17.Januar2009
Who the f... is BüSo?
Nachrichten aus dem Vorposten der Verschwörungstheorie
Schlagworte: Antifa // Wahlen 2009
Jedes Campusgelände zieht unterschiedlichste politische Gruppen an - auch solche, die wenig mit Uni-Politik am Hut haben. Das muss prinzipiell nicht verkehrt sein und wirkt sich in der Regel bereichernd aus. Darunter finden sich aber auch extrem rechte Gruppen, die nicht immer als solche zu erkennen sind. Die „BüSo“, die vor dem Uni-Center regelmäßig ihren Stand aufstellt, ist eine solche Partei am rechten Rand.
„BüSo“ steht für „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ und ist das Parteiorgan der als antisemitisch geltenden LaRouche-Bewegung. Der Name geht auf ihre Begründer zurück, den amerikanischen Multimillionär Lyndon LaRouche und dessen deutsche Frau Helga Zepp-LaRouche. Beide gründeten zunächst die Partei „Patrioten für Deutschland“, aus der schließlich die BüSo hervorgeging. Die Bewegung erhebt reaktionäre, vermeintlich populäre Forderungen, wie die Wiedereinführung der D-Mark oder eine harte Anti-Drogen-Politik. Ebenso stellen sich die BüSos oft als Beschützer Deutschlands und der „kleinen Leute“ gegen die Auswüchse des Kapitalismus dar. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich dabei jedoch meist um abstruseste Forderungen, die wenig am Kapitalismus ändern würden.
Das Prinzip Paranoia
Das Grundprinzip, auf dem die vermeintliche Kapitalismuskritik der BüSo aufbaut, fällt vergleichsweise simpel aus. Man konstatiert zunächst Probleme, die die Menschheit beschäftigen und versucht sie dann durch krude Verschwörungstheorien zu erklären: Eine kleine „zionistische und britische Lobby“ sei Schuld an unserem Unglück, so die Quintessenz der LaRouche-Ideologie. Somit werden die komplexen Mechanismen kapitalistischer Vergesellschaftung, die das Leid auf der Welt zu einem großen Teil bedingen, verkannt. Einer kleinen Minderheit wird ein völlig unrealistisches Machtpotential zugesprochen, vermittels dessen sie angeblich die Welt beherrschen und vernichten will. Wer an diesen Unsinn nicht glaubt, gilt als Kollaborateur, bis schließlich überall die vermeintlichen Feinde lauern. Wie bei allen verschwörungstheoretischen Strömungen und Sekten zählen dazu auch bei der BüSo Juden, Kommunisten, Liberale, „Heuschrecken“, Briten und vor allem – Kritiker der Bewegung.
I‘m in deep trouble
Die Folgen dieser Paranoia musste wahrscheinlich auch Jeremiah Duggan erfahren, ein junger britischer Student mit jüdischem Hintergrund. Dieser nahm an einer Veranstaltung des der BüSo angehörenden Schiller-Instituts teil. Dort wurde propagiert, der Machtantritt Hitlers und der 11. September würden auf das Konto von jüdischen Rothschild-Agenten gehen, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Um die Haltlosigkeit dieses Blödsinns aufzuzeigen, ließ sich Jeremiah u.a. zu einer demonstrativen Erklärung verleiten, er sei ein britischer Jude. Was daraufhin geschah ist ungewiss. Sicher ist nur, dass der junge Brite allen Grund gehabt haben muss, massive Angst und Bedrohungsgefühle zu haben. Dies geht aus einem kurzen Telefongespräch mit seiner Mutter 35 Minuten vor seinem Tod hervor: „I‘m in deep trouble“, waren seine letzten Worte. Die von der BüSo vertretene „Selbstmordthese“ ist äußerst dubios. Nach dieser soll Jeremiah Suizid begangen haben, indem er – angeblich ohne Fremdeinfluss – vor ein Auto rannte. Dies passierte jedoch nur wenige hundert Meter vom Büro des hauseigenen LaRouche-Sicherheitsdienstes. Englische Gerichtsmediziner fanden überdies Indizien von schweren Schlägen gegen den Kopf des Studenten, sodass er nicht aus freiem Enschluss vor das Auto geraten sein dürfte.
Was dagegen tun?
Das geschilderte Extrembeispiel zeigt, wie gefährlich es werden kann in näheren Kontakt zu der Sekte zu geraten. Da die BüSo unter StudentInnen agitieren will, ist gezielte Information und Aufklärung über diese rechtsextreme Bewegung von Nöten.
Kein Erfolg für Rattenfänger in Campusnähe!
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