Imperiums kommt vor allem seiner Frau zu. Sie war bereits Vorsitzende der "Europäischen Arbeiterpartei" sowie der "Patrioten für Deutschland", beides Vorgängerinnen der BüSo. Weitere Organisationen im LaRouche-Netzwerk sind das "Schiller-Institut", eine Art Thinktank der deutschen LaRouche-Sektion, sowie seit 1999 das "LaRouche Youth Movement".
Sektenartiger Charakter
Nach Aussagen zahlreicher ehemaliger Mitglieder und renommierter Sekten-ExpertInnen tragen all diese Organisationen einen sektenartigen Charakter. Interne Diskussionen, wie bei Parteien eigentlich üblich, finden nicht statt - die Linie geben die Eheleute LaRouche vor. Mitgliedern wird so gut wie kein Privatleben gelassen, "die Bewegung" fordert mehrere Stunden Einsatz am Tag. Wie auch andere Sekten verfügen die LaRouche-Organisationen über eine interne Zensur: Es gibt Listen für Bücher, deren Lektüre erwünscht oder ausdrücklich unerwünscht ist. Kontakte zu Menschen, die nicht Teil der Bewegung sind, werden hintertrieben. 2003 kam es bei einer Kaderschulung des "Schiller-Instituts" und des "LaRouche Youth Movements" zu einem Todesfall: Ein 22-jähriger Teilnehmer dieser Schulung lief nahe des Veranstaltungsortes in Wiesbaden schreiend auf die Straße, wurde dort von einem Auto erfasst und getötet. Die Mutter erklärte, er habe unmittelbar vor dem Unfall verängstigt bei ihr angerufen und sich bedroht gefühlt. Am Abend des Unfalls sei während der Schulung behauptet worden, die Juden trägen Schuld am Irak-Krieg, worauf der junge Mann aufgesprungen sei und gerufen habe: "Aber ich bin Jude!". Die Aussage, "die Juden" seien Schuld am Irak-Krieg, findet sich derart unverblümt in keiner Veröffentlichung des LaRouche-Komplexes. Was für Positionen werden aber dort vertreten? Was beinhaltet das Wahnsystem der LaRouches?
Personenkult
Auf jeder Website der Organisation prangt das Konterfei von Lyndon LaRouche - auf den deutschen Seiten auch das seiner Frau. Der Großteil der dort präsentierten Texte stammt aus der Feder der beiden. Beiträge anderer AutorInnen berufen sich auf die Lehren des "Meisters", davon abweichende Positionen kommen nicht vor. Auch die Existenz einer Jugendorganisation, die den Namen des Vorsitzenden trägt, spricht für sich.
Abstruse Großprojekte
Das Steckenpferd LaRouches ist die Ökonomie, in seinen Zeitungen wird er gerne als "Experte" auf diesem Gebiet bezeichnet. Für ihn steht der Zusammenbruch des Kapitalismus unmittelbar bevor - dies gelte es zu verhindern. Ein neues "Bretton Woods" sei zu diesem Zwecke unumgänglich, was die Einführung fester Wechselkurse und eine Goldbindung des Dollars bedeute. Natürlich seien in diesem Zusammenhang auch wirtschaftliche Impulse notwendig - hier werden von LaRouche gerne die "Eurasische Landbrücke" sowie die "Neue Seidenstraße" angeführt. Gemeint ist damit ein gigantischer Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Unter anderem propagiert er die Einrichtung einer Transrapid-Linie, die von Deutschland bis nach China reichen soll.
