Linke Liste

an der Ruhr-Universität Bochum

»Der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.«

B. Brecht

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21.Januar2008

...weil Nazis leider nicht nur „doof“ sind

Antifaschismus mit der LiLi

Schlagworte: Antifa // Wahlen 2008

In der Tat ist mit dieser simplen Einschätzung kein Blumentopf gegen die konkrete Bedrohung durch gewaltbereite Neonazis oder gegen ihre sozial verkleideten rassistischen Forderungen zu gewinnen. Einerseits nimmt im Ruhrgebiet vor allem in Dortmund und Umgebung die Zahl der Übergriffe auf Ausländer und Linke dramatisch zu, andererseits sind die Nazis und ihre Propaganda heute nicht mehr ohne weiteres auf den ersten Blick zu erkennen.


Der Nazis neue Kleider

Auch an der RUB tauchen in letzter Zeit vermehrt Aufkleber so genannter „Autonomer Nationalisten“ auf. Für das ungeübte Auge sind weder diese Publikationen, die beispielsweise Forderungen gegen staatliche Überwachung beinhalten, noch die dahinter stehenden Personen eindeutig als neonazistisch einzuordnen. In der rechten Szene ist die Übernahme linker Outfits, Symbole und Designs inzwischen weit verbreitet. Daher wird es immer wichtiger nicht nach Glatzen und Springerstiefeln, sondern nach mehr oder weniger geschickt getarntem Rassismus und Antisemitismus in Statements und Texten Ausschau zu halten.

David gegen „Goaliat“

Ein Beispiel für neue unauffällige Dresscodes der rechten Szene sind Kleidungsstücke der Marke „Thor Steinar“, wie sie u.a. im Laden „Goaliat“ auf der Oskar-Hoffmann-Straße bis August letzten Jahres verkauft wurden. Das Geschäft, dessen Besitzer aus Witten Kontakte zur rechten Szene pflegt, konnte sich zum Glück nur zehn Monate in Bochum halten. Bereits in dieser kurzen Zeit avancierte es jedoch zu einem Treffpunkt für die extreme Rechte des Ruhrgebiets. Verkauft wurden dort hauptsächlich Produkte des Labels „Thor Steinar“, eine Marke von Nazis für Nazis, deren Erlös zur Finanzierung von Strukturen der extremen Rechten eingesetzt wird. Dem anhaltenden Engagement diverser antifaschistischer Gruppen aus Bochum und Umgebung sowie dem damaligen AStA der Ruhr-Uni unter Beteiligung der Linken Liste ist es zu verdanken, dass die rechte Szenein NRW nun einen Treffpunkt und eine Einnahmequelle weniger hat.

Nazistrukturen in Dortmund

Mehr als nur dagegen! Leider sieht die Lage nicht in allen Städten des Ruhrgebiets so entspannt aus: In Dortmund griffen in den letzten Monaten Neonazis immer wieder mit größter Brutalität Lokalitäten an, die als Treffpunkt der linken Szene gelten oder von Menschen mit Migrationshintergrund betrieben werden. In der Silvesternacht zog ein Trupp von rund 30 Neonazis Parolen gröhlend durch die Dortmunder Innenstadt und machte Jagd auf alternativ aussehende Jugendliche. Mindestens zwei der Opfer wurden so schwer verletzt, dass sie per Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. In einigen Teilen der Stadt wird eine regelrechte „Ansiedlungspolitik“ durch die Nazis betrieben: Durch den konsequenten Zuzug rechter Nachwuchskader aus dem Umland entstehen für Menschen mit Migrationshintergrund No-Go- Areas, in die sich zumindest nach Einbruch der Dunkelheit niemand mehr traut, der „nicht deutsch genug“ aussieht. Die Neonazis nennen dieses Konzept die Schaffung „National befreiter Zonen“.

Rechte Akteure

Getragen werden die rechten Strukturen maßgeblich durch den, dem Spektrum der „autonomen Nationalisten“ zuzurechnenden, „Nationalen Widerstand Dortmund“ um Dennis Giemsch, aber auch durch ein subkulturelles extrem rechtes Milieu um die Nazi-Hooligantruppe „Borussenfront“ von Siegfried Borchardt. Besonders im Fall der rechtsextremen Partei NPD werden auch die strukturellen Verbindungen nach Bochum deutlich: Claus Cremer, ein wegen Volksverhetzung verurteilter Neonazi aus Bochum ist zugleich stellvertretender Vorsitzender der NPD in NRW und fungiert als Bindeglied zwischen der Partei und den „Freien“. Cremer signalisierte den parteiunabhängigen „Kameraden”, dass sie mit offenen Armen empfangen würden. Das müssen sie aus Sicht der NPD allerdings auch, denn im Ruhrgebiet geben die gewalttätigen „Kameradschaft en“ und nicht die sich biederer gebende Partei den Ton in der extremen Rechten an.

Antifaschismus an der RUB

Die Linke Liste unterstützt antifaschistische Gruppen und gegen Rechts gerichtetes Engagement in der Stadt und an der Universität nach Kräften. Gerade weil heutzutage die Nazis immer geschickter und besser vernetzt auftreten, ist eine inhaltliche Auseinandesetzung dringend geboten. Deshalb legen wir einen besonderen Schwerpunkt unserer Arbeit auf die Organisation von Informations und Aufklärungsveranstaltungen zu den neuen Strategien und Strukturen der Rechten. Zugleich steht die Linke Liste für eine Abkehr von einer rein symbolischen Politik gegen Neonazis. Entscheidend ist es, den Rechten undihrem nationalistischen und rassistischen Gedankengut offen entgegenzutreten.