Weltverschwörung
"Während in den USA niemand auch nur die geringste Illusionen Über die Macht zionistischer Lobby über vor allem die gegenwärtige Administration hegt, ist der Einfluss einer verdeckt operierenden zionistischen Lobby in der Bundesrepublik bisher nur wenigen eingeweihten bekannt, nicht aber der breiten Bevölkerung. Und deshalb müssen wir den scheinheiligen Holocaust-Schwindel zum Anlass nehmen, um diese ausländischen Agenten auffliegen zu lassen." (Helga Zepp LaRouche in "Neue Solidarität", 25.01.1997) Die Lehre der LaRouches hat, wie jede paranoide Ideologie, Schuldige für den Zustand der Welt zu bieten. Innerhalb der LaRouche-Wahnwelt werden sie "Synarchen" genannt. Gemeint sind damit die VertreterInnen im Verborgenen agierender, ökonomisch-politischer Zusammenschlüsse. Die "Synarchen" werden aber auch konkret benannt: Es seien die Briten, genauer die Eliten, die sich um das englische Königshaus gruppieren. LaRouche wirft ihnen unter anderem die Ermordung Kennedys sowie die Förderung der Beatles vor. Die Beatles seien, so LaRouche, ein Produkt eines britischen Amtes für psychologische Kriegsführung. Ihre Aufgabe sei gewesen, die klassische Kultur zu zersetzen. Auch der "World Wildlife Fund" (WWF) stelle eine Tarnorganisation der britisch-synarchischen Kreise dar. Ebenfalls eng verstrickt mit der britischen Weltverschwörung seien die "Zionisten", womit in klassisch antisemitischer Manier eher ein weltweit agierender imperialistischer Geheimbund als eine innerjüdische politische Ausrichtung gemeint ist. So spielen auch die üblichen jüdischen Verdächtigen die Schurkenrolle im Weltverschwörungstheater der LaRouche-Publikationen, etwa die allgegenwärtigen Rothschilds. In der Vergangenheit hat sich Lyndon LaRouche auch schon positiv auf die klassische antisemitische Fälschung und Hetzschrift "Die Protokolle der Weisen von Zion" bezogen. Die USA werden ebenso gerne ins Visier genommen: LaRouche deutet den Anschlag vom 11. September als "versuchten Staatsstreich" durch synarchische Kreise und den israelischen Geheimdienst Mossad. Auch habe das FBI zusammen mit der Kommunistischen Partei der USA versucht ihn umzubringen.
Kulturkonservatismus
Ein wichtiger ideologischer Bezugspunkt der BüSo ist die "Klassik". Friedrich Schiller wird als Ikone verehrt. BüSo-AnhänerInnen singen auf Demonstrationen Schillers "Ode an die Freude". Mit dem Klassikkult geht eine scharfe Verurteilung aller Spielarten von Popkultur einher. So agitiert die Organisation gegen Gewaltfilme und Videospiele.
Rekrutieren neuer Mitglieder
Beim Werben neuer Mitglieder spielen die nur schwer nachvollziehbaren Theorien eine eher untergeordnete Rolle. Werbetaktik der BüSo ist es vielmehr, aktuelle politische Debatten aufzugreifen. Die Aktiven an den Infoständen sprechen PassantInnen meist auf Themen wie Irak-Krieg, Hartz IV und Ähnliches an. Bei Interesse wird dann versucht, die Parteizeitung "Neue Solidarität" zu verkaufen. Wer sich interessiert zeigt, wird bald nach seiner bzw. ihrer Telefonnummer gefragt. Danach beginnt die intensive Bearbeitung des potentiellen Neuzugangs, dass heißt Einladungen zu Einzelgesprächen und Schulungen - Telefonterror nicht ausgeschlossen. Wer Mitglied wird, sieht sich bald massivem psychischen Druck ausgesetzt. Auf Grund des sektenartigen Charakters der BüSo, den viele AussteigerInnen dokumentiert haben, möchten wir ausdrücklich davon abraten, diesen Leuten Telefonnummern oder gar Adressen zu geben.
Die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) ist nichts anderes als eine mit rechtsextremer und antisemitischer Ideologie durchsetzte politische Sekte, die von wenigen FührerInnen gesteuert ist. Sie hat weder an der Hochschule noch in emanzipatorischen sozialen Bewegungen etwas zu suchen.
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